Das Patientenrechtegesetz soll Patient:innen schützen – etwa bei Behandlungsfehlern oder vor aufdringlichen Angeboten für Selbstzahlerleistungen. Echte Verbesserungen brachte das mittlerweile zehn Jahre alte Gesetz allerdings nicht. Das Bundesgesundheitsministerium hatte daher angekündigt, das Gesetz noch im Jahr 2023 zu überarbeiten. Eckpunkte oder gar ein Gesetzentwurf lassen allerdings auf sich warten.
BVKJ-Präsident Michael Hubmann kritisiert den Vorschlag der Regierungskommission zu Institutsambulanzen. Er warnt vor Doppelstrukturen und fordert stattdessen Weiterbildungen von Schwerpunktpädiaterinnen und -pädiatern in Praxen und Kliniken. Denn längst arbeiteten die Niedergelassenen mit einer unvergleichbaren Effizienz.
Welche Faktoren nehmen Einfluss auf die Impfbereitschaft? Dieser Frage geht der empirisch forschende Wirtschaftswissenschaftler Philipp Lergetporer nach. Ein Ergebnis ist, dass die Impfbereitschaft um 13 Prozentpunkte steigt, wenn ein Impfstoff eine „bedingte Zulassung" erhält, gegenüber der schnelleren, aber weniger umfassenden „Notfallzulassung".
Anlässlich des morgigen Welt-Aids-Tags plädiert die Deutsche Arbeitsgemeinschaft niedergelassener Ärzte in der Versorgung HIV-Infizierter (dagnä) für eine Stärkung der Prophylaxe, einen sicheren Medikamentenzugang und eine Förderung der ambulanten Versorgung. Heiko Karcher und Dorian Doumit, Vorstand und Geschäftsführer der AG, erklären im Standpunkt, was aus ihrer Sicht auf dem Spiel steht.
Die Regierungskommission hat sogenannte Institutsambulanzen in der Kinder- und Jugendmedizin vorgeschlagen, um sowohl im ambulanten als auch im stationären Bereich für Entlastung zu sorgen. Wolfgang Kölfen vom Verband der leitenden Kinderärzte und Kinderchirurgen fordert in seinem Standpunkt eine schnelle Umsetzung, um noch vor der winterlichen Infektionswelle Strukturen zu schaffen.
Bei der Wahl der richtigen und langfristigen Investitionsorte blicken Verantwortliche aus der Pharmaindustrie mit Sorge auf die immer schwierigeren Bedingungen in Deutschland. Um am Standort Deutschland positive Rahmenbedingungen für diese Schlüsselindustrie zu bewahren und verlässliche Zukunftsperspektiven zu schaffen, braucht es vor allem eins: den Dialog.
In sieben Schritten Transparenz und Systematik bei Informations- und Beratungsangeboten im deutschen Gesundheitswesen schaffen – das ist der ambitionierte Plan von Marcel Weigand, der zum Thema digitale Kooperationen bei der Unabhängigen Patientenberatung Deutschland arbeitet. Dazu brauche es eine gründliche Bedarfsermittlung, den Aufbau von geeigneten Strukturen und vor allem eine patientenzentrierte Aufbereitung.
Deutschland braucht endlich eine echte Bereitschaft zur tiefgreifenden Modernisierung des Gesundheitswesens, meint Jochen Werner im Standpunkt. Auf die Akteure der Gesundheitspolitik will er dabei nicht zählen. Was bleibe, sei der Patient als Treiber für eine fortschrittsfähige Gesundheitsversorgung.
Sucht bei Führungskräften wird häufig „übersehen“, weil das Thema dem Privaten zugeschrieben wird. Reingard Herbst, Chefärztin der Nescure Privatklinik am See, beschreibt am Beispiel der Alkoholsucht, wozu das bewusste Wegschauen führen kann, und fordert Sensibilisierung statt Bagatellisierung im Umgang mit Süchten am Arbeitsplatz.
