Das PNOG wäre die Gelegenheit, den Wettbewerbsnachteil der Heimpflege gegenüber der Krankenpflege zu beseitigen, meint bpa-Präsident Bernd Meurer. Stattdessen geschehe das Gegenteil: Durch die geplanten Gehaltsbegrenzungen in der Langzeitpflege öffne sich die Schere zwischen den konkurrierenden Sektoren weiter. Dass immer mehr Pflegekräfte in die Krankenhäuser abwandern, könne sich das Land aber nicht leisten. Schon jetzt suchten viele Betroffene vergeblich nach Pflegeplätzen.
Exklusive Rabattverträge sind für Biosimilars und Kinderarzneimittel verboten. Bork Bretthauer, Geschäftsführer des Verbands Pro Generika, kritisiert, dass Krankenkassen für andere versorgungsrelevante Generika solche Verträge abschließen können. Er formuliert Vorschläge für eine stabilere Versorgung.
Reha ist Zukunftsmedizin! Unter diesem Schlagwort haben Reha-Träger die Bad Wildungen-Deklaration veröffentlicht. Doch die finanzielle Realität sieht anders aus. Denn eine praxisferne Vergütungsreform der Deutschen Rentenversicherung gefährdet die künftige Reha-Versorgung, schreiben Marc Baenkler, CEO der Median-Klinikgruppe, und Thomas Bublitz, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Deutscher Privatkliniken.
Die überfällige Notfallreform kann Fehlsteuerung reduzieren, unnötige Wege vermeiden und Patienten schneller in die passende Versorgung führen, schreibt die frühere Patientenbeauftragte und Sprecherin des Herzzentrums Lübeck, Claudia Schmidtke. Sie dürfe jedoch nicht mit einfacher Sparlogik verwechselt werden. Denn auch wenn weniger Menschen ungeordnet in Notaufnahmen kommen, müssen dort Personal, Diagnostik, Fachkompetenz und digitale Infrastruktur vorgehalten werden.
Heute geht die Apothekenreform, sowohl das Gesetz als auch die Verordnungen, in den Bundesrat. Die Phagro-Geschäftsführer Michael Dammann und Thomas Porstner mahnen im Standpunkt an: Wer die Vergütungsstrukturen des Großhandels nicht anpasst, kann sich nicht auf eine flächendeckende Versorgung verlassen. Ihren gesetzlichen Auftrag zu erfüllen, werde unter den aktuellen Bedingungen immer schwieriger.
Deutschland investiert Milliarden in die Spätfolgen – aber zu wenig in die Früherkennung chronischer Nierenkrankheit (CKD). Das ist medizinisch problematisch und ökonomisch teuer, schreibt Nicole Helmbold, Generalsekretärin der Deutschen Gesellschaft für Nephrologie, im Standpunkt.
HPV-Impfungen können zuverlässig Krebserkrankungen vermindern, trotzdem werden sie in Deutschland immer noch zu selten durchgeführt. Mangelnde Aufklärung und nicht adressierte Ängste spielen dabei unter anderem eine Rolle, schreibt Dr. Katharina Hüppe. Aufklärung, niedrigschwellige Angebote und digitale Impferinnerungen können helfen, Impflücken zu schließen und die WHO-Ziele zu erreichen, meint die Vorsitzende des Nationalen Aktionsbündnis Impfen (NABI).
Die aktuelle gesundheitspolitische Debatte in Deutschland ist von dem Wunsch geprägt, das System gleichzeitig leistungsfähiger, zugänglicher und kostengünstiger zu machen. Das bringt einen grundlegenden Zielkonflikt mit sich, findet Michael Hubmann, Präsident der Kinder- und Jugendärzte. Welchen er meint und warum er sich mehr Ehrlichkeit wünschen würde, schreibt er im Standpunkt.
Im Entwurf zur Pflegereform entdecken Kritiker viele Ungerechtigkeiten. So auch Klaus Holetschek, Vorsitzender der CSU-Fraktion im Bayerischen Landtag und ehemaliger bayerischer Gesundheitsminister, in seinem Standpunkt. Er freut sich zwar, dass der Entwurf eine ernsthafte Diskussion ermöglicht, und findet teils auch lobende Worte. Doch viele Punkte hält er vor allem für eines: ungerecht.
