Einen „Herbst der Reformen“ hat Bundeskanzler Friedrich Merz angekündigt. Auch das wichtigste Gesetz für die Erneuerbaren überhaupt, das EEG, soll novelliert werden. Hier ist besonderes Augenmerk angebracht, empfiehlt Ursula Heinen-Esser, die neue Präsidentin des Dachverbandes BEE.
Das Bundeswirtschaftsministerium plant eine Neuausrichtung der Energiepolitik. Effizienz spielt dabei nur eine untergeordnete Rolle, obwohl sie große Potentiale bietet, zum Senken der Energiekosten, Reduktion von Abhängigkeiten und zum Wirtschaftswachstum, schreiben die Ökonomen Eberhard Jochem und Peter Hennicke in ihrem Standpunkt.
Energy Sharing kann mehr als Bürger:innen beteiligen und Akzeptanz stärken. Es kann systemdienlich ausgestaltet werden, Systemkosten senken und Innovationen unterstützen. Doch der aktuelle EnWG-Entwurf bleibt hinter seinen Möglichkeiten zurück. Damit Energy Sharing schneller Wirkung entfaltet, braucht es klare Zuständigkeiten, effiziente Prozesse und zielführende Anreize, schreiben Peter Ugolini-Schmidt und Reemt Heuke vom Ökostromanbieter EWS Schönau.
Das Monitoring zur Energiewende und der Bericht zur Versorgungssicherheit der Bundesnetzagentur zeigen nach Ansicht von Wolfgang Steiger, dem Generalsekretär des CDU-nahen Wirtschaftsrats: Strom ist in Deutschland zu teuer, zudem droht eine Versorgungslücke. Die Energiewende werde nun nicht abgeblasen, aber Ziele und Maßnahmen müssten stärker der Realität angepasst werden, fordert er. Eine Rolle dabei könnte auch die Kernfusion spielen.
Die EU muss dem Beispiel Deutschlands folgen und ihren Green Deal einem Realitätscheck unterziehen, fordert der Energieökonom Graham Weale. Nur so, argumentiert er, lassen sich Industrie und Wertschöpfung schützen und lässt sich der Weg zur Klimaneutralität sinnvoll gestalten.
Die deutsche Industrie steht unter hohem wirtschaftlichen Druck. Daher ist es verständlich, dass die Bundesregierung Entlastungsmaßnahmen prüft. Bei der Kabinettsklausur vergangene Woche war das auch wieder ein Thema. Dabei müssen jedoch Verzerrungen des Strommarktes und die damit einhergehenden Mehrkosten für alle Stromverbraucher vermieden werden, schreibt Anne Köhler, Geschäftsführerin des Energiehändlerverbandes EFET Deutschland, in ihrem Standpunkt.
Die deutsche Energiepolitik hat ein Prognoseproblem: Sie starrt auf kurzfristige Verbrauchskurven. Als strategischer Kompass für die Transformation reicht das nicht, findet Fabio Griemens. Es braucht eine vorausschauende Energiepolitik, die den Ausbau der Erneuerbaren als Voraussetzung für Stabilität und Tempo begreift und strukturelle Bedarfe ernst nimmt, statt zu bremsen.
Statt politischem Mikromanagement braucht Deutschland einen politischen Rahmen, der Klimaschutz garantiert, aber von staatlicher Kontrolle absieht, schreibt Sven Höppner, Vorsitzender der energiepolitischen Kommission beim Verband Die Familienunternehmer. Er fordert eine Angleichung des deutschen und des EU-Klimaziels, die Abschaffung von Subventionen und einen konsequenten Emissionshandel.
Kaum ein Sektor steht in Deutschland so exemplarisch für das Spannungsfeld zwischen Anspruch und Wirklichkeit wie der Energiemarkt. Der gesetzlich verankerte 24-Stunden-Lieferantenwechsel sollte als Hebel für mehr Wettbewerb, Digitalisierung und Verbrauchernutzen dienen – wenige Monate nach dem offiziellen Start zeigen sich jedoch deutliche systemische Defizite und Blockaden, schreibt Jan Rabe, CEO des Stromanbieters Rabot Energy.