Es scheint gegenwärtig geradezu selbstverständlich geboten zu sein, sich präventiv zu verhalten. Man strebe nach Gesundheit und langem Leben! Dazu liefern die Medien unzählige Anleitungen, wie das gelingen kann. Doch muss dem so sein, muss man sich wirklich stets präventiv verhalten? Und worauf lässt man sich dabei ein? Im Standpunkt unternimmt Urban Wiesing einen Klärungsversuch.
Felix Leininger hat vor 20 Jahren wegen seiner chronischen Niereninsuffizienz eine Niere von seinem Vater gespendet bekommen. Von der Politik erhofft er sich nun eine erneute Initiative, um die in rund 20 europäischen Ländern etablierte Widerspruchslösung auch in Deutschland zu forcieren. Sie könnte ein Hebel für mehr Organspenden sein.
Patientendaten, die Notärzten beim Betreten einer Wohnung zur Verfügung stehen, Arzt-Patient-Gespräche, die automatisch in das KIS transkribiert werden, IoT-Sensoren, die frühzeitig auf Gesundheitsveränderungen von Patienten hinweisen – die Cloud kann vieles ermöglichen. Doch unter Krankenhausleitern herrscht oft noch Skepsis, ob die Public Cloud wirklich Sicherheit bietet. Verbindliche Standards könnten Abhilfe schaffen, ist Markus Vogel, Chief Medical Information Officer bei Nuance überzeugt.
Im Gegensatz zum Präventionsgenerikum „Beweg Dich mehr und iss gesünder“ sollten Vorsorge- und Lebensstilinterventionen individuell und mit Maßnahmen, die einen nachweislichen Einfluss auf die eigene Gesundheit haben, erfolgen. Wie das im Gesundheitssystem möglich werden kann, erläutern Jürgen Graalmann und Tim Rödiger von den BrückenKöpfen im Standpunkt anhand des Konzepts Continuous Health Circle. Wichtige Aspekte davon: digitale Leitlinien, kontextbezogene Kommunikation und Daten.
Der israelische Health-Tech-Sektor ist stark gewachsen. Das ist kein Zufall und auch nicht nur dem Entrepreneurship-Geist zu verdanken, schreibt Adina Krausz, Gründungspartnerin und CEO von InnoSource Ventures, in ihrem Standpunkt.
Das Verbändebündnis „Digitalisierung in der Pflege“ fordert eine bundeseinheitliche Digitalisierungspauschale. Das ist richtig, schreibt Ali Reza Humanfar, CEO des Technologieunternehmens HUM Systems: Denn die Digitalisierung der Pflege ist kein Einmalprojekt, sondern eine langfristige technologische Entwicklung, die entsprechend refinanziert werden muss.
Die geplante Krankenhausreform soll das Krankenhaussterben aufhalten und gleichzeitig stationäre Leistungen zentralisieren, die Behandlungsqualität steigern und somit die Versorgung effizienter machen. Das sind die richtigen Ziele – die Maßnahmen zur Zielerreichung erschienen hingegen teilweise ungeeignet und seien an vielen Stellen nicht zu Ende gedacht, meint Benjamin Behar, CEO der Vivecti Group. Dabei seien relevanten Hebel zum Erreichen der Ziele bereits im Krankenhausmarkt vorhanden.
Die Zulassung eines neuen Medikaments könnte in Zukunft erheblich beschleunigt werden – etwa indem es vorher an virtuellen Abbildern von Patient:innen, sogenannten Digitalen Zwillingen, getestet wird. Bis dahin ist es aber noch ein weiter Weg, schreibt Theresa Ahrens, Leiterin der Abteilung Digital Health Engineering am Fraunhofer IESE.
Der Klimawandel beeinträchtigt bereits die Gesundheit vieler Menschen und macht mehr Gesundheitskompetenz in Bevölkerung und bei Fachpersonal nötig. Doch um die ist es schlecht bestellt – ein Grund mehr, Klima- und Gesundheitskompetenz fest in den Curricula an Universitäten, Berufsschulen und allgemeinbildenden Schulen zu verankern, meint Gesundheitsdidaktik-Expertin Jana Jünger.
