Um nach dem Kohleausstieg in dunklen Flauten sicher Strom zu haben, werden neue Erzeugungskapazitäten gebraucht. Um die Netze zu entlasten, soll die EE-Einspeisung ökonomisch gebremst werden – eine klimapolitische Geisterfahrt, schreibt Uwe Welteke-Fabricius vom Netzwerk Flexperten. Klimafreundliche, potenziell hochflexible und effiziente Kraftwerke könnten dem abhelfen: Tausende dezentrale KWK und Biogas sollten jetzt flexible Speicherkraftwerke werden.
Sie sind teuer, versprechen zu viel und ihr Bau scheitert immer wieder: Kleine modulare Reaktoren (SMRs) basieren auf alten Konzepten und tragen erhebliche Risiken, argumentiert Olaf Bandt, Vorsitzender des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland. Zum Klimaschutz könnten sie nicht beitragen.
Das Kritis-Dachgesetz zum physischen Schutz kritischer Infrastrukturen liefert zwar einen Rechtsrahmen, aber der operative Weg zu mehr Sicherheit bleibt vage. Der Cybersicherheitsexperte Dennis-Kenji Kipker empfiehlt, statt auf reine „Härtung“ zu setzen, eine umfassende Resilienz-Architektur zu schaffen – ähnlich wie es im Cyberschutz geschieht.
Die öffentliche Debatte um die Wärmewende im Gebäudesektor ist schief: Statt der Investitionskosten sollten Hauseigentümerinnen und -eigentümer den gesamten Lebenszyklus ihrer Heizsysteme in den Blick nehmen, schreibt Tanja Loitz im Standpunkt. Laut Berechnungen von CO2online zeige sich: Wärmepumpen sind dann im Durchschnitt die günstigste Wahl.
Die Bundesregierung will bald ein Gesetz vorlegen, das Naturflächen im Kontext von beschleunigten Infrastrukturmaßnahmen sichert. Wie das Gesetz zur „Win-Win-Win“-Situation für Infrastruktur, Klimaschutz und auch Landwirtschaft werden kann, skizziert Kai Niebert, Präsident des Deutschen Naturschutzrings.
Katherina Reiche ist eine Prokrastinations-Ministerin, schreibt Thekla Walker. Dieses Handlungs-Muster sieht die Grünen-Energieministerin in Baden-Württemberg bei der überfälligen Festlegung, wie ein Kapazitätsmarkt aussehen soll. Bei der Kraftwerksstrategie sei Reiche bei einem Ergebnis angelangt, das ihr Vorgänger schon ein Jahr zuvor verhandelt habe. Beim Kapazitätsmarkt gebe es mit der belgischen Lösung ein in der Praxis erprobtes Modell, argumentiert sie.
Die Diskussion um den Vertrauensschutz bei der Netzentgeltbefreiung für Stromspeicher wirkt auf den ersten Blick wie eine juristische Spezialdebatte. In Wahrheit ist sie mehr: Ein Lackmustest dafür, wie verlässlich der regulatorische Rahmen in Deutschland noch ist – und damit ein Standortfaktor weit über die Speicherbranche hinaus, sagt Jonas Rex-Quincke, Speicherexperte beim Elektro- und Digitalverband ZVEI.
Die sinkenden Füllstände der Gasspeicher zeigen nach Ansicht von Thomas Karle, wie verwundbar die deutsche Energieversorgung weiterhin ist. Der neue Präsident des Fachverbandes Biogas kritisiert, dass das heimische Biogaspotenzial dennoch vernachlässigt wird. Angesichts jüngster geopolitischer Verwerfungen müsse es neu bewertet werden. Kosten sollen ganzheitlich erfasst werden.
Das BMWE schafft es nicht, den Anschlussvorrang für den Ausbau erneuerbarer Energie umzusetzen. Dabei braucht es diesen für eine erfolgreiche Energiewende, schreibt der ehemalige Brandenburger Wirtschaftsminister Jörg Steinbach. Das vom BMWE geplante Netzpaket sieht er als fatales Signal für die Energiewende.
Die Bundesnetzagentur plant dynamische Netzentgelte – ein wichtiger, aber sensibler Schritt. Offene Fragen zum Vertrauensschutz verunsichern Investoren. Das könnte den dringend nötigen Ausbau großer Batteriespeicher bremsen, warnt Christoph Ostermann, Geschäftsführer des Projektierers Green Flexibility.
