Ein mangelndes Bewusstsein für Geschlechterunterschiede erhöht die Gefahr einer Fehlversorgung für Frauen. Die Umsetzung vieler bisheriger Erkenntnisse erfordert eine konzertierte Aktion der politischen Entscheidungsträger, Selbstverwaltung, Leistungserbringer, Forschungseinrichtungen und der Zivilgesellschaft. Die FDP-Bundestagsfraktion will mit der Initiative Frauengesundheit im Fokus mehr Aufmerksamkeit für die Themen schaffen, schreibt Christine Aschenberg-Dugnus im Standpunkt.
Am 1. Juni 2024 soll die PPR 2.0, die bedarfsgerechte Personalbemessung für die Krankenhauspflege, in Kraft treten. Das ist ein Durchbruch auf dem Weg zu guten Arbeitsbedingungen und einer besseren Patientenversorgung, argumentiert Verdi-Bundesvorstandsmitglied Sylvia Bühler.
Die von der Stiko empfohlene Impfung gegen humane Papillomviren schützt wirksam vor einigen Krebsarten. Dennoch sind nur etwa die Hälfte der Mädchen und weniger als ein Drittel der Jungen gegen HPV geimpft. Zusätzliche Strategien zur Erhöhung der HPV-Impfquoten sind erforderlich – das Angebot einer freiwilligen HPV-Schulimpfung kann einen wesentlichen Beitrag leisten. Es ist Aufgabe der Politik, dies zu ermöglichen, schreibt Nobila Ouédraogo vom DKFZ anlässlich des heutigen HPV Awareness Day.
Zwei Jahre liegt die Entscheidung des Deutschen Bundestags zur Organspende nun zurück. Ein guter Zeitpunkt, um eine Zwischenbilanz zu ziehen und Vorschläge zu unterbreiten, wie die Zahl der Organspenden effektiv erhöht werden kann.
Zwei von drei Kindern aus suchtbelasteten Familien entwickeln selber eine Sucht oder eine andere psychische Krankheit. Wie kann man das verhindern? Dieser Frage widmet sich der Verein NACOA, eine Interessenvertretung für Kinder und Jugendliche aus suchtbelasteten Familien. Stephan Kosch, Journalist und bei NACOA zuständig für Öffentlichkeitsarbeit, war als Kind selbst von der Problematik betroffen. Im Standpunkt kritisiert er, dass Betroffene im Gesundheitssystem durchs Raster fielen.
Das Medizinforschungsgesetz war überfällig. Vor allem aufgrund bürokratischer Hürden lassen sich bislang viele hochrelevante Studien in Deutschland überhaupt nicht oder nicht so schnell wie nötig durchführen. Diese Problematik wurde nun auch von der Politik aufgegriffen. In den nächsten Jahren werden allerdings weitere Schritte hinzukommen müssen, um den umfassenden Anspruch eines modernen Medizinforschungsgesetzes zu erfüllen.
Die Arzneimittel-Expertinnen des GKV-Spitzenverbands kritisieren im Standpunkt lauter offene Fragen bei der geplanten Einführung von vertraulichen Erstattungspreisen. Zudem bezweifeln Anja Tebinka-Olbrich und Antje Haas, dass das Vorhaben den Wirtschaftsstandort Deutschland fördert. Stattdessen drohten Bürokratie, Mehrausgaben und Rechtsstreitigkeiten.
Die Präsidentin der Technischen Universität in Berlin, Geraldine Rauch, hat die Pläne von Gesundsheitsminister Karl Lauterbach für eine Bundes-Ethikkommission gegen Kritik verteidigt. Sebastian von Kielmansegg, Vorstandsmitglied des Arbeitskreises Medizinischer Ethikkommissionen (AKEK) widerspricht ihr. Die vorgebrachten Argumente träfen nicht auf die vorgesehene Regelung zu. Und die Gegenargumente, die es tatsächlich gegen eine Zentralisierung gebe, würden nicht aufgegriffen.
Immer näher rückende Altersruhestände, begrenzte Ausbildungskapazität für Medizinstudierende und sinkende Wochenarbeitsstunden stellen Krankenhäuser und medizinische Versorgungszentren vor Herausforderungen im Personalmanagement, schreibt Konstantin Degner. Um dem daraus resultierenden Ärztemangel entgegenzuwirken, richtet sich der Blick auf die Zuwanderung medizinischen Fachpersonals aus dem Ausland – doch dies verstärke den Mangel in den Herkunftsländern der Ärzt:innen.
