Richard Lucht, VP beim Wärmepumpeninstallateur Thermondo antwortet auf den Standpunkt von Levi Henze vom Dezernat Zukunft zur grundlegenden Reform der Gebäudeförderung. Wer die BEG vor allem als Effizienzproblem betrachtet, übersieht die entscheidende Frage: Was passiert am Küchentisch, wenn ein Hausbesitzer zwischen Gasheizung und Wärmepumpe entscheiden muss?
Nachhaltige Biomasse ist eine weltweit stark begrenzte, aber zugleich zentrale Transformationsressource. Politisch wird sie in Deutschland dennoch behandelt, als sei sie nahezu unlimitiert verfügbar. Genau darin liegt ein zentraler strategischer Fehler. Die vorhandenen Ressourcen müssen dringend dort eingesetzt werden, wo sie den höchsten systemischen Nutzen entfalten, schreibt Luisa Keßler von der Klima- und Umweltschutzorganisation Bellona Deutschland.
Deutschlands Industrie investiert – aber zu wenig und zu ungleich verteilt. Während große Traditionsbranchen an Dynamik verlieren, senden kleinere Hightech-Bereiche positive Signale. Ohne neue Impulse und einen stärkeren Fokus auf Hochtechnologie könnte sich das Niedrigwachstum in Deutschland zementieren, warnen Daniel Schraad-Tischler und Oliver Falck.
Das „Heizungsgesetz“ ist bald Geschichte. Zum komplementären Förderinstrument schweigt die Bundesregierung hingegen ausgiebig. Dabei passt das Instrument nicht zum neuen Ordnungsrecht und hat ohnehin grundlegende Probleme, schreibt Levi Henze vom Dezernat Zukunft. Er wirbt für eine zügige und grundlegende Reform. Zurückhaltung sei dem mäßigen Erfolg des Programms nicht angemessen.
Eine neue Studie zeigt: Trotz der grünen Ziele des Internationalen Währungsfonds trugen dessen Kredite zu einem Anstieg der Entwaldung um neun Prozent bei. Deutschland sollte seinen Einfluss für eine Kehrtwende nutzen, schreibt Felix Finkbeiner, Gründer der Stiftung Plant for the Planet.
Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht neue Schlagzeilen, Entwürfe oder Äußerungen von PolitikerInnen die angespannte Stimmung weiter aufheizen. Kommunikation stützt die Energiewende – und kann zugleich ihr größter Feind werden: Die AfD verweigert sich den Fakten, greift Argumente und VertreterInnen systematisch an und bestimmt das öffentliche Meinungsbild in immer größeren Teilen, meint Paula Ziegler vom Beratungsunternehmen Items.
Die energiepolitische Debatte wirkt oft stark polarisiert, doch in Wahrheit unterstützt eine breite Mehrheit erneuerbare Energien. Entscheidend ist nun, diese Zustimmung in konkrete Politik zu übersetzen, schreiben Maria Leis, Germany Lead bei Project Tempo und Joachim Schmitz-Brieber, Direktor Energie und Industrie bei EPICO KlimaInnovation.
Die Gleichstellung von Realkompensation mit Ersatzgeldzahlungen im Infrastruktur-Zukunftsgesetz ist der falsche Weg zur Planungsbeschleunigung, mahnt Rechtsanwältin Franziska Heß. Die eigentlichen, strukturellen Ursachen des Staus würden so nicht beseitigt. Der geplante Systemwechsel werde dramatischen Folgen für die Artenvielfalt haben und sei verfassungsrechtlich höchst bedenklich.
Fossile Subventionen sind oft in Förderinstrumente eingebettet, die legitime gesellschaftliche und wirtschaftliche Ziele verfolgen. Wenn die Bundesregierung den Industriestrompreis wie geplant einführen und auch ausweiten will, ist entscheidend, dass er längerfristig in ein transformativeres Instrument überführt wird, argumentiert Germanwatch-Referentin Anja C. Gebel.
Das Gebäudemodernisierungsgesetz steht laut der Koalition für Technologieoffenheit. Was nach Wahlfreiheit klingt, führt in der Praxis zu mehr Unsicherheit. Je unklarer die Vorgaben, desto häufiger werden Entscheidungen aufgeschoben, schreibt Gründer und Architekt Alexander Müller.