Nachhaltigkeit ist kein „Nice to have“. Sie entscheidet darüber, ob Qualität, Bezahlbarkeit und Versorgungssicherheit im Gesundheitssystem langfristig gesichert sind. Unsere Gastautorinnen plädieren daher für eine nationale Nachhaltigkeitsstrategie im Gesundheitswesen.
Weniger Geld ausgeben, mehr Nutzen schaffen: So will die Bundesregierung die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) stabilisieren. Der Gesetzentwurf zeigt hoffnungsvolle Ansätze, verteilt die finanziellen Lasten jedoch nicht gerecht, findet Thomas Moormann vom Bundesverband der Verbraucherzentralen.
Warum wir jetzt eine nationale Prozessplattform bauen sollten, statt Jahre auf Standardisierung zu warten. Ein Dreistufen Fahrplan für die Umsetzung.
Eine konsequente Präventionsorientierung in der Gesundheitsversorgung und Pflege kann den anhaltenden Trend sich verringernder gesunder Lebensjahre in höherem Alter stoppen. Das schreiben Daniel Dettling von der Gesundheitsstadt Berlin und Karsten Knöppler von fbeta. Sie entlaste die sozialen Sicherungssysteme und den Arbeitsmarkt und führe zu einer Steigerung der Lebensqualität und des Wohlbefindens.
Der Erstkontakt des Patienten mit dem Gesundheitssystem soll künftig in vielen Fällen digital organisiert und stärker gesteuert werden. Doch ohne mehr Stabilität und verbindlichere Kommunikationsstrukturen in der Telematikinfrastruktur wird das nicht gelingen, meint Philip Groth, Geschäftsführer des Produktherstellers Cherry Digital Health. Er plädiert für strengere Kontrollen der Anbieter und gegen die diskutierte Monopolisierung der Infrastruktur.
GLP‑1‑Therapien haben die Behandlung von Typ‑2‑Diabetes verändert – in der Debatte dominieren jedoch Abnehmversprechen und Kostenfragen. Mit den ersten Patentabläufen rücken Generika und Biosimilar‑Insuline als Chance für bezahlbaren Zugang und resilientere Lieferketten in den Fokus. Entscheidend ist nun, ob die Politik die Regelversorgung strukturell neu aufstellt, schreibt Shreehas Tambe, CEO und Managing Director von Biocon Limited im Standpunkt.
Gesundheitsförderndes Wohnen kann das Gesundheitssystem entlasten – doch während die Bevölkerung laut einer aktuellen Studie aufgeschlossen ist, unterschätzt die Politik das Potenzial massiv, schreiben Thomas Solbach, Partner bei Strategy& Deutschland und Michael Ey, Global Health Services Leader bei PwC Deutschland, im Standpunkt. Die richtigen regulatorischen Hebel seien kostenneutral, würden aber Milliarden-Sparpotenzial bieten.
Demenzdiagnosen zu stellen, ist wegen mangelndem Datenzugang oft schwer, schreibt die Forschungsleiterin der NGO Alzheimer Europe, Angela Bradshaw. Die Europäische Plattform für neurodegenerative Erkrankungen will dagegen steuern, indem sie Demenzforschende in Europa beim Zugang zu klinischen Datensätzen unterstützt und biologische Proben auflistet. Bradshaw stellt das Konsortium sowie Vorteile multinationaler Forschungsnetzwerke vor.
Die Patientensteuerung, etwa durch digitale Ersteinschätzung, sei ein wichtiger Baustein für ein Primärversorgungssystem, ändere aber an der eigentlichen Schwäche des Gesundheitssystems noch nichts: der fehlenden Koordinierung der Versorgung. Lutz Hager, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbands Managed Care, schreibt, auf welche Bausteine es bei der Reform seiner Ansicht nach wirklich ankommt.
Qualitätsorientierte Versorgung mit Erfolgskontrollen und frühe Interventionen, die teure spätere Behandlungsfälle verhindern und durch sinnvoll eingesetzte Genusssteuern refinanziert werden können: Stefan Blankenberg, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie, schreibt im Standpunkt, warum dies eigentlich einfache Rechnungen für Strukturreformen sein sollten.
Die GKV steht vor Milliardenlücken, doch gekürzt wird ausgerechnet bei den Hilfsmitteln, einem Bereich, der seit Jahren stabile Ausgaben vorweist, schreibt der Präsident des Bundesinnungsverbandes Orthopädie-Technik, Alf Reuter. Obwohl die Finanzkommission dort keinen Ausreißer erkenne, setze das BMG auf pauschale Abschläge. Das treffe gerade die aufwendigsten, personalintensiven Versorgungen und gefährde langfristig die wohnortnahe Versorgung.