In Deutschland gibt es 49 medizinische Ethikkommissionen. Es ist längst überfällig, das zu vereinheitlichen, schreibt Prof. Geraldine Rauch, Präsidentin der Technischen Universität Berlin. Die Kritik an Lauterbachs Plänen für eine Bundesethikkommission sei unberechtigt, meint sie.
Aufgrund jahrzehntelanger Vernachlässigung der Pflegeversicherung durch die Politik könnte nichts Geringeres als eine humanitäre Krise entstehen, meint Klaus Vater. Der ehemalige Büroleiter des SPD-Sozialexperten Rudolf Dreßler und Sprecher der langjährigen Gesundheitsministerin Ulla Schmidt drängt deshalb im Standpunkt auf grundlegende Veränderungen des Pflegesystems.
Jeden Tag gibt es in Kliniken, Arztpraxen und medizinischen Einrichtungen Missverständnisse, weil Patient:innen kein oder kaum Deutsch verstehen, schreibt Marthe Hammer, Geschäftsführerin von Triaphon, in ihrem Standpunkt. Sie zeigt auf, welchen Beitrag Sprachmittlung für eine bessere Gesundheitsversorgung leisten kann.
Krankenhäuser befinden sich aktuell in einer Klemme aus ökonomischem Druck und ausbleibender Reform. Clinomic-Mitgründer Lukas Martin schlägt Gesundheitsdaten als Ansatzpunkt vor, bei dem die Krankenhäuser selbst handeln und Kosten senken sowie Personal schonen können, mit gleichzeitiger Verbesserung der Behandlungsqualität.
Damit die elektronische Patientenakte (ePA) einen langfristigen Mehrwert für das Gesundheitssystem bietet, muss die Opt-Out-Option irgendwann ein Ende finden. Das fordert Alexander Müller, Berater für den Gesundheitssektor bei Detecon, im Standpunkt. Außerdem biete die neue Sicherheitsarchitektur für die ePA für alle viele Vorteile.
Das hochkomplexe Gesundheitssystem wartet noch auf eine stringente Zukunftsausrichtung; der Wille zur Umgestaltung ist aber unverkennbar. Das schreibt Jochen Werner, Vorstandsvorsitzender des Universitätsklinikums Essen, im Standpunkt. Beispiele aus anderen Bereichen zeigten, dass Umgestaltungen allen Unkenrufen zum Trotz auch in Deutschland noch möglich seien.
Als Gründer und Geschäftsführer von Demecan setzt sich Constantin von der Groeben für eine bessere Versorgung mit medizinischem Cannabis ein. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, braucht die Cannabiswirtschaft dringend Planungssicherheit. Deshalb muss das Cannabisgesetz schleunigst verabschiedet werden, schreibt er im Standpunkt.
Für die Therapie der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung gab es seit Jahren wenig echte Innovationen. Kein Medikament kann die Erkrankung bislang heilen und es gibt auch noch kein Lungengewebe aus dem 3D-Drucker, das wirklich Hilfe verspricht. Dank der Digitalisierung gibt es aber neue Ansätze im Bereich der nicht-medikamentösen Behandlung.
Jakob Sons engagiert sich als Gründer und Geschäftsführer der Cansativa Group für die Aufklärung über Cannabis sowie die Versorgung mit der Droge zu Therapiezwecken in Deutschland. Die Debatte um das verschobene neue Cannabisgesetz führt bei ihm und vielen anderen in der Branche inzwischen zu Frust, weil oft nur der Freizeitkonsum im Fokus steht.
So wie es ist, kann es nicht bleiben, sagt BMC-Vorstand Lutz Hager. In seinem Standpunkt fordert er eine Modernisierung der Gesundheitsversorgung und gibt dem Bundesgesundheitsministerium Handlungsempfehlungen für das kommende Jahr mit: weniger Ballast und Fehlsteuerung, dafür mehr Freiheiten.
Die gesundheitlichen Auswirkungen von Einsamkeit seien nicht zu unterschätzen, schreiben Andrew Ullmann und Amar Patnaik in ihrem Standpunkt. Menschen, die sich sozial isoliert fühlen, hätten ein höheres Risiko für psychische Probleme, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und geschwächte Immunabwehr. Die Bundesregierung hat nun eine Strategie gegen Einsamkeit erarbeitet, die heute vom Kabinett verabschiedet werden soll.