Explodierende Energiepreise, geopolitische Risiken und eine Regierung, die sich nicht nur beim Gebäudemodernisierungsgesetz entzweit: Fossile Abhängigkeiten kosten Deutschland nach wie vor Milliarden, kritisiert Sophia van Vügt (Greenpeace). Der Erneuerbaren-Ausbau droht ausgebremst zu werden. Das hat spürbare Folgen für Klima, Wirtschaft und Verbrauchende.
Sabotage an Stromnetzen, Bahnstrecken und Flughäfen ist längst kein lokales Phänomen mehr. Die Vorfälle in verschiedenen europäischen Ländern sind Symptom einer strukturellen Schwäche. Europas kritische Infrastruktur wird nicht kontinuierlich genug überwacht, schreibt Oliver Lichtenstein, Mitgründer und CEO des auf Inspektion per Drohne spezialisierten Anbieters Beagle Systems.
Die nächste Phase der Energiewende entscheidet sich nicht daran, wie viele Windräder und Solaranlagen Deutschland installiert. Sie entscheidet sich daran, ob Deutschland sauberen Strom speichern kann, um ihn dann abzugeben, wenn das Wetter es verlangt, schreibt Aytaç Yilmaz, Mitgründer und CEO der Speicher-Start-ups Ore Energy.
Europa wird im nächsten industriellen Zeitalter nicht gewinnen, wenn es China bei Solartechnologie kopiert oder versucht, das Silicon Valley nachzubauen, schreibt Yair Reem von Extantia Capital. Europa gewinnt, indem es Europa bleibt. Es hat die Voraussetzungen, aber es muss sie rechtzeitig und konsequent zusammenbringen.
Deutschland diskutiert leidenschaftlich über Wärmepumpen – und übersieht die eigentlichen Effizienzhebel im Gebäudebestand. Wer CO2 einsparen will, muss das Gebäude als Gesamtsystem betrachten: von Pumpen und Regelungstechnik bis zur Lüftung und Gebäudeautomation, argumentieren Michael Wolfram und Sascha Seiß vom VDMA Forum Gebäudetechnik.
Energiewende und Digitalisierung getrennt zu betreiben, kann Deutschland sich nicht länger leisten, warnt Vincent Policard von der Investmentgesellschaft KKR. Er plädiert für eine integrierte Strategie und Infrastruktur-Sonderzonen mit beschleunigten Genehmigungsverfahren.
Windpark-Betreiber müssen den Landeigentümern immer höhere Pachten zahlen, weshalb oft eine Obergrenze gefordert wird. Doch das könnte sich als Bumerang für die Energiewende erweisen, argumentieren Paul Lehmann und Jan-Niklas Meier von der Universität Leipzig sowie Matthias Kalkuhl, Maximilian Kellner und Lennart Stern vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung. Zielführender seien mehr Flächen oder langfristig auch eine Besteuerung von Pachterträgen durch die Standortkommune.
Die Bundesregierung hat für die Fusionstechnologie ambitionierte Ziele gesetzt. Um sie erreichen zu können, müssen sich Deutschland und die EU beeilen, mahnt Olga Bakardziehva vom internationalen Branchenverband Fusion Industry Association. Denn der Rest der Welt schläft nicht. Handelt Deutschland proaktiv und übernimmt eine Führungsrolle in Europa, stehen die Chancen gut.
Die bisher bekannten Vorstellungen des Bundeswirtschaftsministeriums zu erneuerbaren Energien bedrohen nach Ansicht von Bärbel Heidebroek nicht nur deren weiteren Ausbau. Die Maßnahmen wären Gift für den Wirtschaftsstandort Deutschland, warnt die Präsidentin des BWE und fordert eine Kraftanstrengung beim Netzausbau.