Am 25. September beginnt die Fünfte Weltchemikalienkonferenz unter Schirmherrschaft der deutschen Bundesregierung in Bonn. Dort soll ein neues internationales Rahmenwerk für einen verantwortungsvollen und nachhaltigen Umgang mit Chemikalien verabschiedet werden. Ein Blick auf die aktuellen Zahlen macht schnell deutlich, warum dieser Termin auch bei politischen und Gesundheitsakteur:innen im Kalender stehen sollte.
So viele Kliniken wie nie zuvor melden Insolvenz an und es ist kein Ende in Sicht – im Gegenteil. Das hat dramatische Folgen für die Versorgung, schreibt der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Gerald Gaß.
Für Vor-Ort-Apotheken wächst die Konkurrenz, auch durch das E-Rezept. Mit einer weiteren Professionalisierung des pharmazeutischen Botendienstes oder dem Ausbau der digitalen Erreichbarkeit via Chat könnten sie ihre Position stärken, meint Sven Simons, Co-CEO von gesund.de im Standpunkt. Immer mehr Apotheken würden auch bereits rund um die Uhr zugängliche Abholterminals für Medikamente anbieten.
Es wird ungemütlich für die Patientenversorgung und den Industriestandort Deutschland, schreibt Hagen Pfundner. Das GKV-Finanzstabilisierungsgesetz hat mit den Ordnungsprinzipien der sozialen Marktwirtschaft nicht mehr viel gemein, meint der Roche-Vorstand, dessen Unternehmen eine Verfassungsbeschwerde eingelegt hat. Im Standpunkt fasst Pfundner seine Befürchtungen und Prognosen zusammen
Die Politik steht sich selbst im Weg, wenn es um Digitalisierung im Gesundheitswesen geht. Schneller geht es mit Innovationen von unten nach oben, meinen Gottfried Ludewig von der Deutschen Telekom Healthcare und Jochen A. Werner, Ärztlicher Direktor der Universitätsmedizin Essen. Sie plädieren für mehr Kollaborationen zwischen Gesundheitssektor und Industrie.
Zum 1. Januar 2024 soll die Krankenhausreform in Kraft treten und ab 2026 sollen die geplanten Vorhaltebudgets ausgezahlt werden. Dazwischen liegen noch zahlreiche ungeklärte Fragen, schreibt Djordje Nikolic in seinem Standpunkt. Eine davon ist, wie sehr die Kliniklandschaft bis dahin durch eine Welle von Insolvenzen, die durch die unzureichend geklärte Finanzierung ausgelöst wird und schon im Gange ist, ausgedünnt wird und wer überhaupt noch an den neuen Entwicklungen teilhaben wird.
Zukunftsgerichtete Lösungen im Gesundheitswesen könnten Exportschlager „Made in Germany“ werden, schreibt Lutz Stroppe, Senior Advisor bei FGS Global und Staatssekretär a.D., in seinem Standpunkt. Doch dazu braucht es Mut und am Ende auch Geld.
Um massive Versorgungsengpässe zu verhindern, muss das heutige Krankheitswesen zu einem Gesundheitswesen umstrukturiert werden, fordern Claudia Schmidtke, Helmut Hildebrandt und Jürgen Graalmann. Nötig sei ein wettbewerbliches Verfahren mit regionaler Umsetzung. Finanziert werden könne der Umbau dann über Anleihen.
Die Fülle an Daten, die durch diagnostische Verfahren und Sensorik im Gesundheitswesen generiert wird, bietet einen hervorragenden Nährboden für den Einsatz von Künstlicher Intelligenz. Von der Krankenhausversorgung über die klinische Forschung bis hin zur Arzneimittelentwicklung können KI-Anwendungen die Arbeitsweise des Gesundheitssektors potenziell revolutionieren, um die Produktivität zu steigern und die Ergebnisse für die Patient:innen zu verbessern.
Die Zukunft der Gesundheitsversorgung liegt in einem vollständig digitalen niedrigschwelligen Einlöseweg für E-Rezepte, meint Olaf Heinrich, CEO der Onlineapotheke Redcare Pharmacy, im Standpunkt. Die eGK-Stecklösung stelle zwar eine Vereinfachung gegenüber dem Papierausdruck dar, doch sie schränke das Recht der Versicherten auf freie Apothekenwahl ein. Dieser Ansatz schließe die Option aus, E-Rezepte in Online-Apotheken einzulösen. Heinrich fordert, Barrieren kurzfristig abzubauen.