Noch immer stirbt etwa jede Minute ein Kind an Malaria – die meisten von ihnen in Afrika und unter fünf Jahren. Trotz großer Fortschritte geraten die Erfolge zunehmend unter Druck. Deutschland spielt dabei eine Schlüsselrolle: als einer der wichtigsten Geber und als Innovationsstandort. Warum es diesen Weg fortsetzen sollte, schreibt die ehemalige Tropenmedizinerin Marijke Wijnroks im Standpunkt anlässlich des Welt-Malaria-Tags am vergangenen Samstag.
Mit dem Pharmadialog hat NRW – Standort von Johnson & Johnson Innovative Medicine in Deutschland und vieler weiterer forschender Pharmaunternehmen – ein klares Bekenntnis zum Pharmastandort abgegeben, schreibt der Vorsitzende der Geschäftsführung, Urs Voegeli. Höchste Zeit, dass auch die Bundesregierung politische Verantwortung übernimmt, die Zusagen aus dem Koalitionsvertrag einlöst und den Pharmastandort Deutschland stärkt, statt Patienten vom Zugang zu neuen Medikamenten abzukoppeln.
Das EU-Parlament will die Medizinprodukte von den strengen Auflagen des AI Acts erst einmal ausnehmen. Um welche Vorgaben geht es genau, und welche Folgen hat das für Krankenhäuser, Fachkräfte und Patienten? Warum der Wegfall dieser Schutzmaßnahmen die zugrundeliegenden Probleme nicht löst, sondern die Komplexität lediglich verlagert.
Impfungen verhindern nicht nur schwere Krankheitsverläufe, sondern leisten auch einen entscheidenden Beitrag zur volkswirtschaftlichen Stabilität, indem sie Arbeitsausfälle reduzieren, Produktivität sichern und die Funktionsfähigkeit von gesamten Wertschöpfungsketten gewährleisten. Dabei zeigen Auswertungen des vfa: Ein relevanter Teil der Fehlzeiten in Deutschland wäre prinzipiell vermeidbar, schreibt Verbandsexperte Benedikt Fabian im Standpunkt.
Biotechnologie ist eines der Felder, auf denen sich entscheiden wird, wie zukunftsfähig unser Standort in den kommenden Jahrzehnten ist, schreibt Roland Sackers, Vorstandsvorsitzender von BIO Deutschland, im Standpunkt. Es brauche jetzt mehr Mut, diese Branche als strategische Zukunftsindustrie zu behandeln – und mehr Entschlossenheit, die Rahmenbedingungen entsprechend auszurichten. Am Ende würden alle davon profitieren – Patienten, Wissenschaft, Wirtschaft und Co.
Die Politik verspricht stabile Leistungen – doch Nina Warkens GKV-Spargesetz könnte genau das Gegenteil bewirken. Wenn zentrale Akteure entlastet und stattdessen Ärztinnen und Ärzte stärker belastet werden, drohen weniger Termine, längere Wege und eine schleichende Ausdünnung der Versorgung, prognostiziert der BVKJ-Präsident Michael Hubmann. Was als Sparmaßnahme gedacht sei, könne das System grundlegend verändern. Patient:innen müssten mit Leistungseinschränkungen rechnen.
Die Honorarkürzung im Bereich Psychotherapie setzt ein falsches Signal, meint Beate Beyer. Notwendig wäre stattdessen eine differenzierte Betrachtung der besonderen Anforderungen in der kinder- und jugendpsychotherapeutischen Versorgung sowie eine gezielte Stärkung dieses Bereichs, ist die Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin aus Leipzig überzeugt. Nur so lasse sich verhindern, dass aus einer bereits angespannten Versorgungslage eine strukturelle Unterversorgung werde.
Der Einstieg großer Drogerieketten in den Online-Apothekenmarkt markiert eine strukturelle Verschiebung, erläutern die Fachanwälte für Medizinrecht, Sebastian Retter und Marina Schulte. Denn getrieben vom E-Rezept und neuen digitalen Prozessen entstünden Chancen für Effizienz und Service – bei zugleich jedoch steigenden regulatorischen Anforderungen, insbesondere im Datenschutz und bei der Preisbindung.