Die deutsche Strom-Kleinstaaterei aus rund 800 Verteilnetz- und Messstellenbetreibern muss beendet werden, schreibt Konrad Schade, Chief Commercial Officer (CCO) des Energiedienstleisters Rabot Energy und Mitgründer der Smart-Meter-Initiative (SMI). Die kleinteilige Struktur werde zur Belastung bei der notwendigen Digitalisierung der Netze.
Die Debatte um die Wärmewende und das Gebäudeenergiegesetz legt alte Muster offen, stellt Barbara Metz von der DUH fest. Parteitaktik schlägt Regierungsverantwortung. Die Gasabhängigkeit wird mit Zähnen und Klauen verteidigt – selbst dort, wo sie für Haushalte zum Kostenrisiko wird. Im Hintergrund wird die Dringlichkeit von Klimaschutz weiter infrage gestellt, obwohl ein Kurswechsel längst überfällig ist.
Die Bundesregierung diskutiert derzeit über den deutschen CO2-Preis in 2027. Dieser sollte auf mindestens 80 Euro pro Tonne CO2 steigen, meint Klimaökonomin Sonja Peterson. Dies erhöhe die Chancen, den für Deutschland vorteilhaften zweiten EU-Emissionshandel einzuführen und vermeidet, die Kosten der Klimapolitik in die Zukunft zu verschieben.
Unsere Energieversorgung ist sicher. Dennoch gibt es Ängste, dennoch werden Ängste geschürt, vor einem Blackout, vor einer Dunkelflaute. Dabei navigieren wir schon seit Jahren sicher durch Dunkelflauten und wir werden das auch in der Zukunft tun. Wie das geht, beschreibt Carsten Pfeiffer, Leiter Politik beim Bundesverband Neue Energiewirtschaft.
Batteriespeicher sind das fehlende Puzzlestück der Energiewende. Sie speichern überflüssigen Strom und geben ihn zeitversetzt dann ab, wenn er benötigt wird. Doch während der Markt boomt, droht die Regulierung zum Bremsklotz zu werden, schreibt Sascha Arnold, Partner bei der Wirtschaftskanzlei Ashurst. Damit der Ausbau von Batteriespeichern in Deutschland nachhaltig gelingt, müssen 2026 energiepolitisch die richtigen Weichen gestellt werden.
Das deutsche CO2-Budget wird knapp, grüne Gase könnten zur schnelleren Dekarbonisierung beitragen. Die Initiative Grüngasquote sieht ein Investitionspotenzial von über 1,5 Milliarden Euro, das die grüne Transformation beschleunigen kann, aber bisher größtenteils ungenutzt bleibt. Der Vorstandsvorsitzende der Initiative, Stefan Schreiber, fordert einen langfristigen, verlässlichen Pfad zum Bedarf an Grüngas.
Der Markthochlauf von Batteriespeichern wird unterschätzt, während ihr Potenzial für ein resilientes Stromsystem untergraben wird, schreibt Thomas Antonioli vom Unternehmen Terra One. Er sieht dringenden Reformbedarf bei Anschlussverfahren und Netzentgelten, um Investitionssicherheit herzustellen.
Solange das Heizungsgesetz und die EU-Gebäuderichtlinie nicht reformiert sind, werden Unternehmen und Verbraucher bei der Gebäudewende ausgebremst. Das Vertrauen in die Politik leidet, während Populisten profitieren. Sabine Nallinger, Vorständin der Stiftung Klimawirtschaft, fordert deshalb eine schnelle Umsetzung beider Gesetze in einem Verfahren.
Die geopolitische Lage hat sich deutlich verändert. Das zeigen Sabotageakte, Drohnenüberflüge und gezielte Desinformation. Politik und Gesellschaft sind gefragt, einen konstruktiven und lösungsorientierten Diskurs über die freie Verfügbarkeit von Daten zu führen – das gilt nicht nur für die Energie- und Wasserwirtschaft. Kerstin Andreae, Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung, erklärt, warum wir Transparenz mit Augenmaß brauchen und diese nicht zulasten von Demokratie und Wissenschaft geht.