Viel zu langsam und mit unnötigen Korrekturschleifen belastet, so lautet die Kritik an der Cannabis-Legalisierung. Der Drogenbeauftragte der Bundesregierung hält in seinem Meinungsbeitrag dagegen: Es gehe nicht weniger als um einen Paradigmenwechsel, schreibt Burkhard Blienert. Und den dürfe man nicht übers Knie brechen.
Für viele Krankenhausmitarbeiter seien IT-Tools böhmische Dörfer, meint Patrick Heiler, Director Healthcare bei IG&H, im Standpunkt. Die Betreiber müssten bei ihren Digitalisierungsstrategien die eigenen Mitarbeiter dringend einbeziehen. Sei dies der Fall, mache Digitalisierung Spaß – und mögliche Vorbehalte würden Schritt für Schritt ausgeräumt.
Der Medizinsektor ist ein großer Verschmutzer in Bezug auf das Klima. Ulrike Marczak hat über 20 Jahre Erfahrung in der Medizintechnikbranche und sieht hier lohnenswerte Ansatzpunkte: Krankenhäuser könnten mit Techniken aus der Kreislaufwirtschaft einen wichtigen Beitrag beim Einsparen von CO₂ leisten und sich so selbst entlasten, schreibt sie im Standpunkt.
Die kurzfristige Renditelogik der Finanzmärkte macht vor kaum einem Lebensbereich halt – auch nicht vor dem Gesundheitssektor: Immer öfter geht es dort in erster Linie um Profit. Gesunden Unternehmen werden von Private-Equity-Investoren riskante Geschäftsmodelle übergestülpt. Doch diese Fixierung auf kurzfristige Rendite statt langfristiger Daseinsvorsorge schadet nicht nur einzelnen Praxen und Standorten, sie kann auch negative Auswirkungen auf die Gesundheitsversorgung insgesamt haben.
Wie und wo recherchieren Patienten, wenn sie Fragen zu ihrer Diagnose und ihren Medikationen haben? Allzu häufig lautet die Antwort: im Netz. Und dort ist der Unterschied zwischen objektiver Information und Verkaufsaktion nicht leicht auszumachen. Das ist nicht unproblematisch, schreibt Friderike Bruchmann, Gründerin und CEO von XO Life, im Standpunkt.
Die Reform der Unabhängigen Patientenberatung (UPD) ist gescheitert. Zu diesem Befund kommen der frühere Verbraucherschutzexperte Stefan Etgeton und der einstige UPD-Geschäftsführer Sebastian Schmidt-Kaehler. Mit dem erhöhten Einfluss des GKV-Spitzenverbandes verabschiede man sich von der großen Idee, Systemmängel „von außen“ zu registrieren und so zu ihrer Beseitigung beizutragen. Das sei nicht nur eine schwere Niederlage für die Zivilgesellschaft, sondern auch für alle ratsuchenden Patienten.
Ein oft genanntes Argument für die schleppende Einführung von Cloud-Technologien ist der Datenschutz, dabei biete die DSGVO prinzipiell einen verlässlichen und planbaren Rahmen, meint Tobias Anger vom Cloud-Anbieter Telepaxx im Standpunkt. Cloud-Technologien könnten beispielsweise beim Einholen und Verwalten von Patienten-Zustimmungen helfen.
Delfinschwimmen ist neben homöopathischen Verfahren beliebt, wenn sonst keine Hoffnung bleibt: Gerne bei Kindern angewendet, medial begleitet und durch Spendensammlungen finanziert. Die Wissenschaftsjournalistin Mela Eckenfels stört sich an diesem Trend – und begründet im Standpunkt, warum es endlich Regulierung braucht.
Die Cannabislegalisierung soll möglichst nicht an EU oder Bundesrat scheitern. Aber ist das mit dem aktuellen Entwurf zum Cannabisgesetz möglich? Peter Homberg, Head of European Cannabis Group bei der Kanzlei Dentons, dekliniert die Szenarien durch, in denen das Gesetz die Zustimmung der Länderkammer bräuchte.