Der Monitoring-Bericht „Energiewende. Effizient. Machen.“ markiert einen Wendepunkt in der deutschen Energiepolitik. Es ist nicht nur ein technisches Papier, sondern ein politischer Kompass für die künftige Bundesregierung und die Bundesministerin, wie Strom, erneuerbare Energien und Wasserstoff künftig zusammen gedacht werden müssen, schreibt Jorgo Chatzimarkakis, CEO des Wasserstoffverbandes Hydrogen Europe.
Wer Umweltrecht ernst nimmt, muss auch seine Durchsetzung ernst nehmen. Doch die Bundesregierung lässt bei der geplanten Reform des Umwelt-Rechtsbehelfsgesetzes zentrale Lücken und setzt europäische wie völkerrechtliche Vorgaben nur halbherzig um. Ginge es nach Marie Bohlmann, Juristin der Umweltrechtsorganisation Green Legal Impact, würde Deutschland eine Generalklausel einführen und eine faire Fristenlösung finden. Beides würde Verfahren beschleunigen.
Das Recycling von Grundstoffen bietet die Möglichkeit, den Klimafußabdruck der Industrie massiv zu reduzieren, und könnte Deutschland einen Innovationsvorsprung sichern. Doch die Transformation zur Kreislaufwirtschaft geht zu langsam voran, schreiben Henning Wilts vom Wuppertal Institut und Dietmar Gründig von der Deutschen Energie-Agentur. Sie machen Vorschläge für notwendige Maßnahmen, damit Unternehmen in neue, zirkulär ausgerichtete Produkte und Verfahren investieren.
Die Energiewende bedarf keiner Neuausrichtung, zeigt der Monitoringbericht. Damit entspricht er in vielen Bereichen den Forderungen des Erneuerbaren-Verbandes BEE, schreibt Präsidentin Simone Peter. Sie skizziert in fünf Schlussfolgerungen, worauf es jetzt vor allem ankommt.
Der Netzanschluss wird zum Flaschenhals beim Ausbau der Batteriespeicher. Das zeigt eine Umfrage unter den Mitgliedsunternehmen des BNE, über die Nadine Bethge, Leiterin Neue Energiesysteme beim Verband, schreibt. Sie gibt einen Einblick in die Ergebnisse und benennt die Ursachen.
Die Ankündigung von Bundeswirtschaftsministerin Reiche, CCS für Gaskraftwerke nicht nur zuzulassen, sondern zu fördern und zugleich den Wasserstoffhochlauf zurückzufahren, gefährden die Dekarbonisierung des Stromsystems und die deutschen Klimaziele. CCS schneidet bei Versorgungssicherheit, Dekarbonisierung, System- und Kosteneffizienz schlechter ab als grüner Wasserstoff. Simon Schreck und Simon Wolf von Germanwatch erläutern, wie sich die Chancen der Wasserstoffwirtschaft realisieren lassen.
Die umstrittenen Gasbohrungen vor Borkum schaffen einen gefährlichen Präzedenzfall. Ein Abkommen zwischen Deutschland und den Niederlanden soll die Förderung ermöglichen – das öffnet der Suche nach weiteren Gasvorkommen Tür und Tor. Die parlamentarischen Institutionen sind verpflichtet, das Vorhaben noch zu verhindern, schreibt Anike Peters, Energieexpertin bei Greenpeace. Ein aktuelles Rechtsgutachten stuft den Vertrag als völkerrechtswidrig ein.
Die Klimakrise verursacht vor allem in den Kommunen hohe Schäden. Finanzielle Mittel für Klimaanpassung vor Ort sind daher unverzichtbar und müssen endlich in ausreichendem Umfang bereitgestellt werden, fordern Julia Schneider und Sylvia Rietenberg von der Grünen-Bundestagsfraktion. Aber es brauche auch ein klares politisches Signal an die Stadtentwicklung. Mit dem geplanten Bau-Turbo läuft die Bundesregierung allerdings in die falsche Richtung, monieren die Abgeordneten.
Bei einem wichtigen Thema der Energie- und Wirtschaftssicherheit läuten die Alarmglocken. IEA-Exekutivdirektor Fatih Birol mahnt: Wenn die Regierungen Störungen in Branchen wie der Stromversorgung oder dem Bau von Flugzeugtriebwerken verhindern wollen, müssen sie den Nachschub an kritischen Mineralien sichern.