Das Bundeswirtschaftsministerium plant, den Smart-Meter-Rollout in die alleinige Verantwortung der Verteilnetzbetreiber zu legen. David Zimmer (Inexogy), Bela Schramm, (Metrify Smart Metering) und Fabian Maleitzke (Energy Metering), Vertreter wettbewerblicher Messanbieter, warnen vor einem schweren energiepolitischen Fehler, der Tempo, Innovation und Geld kosten dürfte.
Die öffentliche Verfügbarkeit von Daten zur Energieinfrastruktur ist mit den Anschlägen auf das Stromnetz in Berlin in die Diskussion geraten. Teile der Energiebranche wünschen sich weniger Transparenzpflichten. Ilka Cußmann vom Reiner Lemoine Institut warnt dagegen vor der Illusion von Sicherheit und sieht im Falle reduzierter Datenverfügbarkeit auch eine Gefahr für die Wissenschaft.
Anfang des Jahres forderte Timm Kehler vom Verband Gas- und Wasserstoffwirtschaft an dieser Stelle eine Grüngasquote. Claus Fest vom Bundesverband Wärmepumpe antwortet: Ein echter Wettbewerb um das Heizen mit erneuerbaren Energien sei zu begrüßen. Doch eine Quote sei der falsche Weg und ein falsches Kundenversprechen.
Mit breiter Zustimmung im Bundestag ist der Neustart der Digitalisierung der Stromnetze in Deutschland seit Mai 2023 angelaufen. Trotzdem ist das Tempo weiterhin unzureichend. Lars Rohwer, CDU-MdB und Mitglied im Wirtschaftsausschuss des Bundestages, plädiert für einen dreigliedrigen Plan für eine wahrhaftige Beschleunigung beim Smart-Meter-Rollout
Wenn Bundeskanzler Friedrich Merz Anfang dieser Woche nach Indien reist, ist das mehr als ein klassischer Antrittsbesuch. Es stellt im Vorfeld eine strategische Wegmarke dar – gerade, weil schon am 27. Januar die europäische Spitze in Neu-Delhi erwartet wird, um hochrangige Gespräche zu führen.
Die CSU fordert auf ihrer Winterklausur den Wiedereinstieg in die Kernenergie – mit Mini‑Reaktoren und einer nahezu abfallfreien Brennstoffkreislaufwirtschaft. Doch die dafür nötigen Technologien sind teuer, technisch unausgereift und auf absehbare Zeit nicht marktfähig, schreibt Hermfried Meinel, Berater und ehemaliger Ministerialdirektor in der Landesregierung Baden-Württemberg.
Deutschland debattiert leidenschaftlich über Heizungsgesetze und Verbrenner, übersieht aber das eigentliche Nadelöhr: die veraltete Energieinfrastruktur. Die Zahl dezentraler Anlagen wächst exponentiell. Dennoch wird versucht, dieses neue komplexe System mit Verwaltungsmethoden der Vergangenheit zu steuern. Björn Waide von Lynqtech analysiert, warum das nicht aufgehen kann. Er empfiehlt, Infrastrukturprobleme als Software-Herausforderung zu begreifen.
Mit der angekündigten Vorlage des Gebäudemodernisierungsgesetzes muss die Bundesregierung mehr schaffen als nur einen neuen Namen. Es muss gelingen, die drei Viertel der Bevölkerung mitzunehmen, die noch mit fossilen Energieträgern heizen, schreibt Timm Kehler, Vorstand des Verbandes „Die Gas- und Wasserstoffwirtschaft“. Er fordert unter anderem mehr Raum für Hybrid-Systeme sowie einen Erneuerbaren-Äquivalenzansatz.
Die nachträglichen Änderungen am Monitoring-Bericht haben kürzlich viel Empörung ausgelöst. Daher lohnt sich eine eingehende und sachliche Analyse der tatsächlichen Anpassungen, findet der Geschäftsführer vom Offshore-Windverband BWO, Stefan Thimm. Wie die Änderungen zustande kamen und wer sie verantwortet, müsse transparent gemacht werden.