Kristina Spöhrer ist niedergelassene Hausärztin in einer Gemeinschaftspraxis und erlebt jeden Tag, dass kaum jemand die elektronische Patientenakte kennt – geschweige denn aktiv nachfragt. Die Probleme seien vielfältig: Die Erstbefüllung gleiche einer abendfüllenden Veranstaltung und der Erfolg der TI-Anwendungen hänge maßgeblich von den PVS-Herstellern ab.
Es ist ein großes politisches Versprechen für den Öffentlichen Gesundheitsdienst (ÖGD): der vier Milliarden Euro schwere „Pakt für den ÖGD,“ der bis Ende 2025 ausgerollt werden soll. Das ist seit Langem überfällig. Ein noch dringlicherer Pakt für Öffentliche (Kinder-)Gesundheit ist aber längst nicht in Sicht. Bleibt dieser aus, werden Kinder einmal mehr auf der Strecke bleiben.
Alle zwei Minuten stirbt eine Frau an Gebärmutterhalskrebs, dabei könnte eine Impfung beide Geschlechter vor HPV schützen. Wie Andrew Ullmann (FDP) und die ehemalige französische Gesundheitsministerin Marisol Touraine schreiben, heißt es neben der Vorbeugung auch die Diagnose zu verbessern.
Gemeinsam mit Felix Hoffmann erklärt Mergime Gerguri, warum dem Problem investorenbetriebener medizinischer Versorgungszentren mit Sozialgesetzgebung allein nicht beizukommen ist. Sie sind beim Verein Purpose Health aktiv und erklären in ihrem Standpunkt, wie MVZ mit gebundenem Vermögen umgesetzt werden könnten.
Aktuell liegt der Fokus noch stark auf Medikation und Behandlung von Krankheiten. Doch bei der Suche nach bestmöglicher Hilfe sollte man vor allem Gene und Proteine der Patienten in den Blick nehmen, meinen Thomas Kraft und Joachim Stengel von msg.
Solidarisch, sozial, nachhaltig: das ist das Motto, unter dem die DAK-Gesundheit in diesem Jahr ihr 250-jähriges Jubiläum begeht. In zweieinhalb Jahrhunderten hat sich die Krankenkasse immer wieder neu erfunden und Maßstäbe gesetzt. Ihr innovatives Konstrukt hat sich als zukunftsweisend herausgestellt, konstatiert der Historiker Hans-Walter Schmuhl.
Durch die Benennungspraxis bei Kombinationstherapien steht die Glaubwürdigkeit des gesamten AMNOG auf dem Spiel und hebelt zudem die Rechte der Firmen aus. Der Gemeinsame Bundesausschuss muss zurückfinden zu einer zulassungskonformen und medizinisch plausiblen Bewertungspraxis.
Der demografische Wandel erfordert ein Umdenken in der Gesellschaft. Wichtiger wird daher der breite Zugang zu digitalen Assistenzsystemen in der stationären Pflege, schreibt Menia Ettrich. Die Expertin vom Spitzenverband digitale Gesundheitsversorgung plädiert außerdem für eine stärkere Rolle der DiPAs in der ambulanten Pflege.
Dem Klimawandel muss dringend auch gesundheitspolitisch begegnet werden. Die Wissenschaft hat hier bereits geliefert, erst gestern präsentierten Beratergremien der Regierung wieder zwei neue Gutachten. Nun seien die Akteure der Politik und des Gesundheitssystems gefragt, meint Maike Voss, geschäftsführende Direktorin des Centre for Planetary Health Policy.
Sollen die Krankenkassen künftig Gesundheitsdaten an die forschende Industrie verkaufen dürfen? Die Berliner Rechtsanwältin Silvia Woskowski und der CDU-Abgeordnete Erwin Rüddel wünschen sich das. In den Daten schlummere „ein monetärer Mehrwert“, den man nicht verschenken dürfe, sondern zur Beitragsentlastung der Versicherten nutzen könne, schreiben sie. Dabei sollten die Versicherten allerdings selbst entscheiden dürfen, was sie mit wem teilen.