Städte und Gemeinden sind die zentralen Akteure in der Transformation des Wärmesektors. In ihren Planungen spielt die Umsetzung des Gasausstiegs eine wichtige Rolle. Mit der Novelle des Energiewirtschaftsgesetzes setzt der Bund dafür keine guten Leitplanken, meint Felix Platz vom Klima-Bündnis: Der Referentenentwurf lasse etwa verbindliche Fristen für die Gasnetzplanung und Rücksicht auf kommunale Klimaziele vermissen.
Die Idee zur Grüngasquote datiert zurück auf den Beginn der russischen Vollinvasion der Ukraine. Die ehemaligen SPD-Bundestagsabgeordneten Bengt Bergt und Andreas Rimkus erarbeiteten das Konzept, das heute im GMG-Eckpunktepapier steht. Im Standpunkt erklären sie die Genese.
Dass die Transformation des Energiesystems metallische Rohstoffe braucht, steht für Maja Wilke und Michael Reckordt von PowerShift außer Frage. Aber sie warnen: Wenn die Umwelt und die Belange der betroffenen Menschen auf der Strecke bleiben, hat der Bergbau in Europa keine Zukunft.
Das Klimaschutzgesetz zwingt die Politik zum Handeln beim Klimaschutz. Für den Erfolg ist eine größere technologische Vielfalt als bisher unerlässlich, argumentiert Ruprecht Brandis. Das neue Klimaschutzprogramm bietet die Gelegenheit, eine neue Technologieoffensive zu starten, so der Geschäftsführer von Clean Energy Forum.
Bei der Benennung von Bremsern der Energiewende wird eine entscheidende Frage selten gestellt, findet Andrea Wörle von German Zero: Was macht Bundesfinanzminister Lars Klingbeil mit den 500 Milliarden Euro aus dem Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität, das Energiewende und Klimaschutz ermöglichen und die Infrastruktur fit machen soll?
Rechenzentren sind das stark wachsende Rückgrat digitaler Wirtschaft. Doch ihr weiterer Ausbau hängt noch von einer anderen Infrastruktur ab: einem leistungsfähigen Stromnetz, an das Rechenzentren schnell angeschlossen werden müssen. Wenn Deutschland im Wettbewerb um digitale Investitionen bestehen will, müssen ausreichend Netzkapazitäten verfügbar sein. Dafür müssen Planungen, Genehmigungen und der energiepolitische Rahmen Schritt halten, schreibt Anke Hüneburg, ZVEI-Bereichsleiterin Energie.
Heute vor vier Jahren, am 16. März, entstand die Strombrücke zwischen der Ukraine und der EU. Die Energie- und Ukraine-Expertin Susanne Nies vom Helmholtz Zentrum Berlin zieht Bilanz und legt dar, was zur Stärkung des vielmals angegriffenen Energiesystems des Landes notwendig wäre.
Die überarbeitete EU‑Gebäuderichtlinie setzt neue Maßstäbe für Klimaschutz im Gebäudesektor. Nach der Umsetzung sollen einheitliche Energieausweise, strengere Neubauvorgaben und erstmals verbindliche Sanierungsziele im Bestand greifen. Für Eigentümer, Banken und Investoren rückt damit die Frage in den Mittelpunkt, wie die Transformation finanziert und planbar gestaltet werden kann, schreiben Sabine Wieduwilt, Sebastian Helmes und Oliver Dreher, Rechtsanwälte bei der Wirtschaftskanzlei Dentons.
Deutschland diskutiert über neue Kraftwerke, Energieimporte und starrt auf den Füllstand der Gasspeicher. Gleichzeitig verpuffen Hunderte Terawattstunden Abwärme. Das ist auch ein wachsendes Risiko für den Wirtschaftsstandort. Warum Aufweichungen beim Energieeffizienzgesetz diesen Fehler noch verschärfen könnten, erläutern Valentina Fröhlich, Rüdiger Lohse und René Scharr-Hochegger vom Netzwerk für Energiedienstleiter, Deneff EDL-Hub.
Die Fähigkeit oder Unfähigkeit, eigenständig Energiesicherheit zu gewährleisten, wird nach Prognose von Jan Lozek Europas Zukunft bestimmen. Der Chef des Finanzinvestors Future Energy Ventures sieht die Lösung in einem konsequenten Ausstieg aus fossilen Energien.