Mit dem Emissionshandel und dem CO2-Grenzausgleich (CBAM) stehen aktuell ausgerechnet die Instrumente unter Druck, die zukunftsfähige Geschäftsmodelle anreizen und absichern sollen. Die EU-Kommission hat nun ihre Vorschläge für die Weiterentwicklung des CBAM vorgelegt, schreibt Benjamin Görlach vom Thinktank Agora Energiewende. Dies könne ein weiterer Schritt zu einem besseren Carbon-Leakage-Schutz sein, der Unternehmen in der Transformation zur Klimaneutralität unterstützt.
Netze sind zum Flaschenhals der Energiewende geworden. Begrenzte Anschlusskapazitäten und hohe Ausbaukosten dominieren die Agenda. Dabei könnte viel Stromnetzausbau vermieden werden, wenn alte und neue Privilegien überdacht würden, schreibt Andreas Jahn vom RAP. Als Problem sieht er nicht nur die bestehenden Industrienetzentgelte, sondern auch die Netzentgeltbefreiung für Speicher und das Marktdesign.
Ein funktionierender Markt mit internationalen Emissionsgutschriften ist eine Voraussetzung für eine effiziente, globale Dekarbonisierung. Die Europäische Union sollte dazu beitragen, diesen Markt zu gestalten. Durch smarte Anrechnung kann sie sicherstellen, dass die Anreize für Emissionsreduktionen innerhalb der EU hochbleiben.
Einige Bundesländer wollen die Umsetzung der Europäischen Gebäuderichtlinie EPBD verschieben, nun stimmt darüber auch die CDU auf ihrem Parteitag ab. Die EPBD wird jedoch dringend gebraucht, um den Sanierungsstau in Deutschland aufzulösen und die Klimaziele zu erreichen, schreibt der Geschäftsführer des Bundesverbandes energieeffiziente Gebäudehülle, Jan Peter Hinrichs.
Hielte Europa an den CO2-Zielen ab 2035 fest, hat die europäische Autoindustrie eine echte Chance, den Wandel hin zu einer wettbewerbsfähigen globalen E-Auto-Industrie zu schaffen. Werden die Ziele jedoch nun voraussichtlich geschwächt, wird die Branche dauerhaft zurückfallen.
Die Energiedominanz-Doktrin der Trump-Administration stellt Europa vor die Herausforderung, seine energiepolitische Souveränität und seinen Kurs der Dekarbonisierung zu verteidigen. Dabei steht Europa nach Ansicht von Sascha Müller-Kraenner nicht allein, sondern weiß große Teile der Weltgemeinschaft hinter sich. So lautet das klare Signal, das vom Weltklimagipfel im brasilianischen Belém ausgegangen ist, schreibt der DUH-Bundesgeschäftsführer.
Die EU schwächt zentrale Nachhaltigkeitsvorgaben ab und nimmt die meisten Unternehmen aus der Pflicht. Das gefährdet Transparenz und Investitionssicherheit. Europa setzt damit ein falsches Signal für Klima und Wirtschaft, schreibt Sören Hilbrich vom German Institute of Development and Sustainability.
Die Bundesregierung will das Gebäudeenergiegesetz, insbesondere die Vorgaben für den Einbau neuer Heizungen, reformieren. Veit Bürger vom Öko-Institut argumentiert, warum das Gesetz in seiner aktuellen Form die richtigen Signale setzt, Haushalte vor Fehlinvestitionen bewahrt und damit deutlich zielgenauer ist als ein CO2-Preis allein.
Deutschlands Wirtschaft steht vor einer entscheidenden Weichenstellung: Der Zugang zum Stromnetz wird zum Schlüsselfaktor für Wettbewerbsfähigkeit und Klimaschutz. Wer bekommt künftig den begehrten Netzanschluss – Industrie, Logistik, Rechenzentren oder Batteriespeicher? Warum es dringend Lösungen braucht und die Netzfrage nicht zur industriepolitischen Schicksalsfrage wird, schreiben Christoph Pellinger und Serafin von Roon, Geschäftsführer der Forschungsstelle für Energiewirtschaft.
Das Gelingen der deutschen Energiewende sei gefährdet, schreibt Klaus Ulrich Hachmeier, deutscher Cheflobbyist des Energieinfrastruktur-Investmenthauses CIP. Während der Ausbau erneuerbarer Kapazitäten rasant voranschreite, müsse der dafür nötige Ausbau der Netze „Tempo aufnehmen“. Gerade im Netzausbau klaffe jedoch eine Investitionslücke. Diese könne mithilfe des Deutschlandfonds geschlossen werden, wenn die Politik ähnlich wie bei der Entwicklungsfinanzierung vorgehe.