Apotheken sind wie Strom aus der Steckdose, sagt ABDA-Präsidentin Gabriele Overwiening. Am Mittwoch ist damit allerdings erst mal Schluss – die ABDA organisiert einen bundesweiten Protesttag. Im Standpunkt erklärt Overwiening, warum es diesen aus ihrer Sicht braucht und welche Forderungen die ABDA an die Bundesregierung hat.
Gesundheitsdaten nutzen oder schützen, das scheint ein großer Widerspruch zu sein. Dabei bringt der EHDS viele Vorteile, um als Patient:in überhaupt erst Zugang zu den eigenen Daten zu bekommen. Auf der Grundlage der DSGVO soll der EHDS die intensive Nutzung von Gesundheitsdaten zum Wohl souveräner Europäer:innen möglich machen. Ein Beitrag wider die Panikmache.
„Selbstwirksamkeit und Empowerment sind wichtige Bestandteile in der Schmerztherapie“, sagt Astrid Gendolla anlässlich des heutigen Tags des Schmerzes. Gendolla ist Fachärztin für Neurologie, spezielle Schmerztherapie und Psychotherapie. In ihrem Standpunkt fordert sie ein klares Bekenntnis der Gesundheitspolitik zu innovativen Online-Therapien.
Imprivata, ein Anbieter von IT-Sicherheitslösungen, hat sich in der Branche zu Cybersecurity umgehört. Wie Ingo Buck, Vorstand der OGiTiX Software AG, zusammenfasst, sehen die Befragten sich gut vorbereitet – angesichts zunehmender Attacken warnt er allerdings vor zu viel Optimismus.
Mit dem öffentlichen Fokus auf die zunehmende Gefährdungslage im Cyber- und Informationsraum wird auch die Rolle des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik zunehmend breit diskutiert. Welche Maßnahmen es braucht, um das Profil der Behörde zu stärken, kommentiert Sebastian Hartmann, Innenpolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion.
Warum es mehr Innovationsfreude bei klinischen Studien braucht, schreibt Veronika Schweighart, Mitgründerin bei Climedo, im Standpunkt. Statt Vorreiter zu sein, sei Deutschland hier jedoch oft Paragraphenreiter, was sich wiederum auf die Forschungsergebnisse auswirke, ist sie überzeugt. Umso wichtiger sei es nun, besser über Studien aufzuklären, ihre Sichtbarkeit zu erhöhen und sie flexibel in den Patientenalltag zu integrieren.
Im Koalitionsvertrag sowie in geplanten Gesetzesvorhaben hat die Bundesregierung angekündigt, die regionale Gesundheitsversorgung zu stärken. Dieses Vorhaben muss Initiativen vor Ort Rückenwind und Freiräume für passgenaue und innovative Versorgungskonzepte bieten. Es ist der Hebel, um den Reformstau im Gesundheitswesen „von unten“ aufzulösen. Und dafür braucht es weder neue Institutionen noch zusätzliche finanzielle Mittel.
Das EU-Pharmapaket ist maßgebend für die Entwicklung von und den Zugang zu Arzneimitteln. Statt bestehende Probleme zu lösen, schrecke das Maßnahmenpaket aber forschende Pharmaunternehmen und vor allem Start-ups durch zu strenge Regulierungen und mangelnde Anreize ab. Das meint Rainer Westermann von der Life Sciences Acceleration Alliance.
Der Ausblick auf Krankenhäuser im Jahr 2030 mache deutlich, dass diese vor großen Herausforderungen stehen – mehr Digitalisierung sei zur Bewältigung der Hürden unausweichlich, meinen die Detecon-Berater Matthias Hemmes und Matthias Fischer. Eine ganzheitliche Digitalstrategie, eine neue Unternehmenskultur und eine Schnittstelle zum Patienten versprächen Besserung zum Status quo.
Die mangelnde pflegerische Versorgung in Deutschland gefährdet den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Diese traurige Bilanz ziehen fünf renommierte Pflegeexpertinnen zum heutigen Internationalen Tag der Pflege. Bei politischen Maßnahmen gehe es nicht um höhere Pflegequalität, sondern vor allem um Kontrolle – und die aktuellen Reformvorhaben reichten nicht annähernd, um den Bedarf zu decken. Die Folge: Unterversorgung mit enormen volkswirtschaftlichen Folgekosten.