Das Patientenrechtegesetz soll Patient:innen schützen – etwa bei Behandlungsfehlern oder vor aufdringlichen Angeboten für Selbstzahlerleistungen. Echte Verbesserungen brachte das mittlerweile zehn Jahre alte Gesetz allerdings nicht. Das Bundesgesundheitsministerium hatte daher angekündigt, das Gesetz noch im Jahr 2023 zu überarbeiten. Eckpunkte oder gar ein Gesetzentwurf lassen allerdings auf sich warten.
BVKJ-Präsident Michael Hubmann kritisiert den Vorschlag der Regierungskommission zu Institutsambulanzen. Er warnt vor Doppelstrukturen und fordert stattdessen Weiterbildungen von Schwerpunktpädiaterinnen und -pädiatern in Praxen und Kliniken. Denn längst arbeiteten die Niedergelassenen mit einer unvergleichbaren Effizienz.
Welche Faktoren nehmen Einfluss auf die Impfbereitschaft? Dieser Frage geht der empirisch forschende Wirtschaftswissenschaftler Philipp Lergetporer nach. Ein Ergebnis ist, dass die Impfbereitschaft um 13 Prozentpunkte steigt, wenn ein Impfstoff eine „bedingte Zulassung" erhält, gegenüber der schnelleren, aber weniger umfassenden „Notfallzulassung".
Anlässlich des morgigen Welt-Aids-Tags plädiert die Deutsche Arbeitsgemeinschaft niedergelassener Ärzte in der Versorgung HIV-Infizierter (dagnä) für eine Stärkung der Prophylaxe, einen sicheren Medikamentenzugang und eine Förderung der ambulanten Versorgung. Heiko Karcher und Dorian Doumit, Vorstand und Geschäftsführer der AG, erklären im Standpunkt, was aus ihrer Sicht auf dem Spiel steht.
Die Regierungskommission hat sogenannte Institutsambulanzen in der Kinder- und Jugendmedizin vorgeschlagen, um sowohl im ambulanten als auch im stationären Bereich für Entlastung zu sorgen. Wolfgang Kölfen vom Verband der leitenden Kinderärzte und Kinderchirurgen fordert in seinem Standpunkt eine schnelle Umsetzung, um noch vor der winterlichen Infektionswelle Strukturen zu schaffen.
Bei der Wahl der richtigen und langfristigen Investitionsorte blicken Verantwortliche aus der Pharmaindustrie mit Sorge auf die immer schwierigeren Bedingungen in Deutschland. Um am Standort Deutschland positive Rahmenbedingungen für diese Schlüsselindustrie zu bewahren und verlässliche Zukunftsperspektiven zu schaffen, braucht es vor allem eins: den Dialog.
In sieben Schritten Transparenz und Systematik bei Informations- und Beratungsangeboten im deutschen Gesundheitswesen schaffen – das ist der ambitionierte Plan von Marcel Weigand, der zum Thema digitale Kooperationen bei der Unabhängigen Patientenberatung Deutschland arbeitet. Dazu brauche es eine gründliche Bedarfsermittlung, den Aufbau von geeigneten Strukturen und vor allem eine patientenzentrierte Aufbereitung.
Deutschland braucht endlich eine echte Bereitschaft zur tiefgreifenden Modernisierung des Gesundheitswesens, meint Jochen Werner im Standpunkt. Auf die Akteure der Gesundheitspolitik will er dabei nicht zählen. Was bleibe, sei der Patient als Treiber für eine fortschrittsfähige Gesundheitsversorgung.
Sucht bei Führungskräften wird häufig „übersehen“, weil das Thema dem Privaten zugeschrieben wird. Reingard Herbst, Chefärztin der Nescure Privatklinik am See, beschreibt am Beispiel der Alkoholsucht, wozu das bewusste Wegschauen führen kann, und fordert Sensibilisierung statt Bagatellisierung im Umgang mit Süchten am Arbeitsplatz.
Es scheint gegenwärtig geradezu selbstverständlich geboten zu sein, sich präventiv zu verhalten. Man strebe nach Gesundheit und langem Leben! Dazu liefern die Medien unzählige Anleitungen, wie das gelingen kann. Doch muss dem so sein, muss man sich wirklich stets präventiv verhalten? Und worauf lässt man sich dabei ein? Im Standpunkt unternimmt Urban Wiesing einen Klärungsversuch.