Die eingetrübte Stromverbrauchsprognose des Energiewende-Monitorings gibt Sabine Nallinger wenig Hoffnung auf ein baldiges Ende der Wirtschaftsflaute. Die Vorständin der Stiftung KlimaWirtschaft plädiert deshalb für mehr Investitionen in die Elektrifizierung und einen effizienteren Erneuerbaren-Ausbau, um die Wirtschaft wieder anzukurbeln.
Große Batteriefabriken à la Northvolt zu bauen, ist in Yair Reems Augen für Europa der falsche Weg. Die Europäer müssen stattdessen ihre Forschungs- und Innovationskraft ausspielen, um sich bei Batterietechnologien der Zukunft an die Spitze zu setzen, argumentiert der Wagniskapital-Investor bei Extantia Capital.
Am heutigen Freitag steigt in Brüssel der Startegische Dialog, der für die Autoindustrie die Weichen für die Zukunft stellen könnte: Bleibt das Aus für neue Verbrenner ab 2035, oder öffnen Ausnahmen wie Plug-ins, Range-Extender und E-Fuels die Hintertür? Es geht um Glaubwürdigkeit, Wettbewerbsfähigkeit und klare Flottengrenzwerte für die Antriebswende, schreibt Christian Kopp, Referent für Klima- und Verkehrspolitik beim Nabu.
Klimaschutz-Realität und Klimaschutz-Rechtsverbindlichkeit sind auf Kollisionskurs: Deutschland droht seine gesetzlichen Klimaziele zu reißen. Um die Vorgaben doch noch zu erreichen, bedarf es einer marktwirtschaftlich ausgerichteten Technologie-Offensive, betont Ruprecht Brandis. Um Wirtschaft und Klimaschutz zu vereinen, plädiert der Geschäftsführer des Clean Energy Forums für den Einsatz von KI, um optimale Klimaschutz-Konzepte zu entwickeln.
Mit ihrem Vorstoß für weniger Subventionen für und mehr Netzdienlichkeit von PV-Dachanlagen ist Wirtschaftsministerin Katherina Reiche auf viel Widerspruch gestoßen. Christian Ofenheusle, Vorstand Bundesverband Steckersolar (BVSS), kann der vorgeschlagenen Richtung allerdings einiges abgewinnen – wenn man es richtig macht.
Das anstehende Monitoring des Bundeswirtschaftsministeriums hat eine Debatte ausgelöst, wie viel Strom und Erneuerbare Energien Deutschland in Zukunft braucht. Warum eine hohe Stromnachfrage im Jahr 2030 realistisch und für die Transformation in Gebäuden, Verkehr und Industrie auch notwendig ist, erklären Philipp Godron und Mira Wenzel von der Denkfabrik Agora Energiewende.
Eine Absenkung der Stromverbrauchsprognosen gilt mit Blick auf den derzeit viel diskutierten Monitoring-Bericht des Bundeswirtschaftsministeriums als wahrscheinlich. Welche politischen und vor allem wirtschaftlichen Risiken damit verbunden sein könnten, bewertet Frank May, CEO bei Alterric, einem Projektierer und Betreiber von Windenergieanlagen an Land.
Die Bundesregierung setzt bei der Kraftwerksstrategie auf Erdgas. Aus Sicht von Felix Fischer greift der Ansatz aber zu kurz. Denn der Kraftwerksbau wird Jahre dauern und hohe Kosten verursachen. Ergänzend schlägt der COO von Reverion daher eine zweite Säule vor: kurzfristig ausbaubare Biogasanlagen. Ausgestattet mit einer modernen Brennstoffzellentechnologie könnten sie leistungsstärker werden und die Versorgungssicherheit gewährleisten.
Die Netze werden ausgebaut, die Entgelte steigen – Einfluss auf die Entwicklung nehmen kann auch die Verteilung der heutigen Netzkosten. Diese will die Bundesnetzagentur mit dem AgNes-Verfahren angehen. Das erste Diskussionspapier ist ein Anfang, findet Andreas Jahn. Der Netzexperte vom Regulatory Assistance Project (RAP) sieht aber noch einige Stellschrauben, wie Kosten reduziert und Effizienz belohnt werden könnten.