Bei der Diskussion über ein Primärversorgungssystem geht es um die künftige Architektur der ambulanten Versorgung als Ganzes. Die Reform nicht in die Logik eines bundesweit starren, einheitlichen Kollektivsystems zu pressen, wird für die dauerhafte Tragfähigkeit entscheidend sein. Der bundeseinheitliche Rahmen braucht regionale Vertragsfreiheit der Beteiligten vor Ort, ist Silke Arnegger, Professorin für Gesundheitsökonomie an der Hochschule RheinMain, überzeugt.
Was passiert, wenn US-Algorithmen, die auf kommerzielle Effizienz trainiert wurden, auf deutsche Krankenhäuser treffen, die historisch auf dem Prinzip der Solidarität gebaut sind? Dieser Frage geht Nico Marquardt im Standpunkt nach. Der Gesundheitswissenschaftler der Charité ist überzeugt, dass die Gesellschaft aushandeln muss, wie KI reguliert wird, um das Vertrauen der Bürger in die demokratische Kontrolle des Gesundheitssystems nicht zu verspielen.
Trotz der hohen und weiter zunehmenden Erkrankungslast werden bestimmte Lebererkrankungen in der klinischen Praxis häufig übersehen und nicht erkannt. Dies liegt sowohl an mangelnden Anreizen zur Diagnostik in der ambulanten Versorgung, insbesondere aber daran, dass eine Therapieoption bis vor Kurzem fehlte, schreibt Jörn Schattenberg, Direktor der Klinik für Innere Medizin II am Universitätsklinikum des Saarlandes. Dies habe sich nun geändert.
Die Behandlung von HIV gilt als eine der größten medizinischen Erfolgsgeschichten – doch genau dieses Modell stößt zunehmend an strukturelle Grenzen. Moderne Therapien leisten weit mehr, als klassische Bewertungsverfahren erfassen können. Warum Deutschland seine Bewertungs- und Regulierungsmechanismen modernisieren muss, um medizinischen Fortschritt nicht auszubremsen, schreibt Christian Wißkirchen im Standpunkt.
Digitalisierung verbessert Qualität, entlastet Personal und erhöht die Patientensicherheit, spart aber kurzfristig kaum Geld, schreibt Vivantes-Chef Johannes Danckert im Standpunkt. Hohe Investitionskosten, starre Finanzierungssysteme und vorgeschriebene Personalvorgaben verhinderten schnelle Einsparungen. KI helfe in Diagnostik und Verwaltung, ersetze aber kein Personal. Um aus der finanziellen Not herauszukommen, braucht es andere Mittel, so Danckert.
Um die Finanzen der gesetzlichen Kranken- und sozialen Pflegeversicherung langfristig zu stabilisieren, braucht es Innovationen im Gesundheitsbereich, schreibt die CDU-Politikerin Maria-Lena Weiss. In moderner Medizintechnik und der Nutzung von Gesundheitsdaten steckt ihrer Ansicht nach großes Potenzial, Kosten zu sparen. Dafür müsse die industrielle Gesundheitswirtschaft gestärkt werden.
Unser Gesundheitssystem ist ein undurchdringlicher Dschungel. So wird es jedenfalls von 80 Prozent der Menschen in Deutschland wahrgenommen – und das ist ein Problem, schreibt Mark Dominik Alscher. Er ist Geschäftsführer beim Bosch Health Campus. Um Patient:innen bei der Orientierung zu unterstützen, sei die Stärkung der Primärversorgung ein erster Schritt. Sie müsse aber mit weiteren Maßnahmen verzahnt werden, vor allem mit klaren Steuerungsmechanismen entlang der gesamten Versorgungskette.
Deutschlands Arzneimittelpolitik steht zwischen Kostendruck und dem Anspruch, ein führender Forschungsstandort zu bleiben. Gesundheitsdaten – vom FDZ bis zur elektronischen Patientenakte – könnten zum entscheidenden Hebel werden. Doch statt einer „Gesundheitsdaten-Dividende“ braucht es vor allem Transparenz, klare Verfahren und eine starke Dateninfrastruktur, die echten medizinischen Fortschritt ermöglicht, meinen Vandage-Geschäftsführer Julian Witte und Manuel Bertram.