Felix Leininger hat vor 20 Jahren wegen seiner chronischen Niereninsuffizienz eine Niere von seinem Vater gespendet bekommen. Von der Politik erhofft er sich nun eine erneute Initiative, um die in rund 20 europäischen Ländern etablierte Widerspruchslösung auch in Deutschland zu forcieren. Sie könnte ein Hebel für mehr Organspenden sein.
Patientendaten, die Notärzten beim Betreten einer Wohnung zur Verfügung stehen, Arzt-Patient-Gespräche, die automatisch in das KIS transkribiert werden, IoT-Sensoren, die frühzeitig auf Gesundheitsveränderungen von Patienten hinweisen – die Cloud kann vieles ermöglichen. Doch unter Krankenhausleitern herrscht oft noch Skepsis, ob die Public Cloud wirklich Sicherheit bietet. Verbindliche Standards könnten Abhilfe schaffen, ist Markus Vogel, Chief Medical Information Officer bei Nuance überzeugt.
Im Gegensatz zum Präventionsgenerikum „Beweg Dich mehr und iss gesünder“ sollten Vorsorge- und Lebensstilinterventionen individuell und mit Maßnahmen, die einen nachweislichen Einfluss auf die eigene Gesundheit haben, erfolgen. Wie das im Gesundheitssystem möglich werden kann, erläutern Jürgen Graalmann und Tim Rödiger von den BrückenKöpfen im Standpunkt anhand des Konzepts Continuous Health Circle. Wichtige Aspekte davon: digitale Leitlinien, kontextbezogene Kommunikation und Daten.
Der israelische Health-Tech-Sektor ist stark gewachsen. Das ist kein Zufall und auch nicht nur dem Entrepreneurship-Geist zu verdanken, schreibt Adina Krausz, Gründungspartnerin und CEO von InnoSource Ventures, in ihrem Standpunkt.
Das Verbändebündnis „Digitalisierung in der Pflege“ fordert eine bundeseinheitliche Digitalisierungspauschale. Das ist richtig, schreibt Ali Reza Humanfar, CEO des Technologieunternehmens HUM Systems: Denn die Digitalisierung der Pflege ist kein Einmalprojekt, sondern eine langfristige technologische Entwicklung, die entsprechend refinanziert werden muss.
Die geplante Krankenhausreform soll das Krankenhaussterben aufhalten und gleichzeitig stationäre Leistungen zentralisieren, die Behandlungsqualität steigern und somit die Versorgung effizienter machen. Das sind die richtigen Ziele – die Maßnahmen zur Zielerreichung erschienen hingegen teilweise ungeeignet und seien an vielen Stellen nicht zu Ende gedacht, meint Benjamin Behar, CEO der Vivecti Group. Dabei seien relevanten Hebel zum Erreichen der Ziele bereits im Krankenhausmarkt vorhanden.
Die Zulassung eines neuen Medikaments könnte in Zukunft erheblich beschleunigt werden – etwa indem es vorher an virtuellen Abbildern von Patient:innen, sogenannten Digitalen Zwillingen, getestet wird. Bis dahin ist es aber noch ein weiter Weg, schreibt Theresa Ahrens, Leiterin der Abteilung Digital Health Engineering am Fraunhofer IESE.
Der Klimawandel beeinträchtigt bereits die Gesundheit vieler Menschen und macht mehr Gesundheitskompetenz in Bevölkerung und bei Fachpersonal nötig. Doch um die ist es schlecht bestellt – ein Grund mehr, Klima- und Gesundheitskompetenz fest in den Curricula an Universitäten, Berufsschulen und allgemeinbildenden Schulen zu verankern, meint Gesundheitsdidaktik-Expertin Jana Jünger.
Am 25. September beginnt die Fünfte Weltchemikalienkonferenz unter Schirmherrschaft der deutschen Bundesregierung in Bonn. Dort soll ein neues internationales Rahmenwerk für einen verantwortungsvollen und nachhaltigen Umgang mit Chemikalien verabschiedet werden. Ein Blick auf die aktuellen Zahlen macht schnell deutlich, warum dieser Termin auch bei politischen und Gesundheitsakteur:innen im Kalender stehen sollte.
So viele Kliniken wie nie zuvor melden Insolvenz an und es ist kein Ende in Sicht – im Gegenteil. Das hat dramatische Folgen für die Versorgung, schreibt der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Gerald Gaß.