Die Beteiligung von Kommunen und Bürgern an Erneuerbare-Energien-Projekten ist ein entscheidender Faktor für die Akzeptanz der erneuerbaren Energien, argumentiert Bernhard Strohmayer vom bne. Seit der Regelung der finanziellen Beteiligung von Kommunen wurde das EEG mehrfach novelliert und es kamen Beteiligungsgesetze in den Bundesländern hinzu. Moderne Solarparks werden zunehmend mit Batteriespeichern geplant. Es gibt also gute Gründe für ein Update der EEG-Regelung.
Der Europäische Automobilverband trommelt für eine Verschiebung des Verbrenner-Aus auf EU-Ebene. Warum das auf vielen Ebenen gefährlich ist, erklären Kai Niebert vom DNR sowie Johan Rockström und Felix Creutzig vom PIK.
Nach Ansicht von Verena Graichen vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) steht Deutschland vor einer Weichenstellung: Während Klimaziele in anderen Bereichen greifbar werden, klafft im Verkehr eine Lücke. Sie schließt sich nur, wenn die Politik jetzt handelt – statt Geld für Zertifikate zu verschwenden, argumentiert die politische Geschäftsführerin des Umweltverbands.
Dem langjährigen deutschen Streben nach Rohstoffpartnerschaften mit Abbauländern und enger Abstimmung zwischen Politik und Industrie liegt ein Denkfehler zugrunde, schreibt Michael Reckordt. Der Rohstoffexperte von PowerShift argumentiert: Aus der Abhängigkeit von China und anderen Exporteuren führen langfristig nur Recycling und ein Ende der Verschwendung.
Die Bundesregierung hat die ersten Monate hinter sich gebracht. Im Wahlkampf sorgte die Union mit ihrer Forderung nach einer Abschaffung des „Heizungsgesetzes“ für Furore. Wie geht die Regierung in der Wärmepolitik mit der Holzenergie um? Gerolf Bücheler vom Fachverband Holzenergie zieht eine kritische Zwischenbilanz.
Zweifler am anthropogenen Klimawandel nehmen in Diskussionen oft eine Verweigerungshaltung gegenüber Fakten und elementarer Logik ein. Diese Art der Argumentation fußt letztlich immer auf einer Form von Verschwörungsglauben – und macht sachliche Diskussionen nahezu unmöglich, schreibt Frank Best, Professor an der HTWG Konstanz.
Seit über 15 Jahren ist klar: Ohne CCS wird Deutschland seine Klimaziele nicht erreichen – besonders in Industriebranchen mit unvermeidbaren Emissionen. Doch während andere Länder längst vorangehen, blockieren hierzulande alte Debatten den Fortschritt. Jetzt braucht es Mut zur Umsetzung statt weiterer Verzögerung, schreiben Thomas Beißwenger, Hauptgeschäftsführer des Industrieverbands Steine und Erden Baden-Württemberg (ISTE) und Helmfried Meinel, Berater und Ministerialdirektor a. D.
Wer Wettbewerbsfähigkeit langfristig sichern will, muss bei Zukunftstechnologien vorne mitspielen, schreibt Matthias Frederichs, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Baustoffe – Steine und Erden. Er wirbt für eine konsequente Umsetzung der Klimaschutzverträge.
Deutschland verfügt über eine solide Wissensbasis, wie sich die Treibhausgasneutralität bis 2045 erreichen lässt. Doch weil politische Komplexität und gesellschaftliche Widerstände den Fortschritt bremsen, wird das Zeitfenster für wirksames Handeln immer kleiner, schreibt Manfred Fischedick, wissenschaftlicher Geschäftsführer des Wuppertal Instituts. Helfen kann dabei nur eine genaue Analyse der bestehenden Hürden.
Speicher für Wasserstoff drohen zum Engpass für die Wasserstoffzukunft zu werden, warnen Christian Scholz und Stefan Herrig von NRW.Energy4Climate. Anreize für ihren Bau würden in der politischen Debatte zu kurz kommen. Dabei besteht dringender Handlungsbedarf für die Bundesregierung, schreiben die Wasserstoffexperten der Landesgesellschaft für Energie und Klimaschutz.
Im Zeitalter der Rohstoff-Geopolitik ist eine engere Kooperation zwischen der deutschen Wirtschaft und der Politik notwendiger denn je. Doch die Realität zeigt: Jeder agiert in seiner Sphäre und schwächt damit Deutschland als Ganzes im Kampf um die Rohstoffe der Zukunft. Eine Lösung könnte eine europäische Rohstoffagentur bieten, schreiben Jakob Kullik (TU Chemnitz) und Jens Gutzmer (Helmholtz-Institut Freiberg für Ressourcentechnologie).