Die Ignoranz gegenüber gesundheitspolitischen Themen zeigt aus Sicht von Jochen A. Werner, Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender der Universitätsmedizin Essen, dass die Brisanz dieses Themas noch nicht einmal im Ansatz erkannt worden ist. Doch das werde sich ändern – mit steigendem Handlungsdruck vor allem in der Notfallversorgung.
Die Verhandlungen mit den Krankenkassen zu neu zu verhandelnden Versorgungsverträgen für die Versicherten werden immer langwieriger, schreibt Eberhard Schmidt, Präsident der Bundesinnung der Hörakustiker (biha), im Standpunkt. Ursache sei vor allem die finanzielle Situation in der GKV. Ob Prävention und Gehörschutz weiterhin von den Versicherten vollständig privat gezahlt werden sollten, darüber müsse jedoch diskutiert werden.
Der „Europäische Gesundheitsdatenraum“ ist ein neues EU-Gesetz, das die Nutzung medizinischer Behandlungsdaten zu Forschungszwecken vereinfachen soll. Das unterläuft die ärztliche Schweigepflicht und damit den Kern der Vertrauensbeziehung zwischen Arzt und Patienten, sagen Silke Lüder vom Verein Freie Ärzteschaft und Jan Penfrat von Edri.
Krankenkassen und Leistungserbringer sind zur Wirtschaftlichkeit verpflichtet. Das ist gut und notwendig, darf aber nicht auf Kosten der Zukunft gehen. Denn die Klimakrise konfrontiert uns mit Zielkonflikten, für die wir als System Antworten finden müssen, meint der Publizist und Politikberater Albrecht Kloepfer.
Die Krankenhausstrukturreform zielt auf eine bessere und passgenaue gesundheitliche Versorgung ab. Die Geburtshilfe ist ein Sonderfall, schreibt Ulrike Geppert-Orthofer, Präsidentin des Deutschen Hebammenverbands und fordert die Einführung einer eigenständigen Leistungsgruppe für hebammengeleitete Geburt.
Seit das geltende EU-Arzneimittelrecht vor mehr als 20 Jahren eingeführt wurde, haben neue Megatrends die Gesundheits- und Pharmabranche revolutioniert. Das Rechtssystem muss damit Schritt halten, meinen Margaritis Schinas, Vizepräsident der Europäischen Kommission, und Stella Kyriakides, EU-Kommissarin für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit. Im Standpunkt erklären sie, warum das Arzneimittelrecht auf EU-Ebene reformiert werden muss und wieso bestimmte Maßnahmen dafür ausgewählt wurden.
Die anstehende Krankenhausreform wird viel Umbauarbeit erfordern – und zwar nicht nur auf politischer Ebene, sondern auch in den Bereichen Personalrecht, Ausschreibungs-, Zivil- und Arbeitsrecht. Benjamin Knorr ist Anwalt und auf Gesellschaftsrecht spezialisiert. Er gibt einen Überblick über die rechtlichen Stolperfallen der Reform.
Die Überregulierung ist laut Rainer Westermann, Vorstandschef der Life Sciences Acceleration Alliance, Ursache für den drohenden Kollaps in der Arzneimittelversorgung. Ein Aufweichen des Patentschutzes, wie aktuell im Pharma-Paket vorgesehen, wäre eine zusätzliche Bedrohung für zukunftssichere Medikamentenforschung und -versorgung.
Für viele steht ChatGPT für einen iPhone-Moment, eine Sprunginnovation, die in kürzester Zeit unsere Arbeits- und Lebenswelt verändert. Auch wenn die Ergebnisse von ChatGPT bei Weitem nicht perfekt sind – die aktuelle Aufmerksamkeit für große Sprachmodelle sei gerechtfertigt, auch für die Medizin würden sie enormes Potenzial versprechen, schreibt Wolfgang Nejdl, Professor an der Universität Hannover und Mitglied der Plattform Lernende Systeme.