Für Vor-Ort-Apotheken wächst die Konkurrenz, auch durch das E-Rezept. Mit einer weiteren Professionalisierung des pharmazeutischen Botendienstes oder dem Ausbau der digitalen Erreichbarkeit via Chat könnten sie ihre Position stärken, meint Sven Simons, Co-CEO von gesund.de im Standpunkt. Immer mehr Apotheken würden auch bereits rund um die Uhr zugängliche Abholterminals für Medikamente anbieten.
Es wird ungemütlich für die Patientenversorgung und den Industriestandort Deutschland, schreibt Hagen Pfundner. Das GKV-Finanzstabilisierungsgesetz hat mit den Ordnungsprinzipien der sozialen Marktwirtschaft nicht mehr viel gemein, meint der Roche-Vorstand, dessen Unternehmen eine Verfassungsbeschwerde eingelegt hat. Im Standpunkt fasst Pfundner seine Befürchtungen und Prognosen zusammen
Die Politik steht sich selbst im Weg, wenn es um Digitalisierung im Gesundheitswesen geht. Schneller geht es mit Innovationen von unten nach oben, meinen Gottfried Ludewig von der Deutschen Telekom Healthcare und Jochen A. Werner, Ärztlicher Direktor der Universitätsmedizin Essen. Sie plädieren für mehr Kollaborationen zwischen Gesundheitssektor und Industrie.
Zum 1. Januar 2024 soll die Krankenhausreform in Kraft treten und ab 2026 sollen die geplanten Vorhaltebudgets ausgezahlt werden. Dazwischen liegen noch zahlreiche ungeklärte Fragen, schreibt Djordje Nikolic in seinem Standpunkt. Eine davon ist, wie sehr die Kliniklandschaft bis dahin durch eine Welle von Insolvenzen, die durch die unzureichend geklärte Finanzierung ausgelöst wird und schon im Gange ist, ausgedünnt wird und wer überhaupt noch an den neuen Entwicklungen teilhaben wird.
Zukunftsgerichtete Lösungen im Gesundheitswesen könnten Exportschlager „Made in Germany“ werden, schreibt Lutz Stroppe, Senior Advisor bei FGS Global und Staatssekretär a.D., in seinem Standpunkt. Doch dazu braucht es Mut und am Ende auch Geld.
Um massive Versorgungsengpässe zu verhindern, muss das heutige Krankheitswesen zu einem Gesundheitswesen umstrukturiert werden, fordern Claudia Schmidtke, Helmut Hildebrandt und Jürgen Graalmann. Nötig sei ein wettbewerbliches Verfahren mit regionaler Umsetzung. Finanziert werden könne der Umbau dann über Anleihen.
Die Fülle an Daten, die durch diagnostische Verfahren und Sensorik im Gesundheitswesen generiert wird, bietet einen hervorragenden Nährboden für den Einsatz von Künstlicher Intelligenz. Von der Krankenhausversorgung über die klinische Forschung bis hin zur Arzneimittelentwicklung können KI-Anwendungen die Arbeitsweise des Gesundheitssektors potenziell revolutionieren, um die Produktivität zu steigern und die Ergebnisse für die Patient:innen zu verbessern.
Die Zukunft der Gesundheitsversorgung liegt in einem vollständig digitalen niedrigschwelligen Einlöseweg für E-Rezepte, meint Olaf Heinrich, CEO der Onlineapotheke Redcare Pharmacy, im Standpunkt. Die eGK-Stecklösung stelle zwar eine Vereinfachung gegenüber dem Papierausdruck dar, doch sie schränke das Recht der Versicherten auf freie Apothekenwahl ein. Dieser Ansatz schließe die Option aus, E-Rezepte in Online-Apotheken einzulösen. Heinrich fordert, Barrieren kurzfristig abzubauen.
Viel zu langsam und mit unnötigen Korrekturschleifen belastet, so lautet die Kritik an der Cannabis-Legalisierung. Der Drogenbeauftragte der Bundesregierung hält in seinem Meinungsbeitrag dagegen: Es gehe nicht weniger als um einen Paradigmenwechsel, schreibt Burkhard Blienert. Und den dürfe man nicht übers Knie brechen.
Für viele Krankenhausmitarbeiter seien IT-Tools böhmische Dörfer, meint Patrick Heiler, Director Healthcare bei IG&H, im Standpunkt. Die Betreiber müssten bei ihren Digitalisierungsstrategien die eigenen Mitarbeiter dringend einbeziehen. Sei dies der Fall, mache Digitalisierung Spaß – und mögliche Vorbehalte würden Schritt für Schritt ausgeräumt.