Tuberkulose ist längst nicht mehr nur ein globales Gesundheitsproblem – sie entwickelt sich zunehmend auch zu einer sicherheitspolitischen Herausforderung für Europa. Das liegt sowohl an den Ursachen ihrer Verbreitung als auch an der Komplexität von Diagnostik und Therapie und den weitreichenden Folgen, wenn ihre Bekämpfung vernachlässigt wird, urteilt Timo Ulrichs, Epidemiologe und Vize-Präsident der Akkon Hochschule in Berlin, anlässlich des heutigen Welttuberkulosetags.
Die hohen Abbruchquoten und die wachsende Unzufriedenheit unter Pflegeauszubildenden zeigen: Der Fachkräftemangel beginnt nicht erst im Berufsalltag, sondern bereits in der Ausbildung. Wer die Pflege langfristig stabilisieren will, muss hier ansetzen, schreibt Kathrin Freitag, Direktorin der Berufsfachschule für Pflege am SRH Klinikum Karlsbad-Langensteinbach, in ihrem Standpunkt.
Die Krankenhausreform sieht für spezialisierte Schmerzmedizin keine eigene Leistungsgruppe vor. Dadurch drohten 40 Prozent der stationären Angebote wegzufallen, sagt der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin, Richard Ibrahim. Und eine überhastete Ambulantisierung gefährde die Versorgungsqualität für die fast fünf Millionen Betroffenen, warnt er anlässlich der heute beginnenden Deutschen Schmerz- und Palliativtage in Frankfurt.
Längst ist bekannt, dass Erwartungen systematisch genutzt werden können, um medizinische Behandlungen – ob medikamentös oder operativ – zu verbessern, schreiben die Professor:innen Ulrike Bingel und Sven Benson vom Uniklinikum Essen im Standpunkt. Zentraler Einflussfaktor sei die erfolgreiche Kommunikation zwischen Therapeut und Patient, weshalb sie an Entscheidungsträger appellieren, Kommunikation und Kontextfaktoren in der Medizin stärker zu berücksichtigen.
Deutschland benötigt mehr als Einzelreformen in der Gesundheitsversorgung, schreiben Sabine Deutscher, Vorstandsmitglied, und Matthias Mohrmann, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der AOK Rheinland/Hamburg, im Standpunkt. Es brauche einen Paradigmenwechsel hin zur Vermeidung von Erkrankungen, also mehr Prävention, Gesundheitsförderung und Gesundheitskompetenz, um langfristig ein leistungsfähiges Gesundheitssystem mit fairem Zugang und bestmöglicher Versorgung für alle zu erhalten.
Mit dem Forschungsdatenzentrum Gesundheit entsteht eine große zusammenhängende Gesundheitsdatenquelle, schreiben CSU-Politikerin Emmi Zeulner und Herzchirurgin Claudia Schmidtke. Doch der volkswirtschaftliche Wert der Daten werde durch die Nutzung nicht abgeschöpft. Deshalb fordern sie eine Gesundheitsdaten- und Wissensdividende, die zur GKV-Stabilisierung und Versorgungsverbesserung beitragen könne.
Deutschlands Gesundheitswesen muss krisenfester werden, argumentieren fünf Sicherheits- und Gesundheitsexperten anlässlich der heutigen KRITIS-Fachtagung in Berlin. Sie erklären, warum es „Health in all Policies“ auch für Gesundheitssicherheit braucht und welche Voraussetzungen derzeit dafür fehlen.
Wie widerstandsfähig ist unsere medizinische Versorgung im Krisenfall? Diese Frage stellt Nora Schmidt-Kesseler im Standpunkt anlässlich der morgigen Fachtagung KRITIS 2026. Die Hauptgeschäftsführerin des VCI Nordost beschreibt, warum die pharmazeutische Industrie ein sicherheitsrelevanter Sektor ist und was sie von der Politik erwartet.
Digitale Tools bieten in der Zahnmedizin etliche Möglichkeiten, ist sich der Zahnarzt Siegfried Marquardt sicher, der ebenfalls Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Sportzahnmedizin ist. Ein besonderes Potenzial sieht er hierbei in der Früherkennung. Doch für eine moderne, präventionsorientierte Zahnmedizin fehlten regulatorische Maßnahmen.
Auch in Krisenfällen muss Daseinsvorsorge gewährleistet sein, schreibt die Berliner Gesundheitssenatorin Ina Czyborra. Um eine stabile medizinische Versorgung zu gewährleisten, bereitet das Land Berliner Krankenhäuser mit einem Rahmenplan und Zivilschutzübungen vor. Eine Bundeswehrübung findet diese Woche am Flughafen statt.