Wird der Zoll-Deal zwischen den USA und der EU umgesetzt, wie von Donald Trump angestrebt, schadet er nicht nur den Europäern, sondern auch den Amerikanern. Gewinnen würde vor allem China, warnen Loyle Campbell, Sabrina Schulz und Kira Vinke von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP).
Wasserstoff ist der Schlüssel zur Dekarbonisierung unserer Industriegesellschaft. Doch der Ausbau seiner Produktion und die Errichtung der Transportwege benötigt gewaltige Investitionsmittel – das geht nur mit einer mutigen, technologieoffenen Politik, die dafür verlässliche und zukunftsfähige Rahmenbedingungen setzt, schreibt Ulf Heitmüller, Vorstandsvorsitzender des Gashändlers VNG AG.
Eine zügige Anpassung des Ausschreibungsdesigns für Offshore-Windparks ist unerlässlich, findet Iberdrolas Deutschlandchef Felipe Montero. Der entscheidende Schritt dabei sei eine möglichst kurze Zeitspanne zwischen Ausschreibung und Investitionsentscheidung. Die einzige praktikable Lösung wäre, dass das BSH alle Flächen zentral planungsreif voruntersucht.
Das Energiewendemonitoring der Bundesregierung bietet bei allen Kontroversen auch die Chance, die Unterstützung für die Energiewende zu erhöhen, sagen Casimir Lorenz und Nicolas Leicht von Aurora Energy Research. Denn es kann die empirische Basis für die Definition von „No Regret“ Maßnahmen schaffen. Maßnahmen also, die unabhängig von der Entwicklung der Stromnachfrage eine kosteneffiziente und sichere Transformation zu Klimaneutralität ermöglichen.
Für eine ehrliche, am differenzierten Klimanutzen der Technologie ausgerichtete Debatte über Einsatzbereiche, Förderpolitik und die Verantwortlichkeit der Öl- und Gaswirtschaft plädiert Fabian Liss, Referent Industrielles Carbon Management bei der Klimaschutzorganisation Bellona Deutschland. Denn die Frage sei nicht mehr, ob CCS gebraucht wird – sondern wie es als ein Baustein der Industrietransformation sinnvoll gestaltet werden kann.
Einfach nur den „Bauturbo“ zu zünden, wie Bauministerin Verena Hubertz es vorhat, reicht nicht, findet Peter Schniering von Future Cleantech Architects. Er fordert einen systematischeren Blick auf den Materialeinsatz bei der Konstruktion von Bauwerken. Dieser müsse sich zuvorderst auf die Tragstruktur richten, denn sie ist besonders treibhausgasrelevant.
Die gescheiterte Auktion für Offshore-Windparks ist ein Symptom für politischen Stillstand, warnt BWO-Geschäftsführer Stefan Thimm. Jetzt brauche es kurzfristige Anpassungen beim Auktionsdesign, bei den Investitionsbedingungen und der Infrastruktur. Vorbild sollte Großbritannien sein.
Das Bundeswirtschaftsministerium plant 20 Gigawatt neue Gaskraftwerksleistung. Der mangelnde Netzausbau kostet jährlich Milliarden von Euro. Die Industrie profitiert derweil von Subventionen bei ihren Energiekosten. Dabei wäre ein marktwirtschaftlicher Ansatz, der echte Preise abbildet, viel kosteneffizienter, argumentiert Wolfgang Oels vom Suchmaschinenbetreiber Ecosia. Und sei es nur für einen Monat.
Künstliche Intelligenz steigert die weltweite Stromnachfrage deutlich. Doch es zeigt sich auch: Die Technologie wird immer effizienter und günstiger. Gerade dadurch nimmt aber auch die Nutzung zu. Um den Elektrizitätsbedarf für KI gesellschaftlich und ökologisch tragbar zu halten, schlägt der KI-Berater Benjamin Eidam die Einführung eines CO2-Preises für KI und eine stärkere Überwachung der Emissionen großer Systeme vor.
Weniger Bürokratie könnte in der Wirtschaft Milliarden für Investitionen entfesseln und die Energiewende in Deutschland schneller voranbringen. Ein guter Anfang wäre, alle Gesetzesinitiativen und -novellen einem tiefgreifenden Bürokratie- und Praxis-Check zu unterziehen. Der im Koalitionsvertrag festgeschriebene Bürokratieabbau darf kein Lippenbekenntnis bleiben.