Jan Ossenbrink hat in Köln das Wärmepumpen-Start-up Vamo mitaufgebaut, in der Technologie sieht er die Zukunft. Im Standpunkt warnt er vor den GMG-Eckpunkten, insbesondere der Grüngasquote und Bio-Treppe. Die deutsche Wärmepumpenindustrie könnte bald abwandern.
Deutschland steht bei der Weiterentwicklung der Treibhausgasminderungsquote vor einer Richtungsentscheidung: Mit der nationalen Umsetzung der RED III im Verkehrssektor den Markthochlauf von grünem Wasserstoff aus politischen Ankündigungen in den industriellen Alltag zu überführen oder ihm den Hahn abzudrehen, bevor es losgeht. Es braucht eine Erhöhung der Unterquote für grünen Wasserstoff auf mindestens 2,5 Prozent im Jahr 2030, schreibt Nils Aldag, CEO des Elektrolyseurherstellers Sunfire.
Die Grüngasquote entwickelt sich zum neuen Streitpunkt der Heizungsdebatte, konstatiert Wolfgang Steiger, Generalsekretär des Wirtschaftsrates der CDU. Kritiker warnen vor steigenden Kosten und mangelnder Verfügbarkeit klimaneutraler Gase. Dabei fällt die geplante Einstiegsquote deutlich moderater aus als die Vorgaben des bisherigen Gebäudeenergiegesetzes, das vielerorts nur über Wärmepumpen oder sehr hohe Anteile erneuerbarer Gase erfüllbar gewesen wäre, meint Steiger.
Genehmigte Onshore-Windprojekte stehen bereit, doch politische Zögerlichkeit droht den Windenergie-Ausbau auszubremsen, warnt Johannes Thon. Der Geschäftsführer von European Energy Deutschland plädiert für eine Verschiebung ungenutzter Offshore-Kapazitäten zur Windenergie an Land.
Die Zukunft von Beschäftigung und Wertschöpfung in Deutschland hängt von den richtigen energiepolitischen Entscheidungen ab, schreibt DGB-Vorstandsmitglied Stefan Körzell. Er kritisiert die Politik von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche und fordert eine resiliente Energiewende.
Die Diskussion um das sogenannte Netzpaket der Bundesregierung ist in bemerkenswerter Geschwindigkeit eskaliert. Von einem „Ausbaustopp für Erneuerbare“ ist die Rede, von einer Abkehr von den Zielen der Energiewende. Tatsächlich aber wird über einen geleakten Arbeitsstand aus dem Bundeswirtschaftsministerium diskutiert – weder ressortabgestimmt noch im parlamentarischen Verfahren, schreibt David Wortmann, Geschäftsführer der Agentur DWR Eco.
Die neuen GMG-Eckpunkte schwächen Klimaschutz nicht nur auf Länderebene, sondern brechen auch nationales und europäisches Recht, so Kritiker. Die Rechtsprobleme der Eckpunkte haben Johannes Franke und Juliane Willert, Rechtsanwälte der Kanzlei Günther in Hamburg, herausgearbeitet.
Die deutsche Energiepolitik möchte das Zieldreieck der Bezahlbarkeit, der Versorgungssicherheit und des Schutzes unserer natürlichen Lebensgrundlagen neu kalibrieren. Zielkonflikte sind dabei unausweichlich, schreibt Jochen Andritzky von der „Zukunft-Fabrik.2050“. Ohne eine klare Vision für die Zukunft unserer Energieversorgung entsteht aus seiner Sicht keine langfristig tragfähige Politik.
Das geplante Netzpaket des Bundeswirtschaftsministeriums liest sich ein Stück weit wie ein Wunschzettel der Netzbetreiber, schreibt Ursula Heinen-Esser, Präsidentin des Bundesverbands Erneuerbare Energie (BEE). Dabei ist es völlig unstrittig, dass, um die bestehenden Probleme im Netz zu lösen, auch genau dort angesetzt werden sollte: bei den Netzen.