Seltene Erkrankungen dürfen kein gesundheitspolitisches Nischenthema sein, schreibt Kristina Kempf, Country Head Deutschland & Österreich bei PTC Therapeutics. Wer am morgigen Tag der Seltenen Erkrankungen nur auf Awareness setzt, greift zu kurz. Es geht um konkrete Verbesserungen in der Versorgung.
Das Apothekenversorgung-Weiterentwicklungsgesetz soll morgen in die erste Lesung im Bundestag gehen. Damit wird ein Schritt getan, der längst überfällig war, schreibt Patrick van der Loo, Deutschlandchef des Arznei- und Impfstoffherstellers Pfizer. Das Gesetz biete die Chance, Apotheken endlich verbindlich in die Prävention einzubinden und so Versorgungslücken zu schließen.
Wie funktioniert Krankenhausversorgung unter Kriegsbedingungen? Auf der Suche nach Antworten reiste Marc Schreiner, Geschäftsführer der Berliner Krankenhausgesellschaft, kürzlich durch die Ukraine. Und besuchte, organisiert von der GIZ, Kliniken und Reha-Einrichtungen in Lutsk, Lviv, Kiew und Dnipro. Im Standpunkt erläutert er, wie sich die gewonnenen Erkenntnisse für die Weiterentwicklung des Berliner Rahmenkonzepts „Zivile Verteidigung Berliner Krankenhäuser“ nutzen lassen könnten.
Deutschland steht vor einem tiefgreifenden Klinikumbau: Milliardeninvestitionen fehlen, Personal wird knapp, private Betreiber ziehen sich zurück. Die Verantwortung bleibt bei Staat und Kommunen, die über Versorgung, Schließungen und neue Rollenverteilungen im Gesundheitswesen entscheiden müssen, schreibt der Fachanwalt Jonas K. Friedrich von der Frankfurter Kanzlei FPS.
Es ist gut und wichtig, dass die Debatte um die Zuckersteuer in der CDU angekommen ist, schreibt Michaela Schröder, Geschäftsbereichsleiterin Verbraucherpolitik im Verbraucherzentrale Bundesverband, im Standpunkt. Die CDU habe auf ihrem Parteitag am 20. und 21. Februar die Chance, ein wichtiges Signal zu setzen – für Gesundheit, für Verbraucher:innen und für eine moderne Ernährungspolitik.
Friedrich Merz hat auf der Münchner Sicherheitskonferenz betont, Europa müsse Tatkraft entfesseln. Die Pharmabranche ist bereit dazu, schreibt Dorothee Brakmann im Standpunkt. Mit Risikopartnerschaften, Netflix-Modellen und mehr Selbstmedikation legt die Branche konkrete Angebote auf den Tisch, bei denen sie bewusst ins Risiko geht, so die Hauptgeschäftsführerin von Pharma Deutschland.
Die eigentliche Wahl des neuen Nachfolgers von Tedros Ghebreyesus an der Spitze der Weltgesundheitsorganisation findet erst 2027 statt, aber bereits in diesem Jahr beginnt der Nominierungsprozess. Sascha van Beek, Berichterstatter für globale Gesundheit der Unionsfraktion, schreibt, warum der oder die nächste WHO-Generaldirektor:in aus Deutschland kommen sollte.
Immer weniger Menschen finanzieren über ihre Löhne und Gehälter ein immer teurer werdendes Gesundheits- und Pflegesystem. Das könne nicht so weitergehen, meint der gesundheitspolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Christos Pantazis. Im Streit um die Verbeitragung von Kapitaleinkünften gehe es daher nicht mehr um das Ob, sondern nur noch um das Wie. Zwingend nötig seien substanzielle Freibeträge und Schutzmechanismen für angesparte Altersrücklagen – und auch entschlossene Strukturreformen.
Im deutschen Gesundheitssystem braucht es einen Paradigmenwechsel, schreibt CDU-Gesundheitspolitiker Hendrik Streeck. Mit einer gemeinsamen Neuordnung und klaren Regeln könne es gelingen, Gesundheitserhalt und Prävention als neue Paradigmen zu etablieren – und so das Gesundheitssystem zukunftsfähig aufzustellen.
Die fachärztliche medizinische Labordiagnostik sollte kein Spielball von Verteilungsfragen sein, sondern im Sinne der medizinischen Gesamtversorgung der Bevölkerung als das gesehen und behandelt werden, was sie ist: ein nicht ersetzbarer zentraler Bestandteil der ambulanten wie stationären Versorgung. Das meint Michael Müller, Vorstandsvorsitzender der Akkreditierten Labore in der Medizin, im Standpunkt.