Ohne Strom keine grüne Industrie. So einfach lässt sich eine der zentralen Herausforderungen der europäischen Klimapolitik zusammenfassen, schreibt Felix Krause, Mitgründer und Geschäftsführer des Investors Vireo. Aus seiner Sicht ist das Potenzial für Elektrifizierung riesig. Der für Anfang 2026 angekündigte Electrification Action Plan biete die Chance, dieses auch zu heben.
Schwarz-Rot ist sich uneins, was die Finanzierung von Atomkraft durch multilaterale Entwicklungsbanken angeht. Die Ablehnung durch die zuständige SPD-Ministerin brandmarkt die CSU als Neokolonialismus. In seinem Standpunkt erklärt Dustin Schäfer von Urgewald, was echter Neokolonialismus in der energetischen Entwicklungspolitik bedeutet.
Die Wirtschaft fordert in der Krise mehr Vertrauen und weniger Nachhaltigkeitsregulierung. Dabei erzählt ihre Klimabilanz eine andere Geschichte. Während viele Unternehmen ambitionierte Ziele verkünden, steuern die DAX40 real auf einen 3-Grad-Kurs zu, schreibt Hannah Helmke, Co-Gründerin des auf Klimabilanzen spezialisierten Anbieters „Right. Based on Science“. Sie wirbt für einen nüchternen Blick auf Transparenz, Verantwortung und echte Transformation.
Ölstaaten blockieren seit 30 Jahren UN-Klimabeschlüsse – dank eines Konsensprinzips, das Fossil-Lobbyisten 1995 durchsetzten. Kolumbiens neue Konferenz zum Fossilausstieg will damit brechen. Vegard Beyer von der Denkfabrik Future Matters argumentiert, dass dies nur Erfolg haben kann, wenn echter wirtschaftlicher Druck aufgebaut wird.
Der Haushalt für das kommende Jahr biegt auf die Zielgerade ein, doch beim Klimaschutz bleiben auch 2026 erhebliche Lücken, bemängelt Juliane Dickel vom BUND. Die zusätzlichen Milliarden aus dem neuen Sondervermögen für den Klimafonds KTF würden lediglich zum Schließen des bestehenden Finanzlochs verwendet. Die Expertin warnt: Wenn jetzt kein Geld für Klimaschutz bereitgestellt wird, steigen die Kosten später.
Dynamische Tarife und Netzentgeltvergünstigungen setzen erhebliche Anreize zu Lastverschiebungen, wie eine aktuelle Studie zeigt. Um diese Flexibilitätspotenziale zügig zu erschließen, muss jedoch der politische Rahmen stimmen. Oliver Hummel, Vorstandsvorsitzender des Öko-Energieversorgers Naturstrom, macht in seinem Standpunkt Verbesserungsvorschläge.
Die Stromnetze in Deutschland müssen in den kommenden Jahren massiv ausgebaut werden. Eine Folge: steigende Netzentgelte, die Haushalte belasten und für Unternehmen zum Wettbewerbsfaktor werden. Eva Schreiner, Leiterin des Hauptstadtbüros des Bundesverbands der Energie-Abnehmer und Sebastian Bolay, Bereichsleiter Energie, Umwelt, Industrie bei der DIHK, stellen in ihrem Standpunkt fünf Optionen vor, um den Kostenanstieg zu begrenzen.
Die wichtigen LNG-Lieferanten USA und Katar fühlen sich durch Europas Nachhaltigkeitsforderungen vor den Kopf gestoßen, warnt Friedbert Pflüger. Der Geschäftsführer des Clean Energy Forum und Aufsichtsratschef des Verbands Die Gas-und Wasserstoffwirtschaft rät der EU dringend zum Kompromiss, sofern sie ihre Gasversorgung nicht gefährden will.
Batteriespeicher können die Netze entlasten und Kosten senken. Ihr volles ökonomisches Potenzial bleibt aber oft ungenutzt, kritisiert Claus Urbanke vom Grünstromproduzenten Statkraft. Der Grund: EEG-Innovationsausschreibungen verbieten die „Vermischung“ von Grün- und Graustrom im Speicher. Eine Reform des Regelwerks sei dringend geboten, betont der Experte für Wind-, Solar- und Speicherentwicklung.