Die aktuelle Debatte um das Gebäudeenergiegesetz (GEG) und die Ausrichtung der Wärmewende ist kein rein politisch-medialer Diskurs, schreibt BWP-Vorstandsmitglied Sjacco van de Sande. Jens Spahn möchte die Balance zwischen Bezahlbarkeit und Akzeptanz schaffen, doch dem steht die Agenda der Parteien entgegen. Für die betroffenen Branchen – von Herstellern bis zum spezialisierten SHK-Handwerk – ist die politische Kommunikation zu einem harten Standortfaktor gereift.
Wasserstoff bleibt ein wichtiger Baustein für die Dekarbonisierung. Damit der Hochlauf doch noch gelingt, braucht es einen klugen Policymix, der Infrastruktur maßvoll ausbaut, Regulierung pragmatisch hält und Förderung gezielt einsetzt, schreibt Philipp Steinberg, Berater und ehemaliger Abteilungsleiter im Bundeswirtschaftsministerium.
Um nach dem Kohleausstieg in dunklen Flauten sicher Strom zu haben, werden neue Erzeugungskapazitäten gebraucht. Um die Netze zu entlasten, soll die EE-Einspeisung ökonomisch gebremst werden – eine klimapolitische Geisterfahrt, schreibt Uwe Welteke-Fabricius vom Netzwerk Flexperten. Klimafreundliche, potenziell hochflexible und effiziente Kraftwerke könnten dem abhelfen: Tausende dezentrale KWK und Biogas sollten jetzt flexible Speicherkraftwerke werden.
Sie sind teuer, versprechen zu viel und ihr Bau scheitert immer wieder: Kleine modulare Reaktoren (SMRs) basieren auf alten Konzepten und tragen erhebliche Risiken, argumentiert Olaf Bandt, Vorsitzender des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland. Zum Klimaschutz könnten sie nicht beitragen.
Das Kritis-Dachgesetz zum physischen Schutz kritischer Infrastrukturen liefert zwar einen Rechtsrahmen, aber der operative Weg zu mehr Sicherheit bleibt vage. Der Cybersicherheitsexperte Dennis-Kenji Kipker empfiehlt, statt auf reine „Härtung“ zu setzen, eine umfassende Resilienz-Architektur zu schaffen – ähnlich wie es im Cyberschutz geschieht.
Die öffentliche Debatte um die Wärmewende im Gebäudesektor ist schief: Statt der Investitionskosten sollten Hauseigentümerinnen und -eigentümer den gesamten Lebenszyklus ihrer Heizsysteme in den Blick nehmen, schreibt Tanja Loitz im Standpunkt. Laut Berechnungen von CO2online zeige sich: Wärmepumpen sind dann im Durchschnitt die günstigste Wahl.
Die Bundesregierung will bald ein Gesetz vorlegen, das Naturflächen im Kontext von beschleunigten Infrastrukturmaßnahmen sichert. Wie das Gesetz zur „Win-Win-Win“-Situation für Infrastruktur, Klimaschutz und auch Landwirtschaft werden kann, skizziert Kai Niebert, Präsident des Deutschen Naturschutzrings.
Katherina Reiche ist eine Prokrastinations-Ministerin, schreibt Thekla Walker. Dieses Handlungs-Muster sieht die Grünen-Energieministerin in Baden-Württemberg bei der überfälligen Festlegung, wie ein Kapazitätsmarkt aussehen soll. Bei der Kraftwerksstrategie sei Reiche bei einem Ergebnis angelangt, das ihr Vorgänger schon ein Jahr zuvor verhandelt habe. Beim Kapazitätsmarkt gebe es mit der belgischen Lösung ein in der Praxis erprobtes Modell, argumentiert sie.
Die Diskussion um den Vertrauensschutz bei der Netzentgeltbefreiung für Stromspeicher wirkt auf den ersten Blick wie eine juristische Spezialdebatte. In Wahrheit ist sie mehr: Ein Lackmustest dafür, wie verlässlich der regulatorische Rahmen in Deutschland noch ist – und damit ein Standortfaktor weit über die Speicherbranche hinaus, sagt Jonas Rex-Quincke, Speicherexperte beim Elektro- und Digitalverband ZVEI.