Deutschland steckt im Dauerkrisenmodus – und das Gesundheitswesen ist dafür kaum gewappnet. Sabotage, hybride Bedrohungen und unklare Strukturen im Bündnisfall offenbaren große Lücken bei Daten, Koordination und Resilienz. Ohne klare Verantwortlichkeiten und echte Vorbereitung bleibt das System verwundbar.
Berliner Krankenhäuser beobachten sich häufende, unerklärliche Vorgänge, die mit Spionage und Sabotage in Verbindung gebracht werden können. Solche schwer nachvollziehbaren Ereignisse werden von Verfassungsschutzbehörden teilweise als potenzielle Aktionen der hybriden Kriegsführung eingestuft. Was nun zu tun ist, erklärt Marc Schreiner, Geschäftsführer der Berliner Krankenhausgesellschaft.
Sicherheitsbedenken sind der Hauptgrund, wenn Menschen der elektronischen Patientenakte widersprechen. Dass sie so schnell wie möglich geschlossen werden müssen, ist für die Datenschutzbeauftragte Louisa Specht-Riemenschneider und Christian Groß, Leitungsstab der BfDI keine Frage. Doch viele wissen gar nicht, was in den Einstellungen möglich ist, wie das Datenbarometer zeigt.
Deutschlands Gesundheitssystem steht trotz hoher Qualität vor großen Belastungen. Niedersachsen drängt als neues Vorsitzland der Gesundheitsministerkonferenz auf ein starkes Gesamtkonzept: mehr ambulante Versorgung, bessere Steuerung der Patientenwege, starke Prävention und krisenfeste Strukturen. So soll die medizinische Versorgung zukunftssicher und verlässlich bleiben.
Ein leistungsfähiges Gesundheitssystem und ein handlungsfähiger Staat bedingen einander, schreibt Klaus Reinhardt. Der Bundesärztekammer-Präsident ist überzeugt, dass das Jahr 2026 zu einem Wendepunkt werden kann – wenn politische Entscheidungen konsequent, praxisnah und mit klarem Gestaltungsanspruch getroffen werden.
Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind nicht unvermeidbar. Mit dem Safe Hearts Plan entscheidet sich Europa für frühes Handeln statt spätes Eingreifen und für Prävention statt Bedauern, schreibt EU-Gesundheitskommissar Olivér Várhelyi in seinem Standpunkt. Auch wolle sich die Kommission für einen fairen Umgang mit Verbrauchern und die Beschleunigung bei der Entwicklung von Innovationen einsetzen.
Offene Software, offene Daten, offene Zusammenarbeit – das sind keine Spielereien für IT-Nerds, sondern Überlebensfragen für unser Gesundheitswesen, schreibt Christian Elsner, Partner im Bereich Transformation mit Fokus auf Gesundheitsversorger und IT-Innovationen bei PwC Deutschland. Im Standpunkt beschreibt er, wie Deutschland diesen Wandel angehen sollte und warum dies von Vorteil wäre.
Deutschland steht gesundheitspolitisch am Scheideweg – doch der Beschluss zum „Zukunftspaket Pflege“ bleibt mutlos, warnt die Gerontologin Kristine Lütke. Trotz richtiger Akzente bei Prävention und Digitalisierung fehlen echte Reformen, klare Finanzierung und Entlastung für die Pflege. Statt Fortschritt drohen neue Lasten und Doppelstrukturen.
Der Erfolg von Fusionen entscheidet sich nicht im Beschluss, sondern im Markt, schreibt Andreas Meusch. Fusionen sind komplex, aber auch in Zukunft sinnvoll, meint der Senior Advisor bei der Beratungsagentur Beust & Collegen. Was es für erfolgreiche Zusammenschlüsse braucht, hat der erfahrene Ex-Kassenvertreter im Standpunkt beschrieben.
Ein neuer G‑BA-Beschluss erlaubt exklusive Rabattverträge für Biosimilars – und stellt damit das Versorgungssystem auf den Kopf. Die Branche warnt vor massivem Preisdruck, Produktionsrückzug aus Europa und neuer Abhängigkeit von China. Experten fordern: Die Politik muss eingreifen und Exklusivverträge verbieten.