Die Energiewende ist Europas Trumpf, um sich eine wettbewerbsfähige Position auf der Weltbühne zu sichern. Doch um diesen Trumpf richtig auszuspielen, braucht es Vertrauen und klare Spielregeln, meint Martijn Hagens, Mitglied des Vorstands von Vattenfall. Alle Akteure – die Industrie, der Energiesektor und die politischen Entscheidungsträger – müssen mit offenen Karten spielen und ihren Beitrag leisten.
Ohne einen angemessenen Finanzrahmen für die Netzbetreiber sind die notwendigen Investitionen in die Energieinfrastruktur nicht zu stemmen, schreibt Dirk Güsewell, Vorstandsmitglied des Energieversorgers EnBW. Aus seiner Sicht werden die Weichen in der Netzregulierung aktuell nicht so gestellt, wie es nötig wäre. Kritisch sieht er etwa die geplanten Anpassungen beim Effizienzvergleich.
In dem Moment, in dem sich die USA in Richtung Autokratie bewegen, vertiefen deutsche Staatsunternehmen ihre Abhängigkeit von US-LNG, beklagt Moritz Leiner von der NGO Urgewald. Der fossile Brückenschlag habe katastrophale Auswirkungen, was sich besonders deutlich am Beispiel von Deutschlands größtem Lieferanten Venture Global zeige.
Die aktuelle Debatte um Strafzahlungen für Messstellenbetreiber legt den Finger in die Wunde: schlechte Datenqualität, mangelnde Digitalisierung. Doch so richtig die Thematik auch ist: Auf der einen Seite ist sie unverhältnismäßig, auf der anderen Seite geht sie nicht weit genug, schreibt Fabian Hafner von 1Komma5Grad. Denn Regierung und Bundesnetzagentur verkennen das eigentliche Ausmaß notwendiger Konkretisierungen und Sanktionen bei der Digitalisierung.
Der Anteil fossiler Kraftstoffe im Verkehr liegt weiterhin bei 93 Prozent, während erneuerbare Energien nur sieben Prozent ausmachen. Trotz Quoten und Förderung bleibt der Einsatz nachhaltiger Kraftstoffe gering, da Betrugsfälle und fehlende Anreize den Klimaschutz erschweren, bemängelt Elmar Baumann. Um das zu ändern, fordert der Geschäftsführer des Verbands der Deutschen Biokraftstoffindustrie höhere Quoten und die Nutzung aller Optionen.
Deutschland braucht eine Revitalisierungsoffensive im Gebäudesektor, schreibt Ulrike Rennemüller, Geschäftsführerin des internationalen Planungs- und Beratungsunternehmen Arup in Deutschland. Diese könne das Bauen ressourcenschonender machen, schneller zum Ziel führen und gleichzeitig das Stadtbild, das soziale Miteinander und die wirtschaftliche Resilienz stärken.
Mit der Entscheidung, die Gasspeicherumlage abzuschaffen und die Stromsteuer nicht für alle zu senken, wird ein fatales Signal gesetzt, schreibt Felix Plog, CEO von Thermondo. Die Attraktivität eines Heizungsumstiegs sinkt. Für Hausbesitzer bedeutet das jedoch eine falsche Sicherheit.
Energiewende und Landesverteidigung dürfen nicht als Gegensätze verstanden werden: Erneuerbare Energien stärken nicht nur den Klimaschutz, sondern auch die sicherheitspolitische Resilienz Deutschlands, betonen Borja Caruana, Alexander Rabuske und Yannik John vom Erneuerbaren-Finanzierer Qualitas Energy. Um beide Ziele zu erreichen, brauche es klare Verfahren und verbindliche Zuständigkeiten, wer in der Bundeswehr die Genehmigung von Windkraftprojekten koordiniert.
Negative Strompreise auf Rekordniveau und Kürzungen bei der Finanzierung von Flexibilitätstechnologien um 40 Prozent sind nach Ansicht von Jan Palasinski Warnsignale für Europas Stromnetz. Sie dürfen nicht ignoriert werden, mahnt der Partner bei Future Energy Ventures. Denn der Erfolg der Energiewende hängt davon ab, ob Flexibilität als kritische Infrastruktur verstanden und zur strategischen Priorität von Energiepolitik, Regulierung und Finanzierung wird.