Die Debatte um den Emissionshandel für die Industrie hat an Fahrt aufgenommen. Besorgniserregend ist dabei aus Sicht von Simon Wolf von Germanwatch, dass bessere Rahmenbedingungen für Investitionen in Innovationen und Klimaneutralität in der Debatte oft nur eine sehr untergeordnete Rolle spielen – obwohl dafür in diesen Wochen entscheidende Weichen gestellt werden könnten.
Neue Gaskraftwerke schaffen geopolitische Abhängigkeiten, widersprechen den Klimazielen und sind mittelfristig teurer als die Alternativen, warnt Moritz Leiner von Urgewald. Die Bundesregierung müsse endlich den Mut aufbringen, das fossile Kapitel konsequent zu schließen und ein erneuerbares, flexibles und sicheres Energiesystem aufzubauen.
Bei den Netzbetreibern türmen sich Anschlussanfragen für Batteriespeicher im dreistelligen Gigawattbereich. Das Problem: Der bestehende regulatorische Rahmen für den Netzanschluss ist mit der aktuellen Marktentwicklung nicht mehr vereinbar, schreiben Karl Holtkamp und Franziska Rothe von der Kanzlei Addleshaw Goddard und skizzieren, wie eine Lösung aussehen könnte.
Die Kraftwerksstrategie ist mehr als eine Kurskorrektur beim Neubau von Gaskraftwerken. Sie stellt wichtige Teile der Energiepolitik der Bundesregierung zurück auf das Fundament der Vernunft, schreibt Constantin Zerger von der Deutschen Umwelthilfe.
Mehr als 2,4 Milliarden Arbeitskräfte weltweit sind laut einem aktuellen UN-Bericht inzwischen regelmäßig übermäßiger Hitze ausgesetzt. Besonders gefährdet sind Menschen, die im Freien oder in prekären, nicht regulierten Beschäftigungsverhältnissen tätig sind – sie sind den zunehmend belastenden Bedingungen oft schutzlos ausgeliefert, schreibt Alan Dangour von der Stiftung Welcome.
Die BNetzA will das Bandlast-Privileg durch Flexibilitäts-Anreize ersetzen. Betriebe mit hohem, stabilem Stromverbrauch sollen nicht mehr von vergünstigten Netzentgelten profitieren, sondern ihre Elektrizitätsabnahme flexibilisieren. Das Problem sind aber nicht energieintensive Unternehmen, sondern die volatile Erneuerbaren-Einspeiser, argumentiert Holger Klaassen vom Kupferhersteller Aurubis. Neben der Industrie sollten daher auch PV- und Windkraftbetreiber mit in die Pflicht genommen werden.
Die Welt benötigt eine pragmatische Führungsrolle Deutschlands, wenn es darum geht, das richtige Gleichgewicht zwischen Energieunabhängigkeit, Klimaschutz, bezahlbarer Energie und Versorgungssicherheit zu finden, schreibt Raffi Garabedian, CEO des US-amerikanischen Elektrolyseurherstellers Electric Hydrogen. Die geplante Novelle des THG-Minderungsquotengesetzes könnte aus seiner Sicht Impulse liefern.
Damit Wasserstoff sein Potenzial für Klimaschutz und Versorgungssicherheit ausschöpfen kann, braucht es verlässliche Regeln – Normen und Standards. Lydia Vogt vom Deutschen Institut für Normung (DIN) zeigt, wo das technische Regelwerk bereits trägt – und wo noch Lücken bestehen.
Zehn Jahre nach Paris zeigt das Klimaregime Wirkung: Märkte und Regierungen steuern um, Investitionen fließen in Erneuerbare. Doch trotz der Fortschritte wackelt die 1,5-Grad-Grenze. Um zur notwendigen wirkungsvollen Umsetzung zu kommen, braucht die UN-Klimarahmenkonvention jetzt ein Update, sagen Laura Schäfer und Christoph Bals von Germanwatch. Die COP30 muss diesen Reformprozess starten.