Die sinkenden Füllstände der Gasspeicher zeigen nach Ansicht von Thomas Karle, wie verwundbar die deutsche Energieversorgung weiterhin ist. Der neue Präsident des Fachverbandes Biogas kritisiert, dass das heimische Biogaspotenzial dennoch vernachlässigt wird. Angesichts jüngster geopolitischer Verwerfungen müsse es neu bewertet werden. Kosten sollen ganzheitlich erfasst werden.
Das BMWE schafft es nicht, den Anschlussvorrang für den Ausbau erneuerbarer Energie umzusetzen. Dabei braucht es diesen für eine erfolgreiche Energiewende, schreibt der ehemalige Brandenburger Wirtschaftsminister Jörg Steinbach. Das vom BMWE geplante Netzpaket sieht er als fatales Signal für die Energiewende.
Die Bundesnetzagentur plant dynamische Netzentgelte – ein wichtiger, aber sensibler Schritt. Offene Fragen zum Vertrauensschutz verunsichern Investoren. Das könnte den dringend nötigen Ausbau großer Batteriespeicher bremsen, warnt Christoph Ostermann, Geschäftsführer des Projektierers Green Flexibility.
Die deutsche Strom-Kleinstaaterei aus rund 800 Verteilnetz- und Messstellenbetreibern muss beendet werden, schreibt Konrad Schade, Chief Commercial Officer (CCO) des Energiedienstleisters Rabot Energy und Mitgründer der Smart-Meter-Initiative (SMI). Die kleinteilige Struktur werde zur Belastung bei der notwendigen Digitalisierung der Netze.
Die Debatte um die Wärmewende und das Gebäudeenergiegesetz legt alte Muster offen, stellt Barbara Metz von der DUH fest. Parteitaktik schlägt Regierungsverantwortung. Die Gasabhängigkeit wird mit Zähnen und Klauen verteidigt – selbst dort, wo sie für Haushalte zum Kostenrisiko wird. Im Hintergrund wird die Dringlichkeit von Klimaschutz weiter infrage gestellt, obwohl ein Kurswechsel längst überfällig ist.
Die Bundesregierung diskutiert derzeit über den deutschen CO2-Preis in 2027. Dieser sollte auf mindestens 80 Euro pro Tonne CO2 steigen, meint Klimaökonomin Sonja Peterson. Dies erhöhe die Chancen, den für Deutschland vorteilhaften zweiten EU-Emissionshandel einzuführen und vermeidet, die Kosten der Klimapolitik in die Zukunft zu verschieben.
Unsere Energieversorgung ist sicher. Dennoch gibt es Ängste, dennoch werden Ängste geschürt, vor einem Blackout, vor einer Dunkelflaute. Dabei navigieren wir schon seit Jahren sicher durch Dunkelflauten und wir werden das auch in der Zukunft tun. Wie das geht, beschreibt Carsten Pfeiffer, Leiter Politik beim Bundesverband Neue Energiewirtschaft.
Batteriespeicher sind das fehlende Puzzlestück der Energiewende. Sie speichern überflüssigen Strom und geben ihn zeitversetzt dann ab, wenn er benötigt wird. Doch während der Markt boomt, droht die Regulierung zum Bremsklotz zu werden, schreibt Sascha Arnold, Partner bei der Wirtschaftskanzlei Ashurst. Damit der Ausbau von Batteriespeichern in Deutschland nachhaltig gelingt, müssen 2026 energiepolitisch die richtigen Weichen gestellt werden.
Das deutsche CO2-Budget wird knapp, grüne Gase könnten zur schnelleren Dekarbonisierung beitragen. Die Initiative Grüngasquote sieht ein Investitionspotenzial von über 1,5 Milliarden Euro, das die grüne Transformation beschleunigen kann, aber bisher größtenteils ungenutzt bleibt. Der Vorstandsvorsitzende der Initiative, Stefan Schreiber, fordert einen langfristigen, verlässlichen Pfad zum Bedarf an Grüngas.
Der Markthochlauf von Batteriespeichern wird unterschätzt, während ihr Potenzial für ein resilientes Stromsystem untergraben wird, schreibt Thomas Antonioli vom Unternehmen Terra One. Er sieht dringenden Reformbedarf bei Anschlussverfahren und Netzentgelten, um Investitionssicherheit herzustellen.