Bis heute hatten Verbände und Länder Zeit, zur geplanten Reform des Energiewirtschaftsgesetzes (EnWG) Stellung zu nehmen. Für das deutsche Messwesen birgt vor allem eine Regelung erhebliche Risiken, warnt Sebastian Schnurre von der Kanzlei Assmann Peiffer. Ein neuer Paragraf verpflichtet Messstellenbetreiber Entschädigungszahlungen zu leisten, wenn sie ihre Messwerte nicht rechtzeitig übermitteln. Die Monopolstruktur beim Messwesen könnte sich dadurch verfestigen, warnt der Rechtsanwalt.
Der Bundesgerichtshof erlaubt Baukostenzuschüsse für Batteriespeicher. Während Netzbetreiber sich bestätigt sehen, kritisiert die Speicherbranche die ausbleibende Anerkennung der Netzdienlichkeit und fordert klare gesetzliche Regelungen. Auch Boris Scholtka und Franziska Rothe von der Wirtschaftskanzlei Addleshaw Goddard werten das Urteil als Signal, den politischen Rahmen für Batteriespeicher zügig und zeitgemäß weiterzuentwickeln.
Der Boom bei großen Batteriespeichern macht bidirektional ladende E-Autos keineswegs überflüssig. Aus volkswirtschaftlicher Perspektive sind sie als Speicher konkurrenzlos günstig. Die Batteriekapazität eines Mittelklassefahrzeugs reicht aus, um den Stromverbrauch eines Zwei-Personen-Haushalts für eine Woche zu decken. Doch dazu braucht es Gleichbehandlung bei der Regulierung.
Carbon Capture, Utilization and Storage (CCU/S) ist weit mehr als nur ein Klimaschutzinstrument. Die Technologie kann einen Beitrag dazu leisten, Standortschließungen zu vermeiden, schreibt Timm Kehler, Vorstand des Branchenverbandes „Die Gas- und Wasserstoffwirtschaft“. Dieser Aspekt dürfe in der Diskussion nicht unter den Tisch fallen.
Bei der Versorgungssicherheit darf sich die Diskussion nicht auf nur eine Technologie verengen, schreibt Benedikt Deuchert, Head of Business Development & Regulatory Affairs beim Batteriespeicher-Anbieter Kyon Energy. Die Gefahr eines überhasteten Aufbaus fossiler Kapazitäten im Panikmodus ist aus seiner Sicht real.
Die Digitalisierung der Energieversorgung ist Rückgrat und Voraussetzung der Energiewende. Smart Meter sind die Schlüsseltechnologie dafür. Doch der deutsche Sonderweg droht, Millionen von Menschen auszuschließen. Bastian Gierull, CEO von Octopus Energy und Mitgründer der Smart-Meter-Initiative fordert ein Umdenken und erklärt, warum ein fairer und effizienter Rollout nur mit einem Smart Meter light möglich ist.
Bis Ende des Jahres will die Bundesnetzagentur den Umbau des Regulierungssystems, Stichwort NEST-Verfahren, abschließen. Netzbetreiber können mit der Reform ihre Investitionen weiter attraktiv finanzieren, gleichzeitig sinkt der bürokratische Aufwand, schreibt Klaus Müller, Präsident der Bundesnetzagentur. Klar ist auch: Nicht alle Wünsche werden sich erfüllen lassen.
In Dänemark ging kürzlich die weltweit größte Anlage zu Produktion von grünem Methanol in Betrieb. Auch in Deutschland wäre bei Power-to-X noch mehr möglich, wenn die Politik Entschlossenheit zeigen würde, schreiben Paula Carstensen und Simon Schrickel vom Projektentwickler European Energy. Helfen könnte aus ihrer Sicht etwa ein Strompreisezonensplit.
Die CCS-Technologie ist für Kerstin Meyer und Dirk Jansen vom Umweltverband BUND eine teure und risikoreiche Scheinlösung. Nicht deren Durchsetzung, sondern ihre Verhinderung sei im überragenden öffentlichen Interesse. Klimaschutz solle sich auf 100 Prozent erneuerbare Energien, Kreislaufwirtschaft und natürliche Kohlenstoffsenken konzentrieren.