Die Europäische Union hat sich auf ein neues Klimaziel geeinigt – und es im selben Moment abgeschwächt. Was als Signal der Einigkeit verkauft wird, ist in Wahrheit ein Rückschritt, schreibt Claudia Kemfert vom DIW. Statt Entschlossenheit zu zeigen, vertagt Europa erneut den Aufbruch in die klimaneutrale Zukunft.
Ein technisch orientierter Ansatz zur Senkung der Treibausgasemissionen reicht nicht aus, schreibt Katrin Böhning-Gaese zum UN-Klimagipfel in Belém. Stattdessen sollten Klimaschutz und Biodiversität zusammengedacht werden. Das könnte genau den Unterschied machen, der gefährliche Klimakipppunkte verhindern würde.
Damit der multilaterale Prozess für Klimaschutz glaubwürdig bleibt, muss die am 10. November beginnende Klimakonferenz COP30 in Brasilien ein gutes Abkommen für Just Transition auf globaler Ebene liefern. Die Chancen hierfür stehen gar nicht so schlecht, schreibt Yvonne Blos, Referentin für internationale Klimapolitik bei der Friedrich-Ebert-Stiftung.
Mit dem CO2-Grenzausgleich will die EU Klimaschutz und Wettbewerbsfähigkeit verbinden. Doch im Stromsektor droht der CBAM, die Strommarktintegration der EU-Beitrittskandidaten Ukraine, Moldau und der Westbalkanländer zu gefährden. Die EU sollte den Stromsektor vom CBAM ausnehmen oder die Regeln reformieren, fordert Rouven Stubbe vom Projekt Green Deal Ukraїna.
Aus einem scheinbar unbedeutenden Vorfall an der Peripherie des Stromnetzes kann in wenigen Stunden eine Systemkrise werden, warnt Thomas Lang, Cybersicherheitsexperte bei dem Beratungsunternehmen Valantic. Er fordert Sicherheitsstrukturen und -prozesse, die speziell auf kleine Netzbetreiber zugeschnitten sind.
Ein Aufweichen des europäischen Emissionshandels würde sich rächen, ist Lukas Hermwille überzeugt. Der Industrieexperte am Wuppertal-Institut sieht Europas Stärke in der Transformation, nicht im Wettbewerb mit von günstigem Fossilbrennstoff getriebenen Wirtschaftsstandorten.
Eine aktuelle Umfrage des BDEW unter Kapitalmarktakteuren zeigt: Der geplante Regulierungsrahmen der Bundesnetzagentur ist nicht geeignet, den immensen Kapitalbedarf der Energiewende in den Netzen zu decken. Die Befragung zeichnet ein klares Stimmungsbild zum sogenannten NEST-Prozess – der Neuaufstellung der Anreizregulierung durch die Bundesnetzagentur, schreibt Andrees Gentzsch, Mitglied der Hauptgeschäftsführung.
Die Industrie in Deutschland leidet unter hohen Energiekosten, Bürokratie und Fachkräftemangel. Doch eine Diskussion darüber, ob bestimmte Produktionszweige in Deutschland noch eine Zukunft haben, ist falsch, warnt Matthias Belitz, Geschäftsführer der Plattform Energieintensive Industrien in Deutschland. Aus seiner Sicht stehen nicht nur Arbeitsplätze und Wertschöpfung auf dem Spiel, sondern die Fähigkeit Deutschlands, den Umbau zur Klimaneutralität selbst zu schaffen.
Europa und Deutschland stehen vor einer Phase erhöhter politischer Unsicherheit. Sie bremst Investitionen, schwächt die Wirtschaft noch mehr und untergräbt Vertrauen in die Handlungsfähigkeit der Politik. Gerade die Energie- und Klimapolitik sollte jetzt zur Stabilisierung beitragen und nicht zum zusätzlichen Unsicherheitsfaktor werden, schreibt Joachim Schmitz-Brieber, Director Industry beim Thinktank Epico.
Als Gründungspräsident des Erneuerbaren-Verbandes BEE hat Johannes Lackmann im Jahr 2000 das Referenzertragsmodell für die Windkraft maßgeblich mitentwickelt. Das Modell ist bis heute tragfähig, muss aber angepasst werden, mahnt er. Manche Projektierer nutzten ein Schlupfloch im Fördermechanismus, um höhere Fördergelder zu kassieren. Das sei schlecht für den Wettbewerb in der Branche und für die Endkunden, denn der Strompreis steigt.