Solange das Heizungsgesetz und die EU-Gebäuderichtlinie nicht reformiert sind, werden Unternehmen und Verbraucher bei der Gebäudewende ausgebremst. Das Vertrauen in die Politik leidet, während Populisten profitieren. Sabine Nallinger, Vorständin der Stiftung Klimawirtschaft, fordert deshalb eine schnelle Umsetzung beider Gesetze in einem Verfahren.
Die geopolitische Lage hat sich deutlich verändert. Das zeigen Sabotageakte, Drohnenüberflüge und gezielte Desinformation. Politik und Gesellschaft sind gefragt, einen konstruktiven und lösungsorientierten Diskurs über die freie Verfügbarkeit von Daten zu führen – das gilt nicht nur für die Energie- und Wasserwirtschaft. Kerstin Andreae, Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung, erklärt, warum wir Transparenz mit Augenmaß brauchen und diese nicht zulasten von Demokratie und Wissenschaft geht.
Das Bundeswirtschaftsministerium plant, den Smart-Meter-Rollout in die alleinige Verantwortung der Verteilnetzbetreiber zu legen. David Zimmer (Inexogy), Bela Schramm, (Metrify Smart Metering) und Fabian Maleitzke (Energy Metering), Vertreter wettbewerblicher Messanbieter, warnen vor einem schweren energiepolitischen Fehler, der Tempo, Innovation und Geld kosten dürfte.
Die öffentliche Verfügbarkeit von Daten zur Energieinfrastruktur ist mit den Anschlägen auf das Stromnetz in Berlin in die Diskussion geraten. Teile der Energiebranche wünschen sich weniger Transparenzpflichten. Ilka Cußmann vom Reiner Lemoine Institut warnt dagegen vor der Illusion von Sicherheit und sieht im Falle reduzierter Datenverfügbarkeit auch eine Gefahr für die Wissenschaft.
Anfang des Jahres forderte Timm Kehler vom Verband Gas- und Wasserstoffwirtschaft an dieser Stelle eine Grüngasquote. Claus Fest vom Bundesverband Wärmepumpe antwortet: Ein echter Wettbewerb um das Heizen mit erneuerbaren Energien sei zu begrüßen. Doch eine Quote sei der falsche Weg und ein falsches Kundenversprechen.
Mit breiter Zustimmung im Bundestag ist der Neustart der Digitalisierung der Stromnetze in Deutschland seit Mai 2023 angelaufen. Trotzdem ist das Tempo weiterhin unzureichend. Lars Rohwer, CDU-MdB und Mitglied im Wirtschaftsausschuss des Bundestages, plädiert für einen dreigliedrigen Plan für eine wahrhaftige Beschleunigung beim Smart-Meter-Rollout
Wenn Bundeskanzler Friedrich Merz Anfang dieser Woche nach Indien reist, ist das mehr als ein klassischer Antrittsbesuch. Es stellt im Vorfeld eine strategische Wegmarke dar – gerade, weil schon am 27. Januar die europäische Spitze in Neu-Delhi erwartet wird, um hochrangige Gespräche zu führen.
Die CSU fordert auf ihrer Winterklausur den Wiedereinstieg in die Kernenergie – mit Mini‑Reaktoren und einer nahezu abfallfreien Brennstoffkreislaufwirtschaft. Doch die dafür nötigen Technologien sind teuer, technisch unausgereift und auf absehbare Zeit nicht marktfähig, schreibt Hermfried Meinel, Berater und ehemaliger Ministerialdirektor in der Landesregierung Baden-Württemberg.
Deutschland debattiert leidenschaftlich über Heizungsgesetze und Verbrenner, übersieht aber das eigentliche Nadelöhr: die veraltete Energieinfrastruktur. Die Zahl dezentraler Anlagen wächst exponentiell. Dennoch wird versucht, dieses neue komplexe System mit Verwaltungsmethoden der Vergangenheit zu steuern. Björn Waide von Lynqtech analysiert, warum das nicht aufgehen kann. Er empfiehlt, Infrastrukturprobleme als Software-Herausforderung zu begreifen.