Der Medizinsektor ist ein großer Verschmutzer in Bezug auf das Klima. Ulrike Marczak hat über 20 Jahre Erfahrung in der Medizintechnikbranche und sieht hier lohnenswerte Ansatzpunkte: Krankenhäuser könnten mit Techniken aus der Kreislaufwirtschaft einen wichtigen Beitrag beim Einsparen von CO₂ leisten und sich so selbst entlasten, schreibt sie im Standpunkt.
Die kurzfristige Renditelogik der Finanzmärkte macht vor kaum einem Lebensbereich halt – auch nicht vor dem Gesundheitssektor: Immer öfter geht es dort in erster Linie um Profit. Gesunden Unternehmen werden von Private-Equity-Investoren riskante Geschäftsmodelle übergestülpt. Doch diese Fixierung auf kurzfristige Rendite statt langfristiger Daseinsvorsorge schadet nicht nur einzelnen Praxen und Standorten, sie kann auch negative Auswirkungen auf die Gesundheitsversorgung insgesamt haben.
Wie und wo recherchieren Patienten, wenn sie Fragen zu ihrer Diagnose und ihren Medikationen haben? Allzu häufig lautet die Antwort: im Netz. Und dort ist der Unterschied zwischen objektiver Information und Verkaufsaktion nicht leicht auszumachen. Das ist nicht unproblematisch, schreibt Friderike Bruchmann, Gründerin und CEO von XO Life, im Standpunkt.
Die Reform der Unabhängigen Patientenberatung (UPD) ist gescheitert. Zu diesem Befund kommen der frühere Verbraucherschutzexperte Stefan Etgeton und der einstige UPD-Geschäftsführer Sebastian Schmidt-Kaehler. Mit dem erhöhten Einfluss des GKV-Spitzenverbandes verabschiede man sich von der großen Idee, Systemmängel „von außen“ zu registrieren und so zu ihrer Beseitigung beizutragen. Das sei nicht nur eine schwere Niederlage für die Zivilgesellschaft, sondern auch für alle ratsuchenden Patienten.
Ein oft genanntes Argument für die schleppende Einführung von Cloud-Technologien ist der Datenschutz, dabei biete die DSGVO prinzipiell einen verlässlichen und planbaren Rahmen, meint Tobias Anger vom Cloud-Anbieter Telepaxx im Standpunkt. Cloud-Technologien könnten beispielsweise beim Einholen und Verwalten von Patienten-Zustimmungen helfen.
Delfinschwimmen ist neben homöopathischen Verfahren beliebt, wenn sonst keine Hoffnung bleibt: Gerne bei Kindern angewendet, medial begleitet und durch Spendensammlungen finanziert. Die Wissenschaftsjournalistin Mela Eckenfels stört sich an diesem Trend – und begründet im Standpunkt, warum es endlich Regulierung braucht.
Die Cannabislegalisierung soll möglichst nicht an EU oder Bundesrat scheitern. Aber ist das mit dem aktuellen Entwurf zum Cannabisgesetz möglich? Peter Homberg, Head of European Cannabis Group bei der Kanzlei Dentons, dekliniert die Szenarien durch, in denen das Gesetz die Zustimmung der Länderkammer bräuchte.
Kristina Spöhrer ist niedergelassene Hausärztin in einer Gemeinschaftspraxis und erlebt jeden Tag, dass kaum jemand die elektronische Patientenakte kennt – geschweige denn aktiv nachfragt. Die Probleme seien vielfältig: Die Erstbefüllung gleiche einer abendfüllenden Veranstaltung und der Erfolg der TI-Anwendungen hänge maßgeblich von den PVS-Herstellern ab.
Es ist ein großes politisches Versprechen für den Öffentlichen Gesundheitsdienst (ÖGD): der vier Milliarden Euro schwere „Pakt für den ÖGD,“ der bis Ende 2025 ausgerollt werden soll. Das ist seit Langem überfällig. Ein noch dringlicherer Pakt für Öffentliche (Kinder-)Gesundheit ist aber längst nicht in Sicht. Bleibt dieser aus, werden Kinder einmal mehr auf der Strecke bleiben.
Alle zwei Minuten stirbt eine Frau an Gebärmutterhalskrebs, dabei könnte eine Impfung beide Geschlechter vor HPV schützen. Wie Andrew Ullmann (FDP) und die ehemalige französische Gesundheitsministerin Marisol Touraine schreiben, heißt es neben der Vorbeugung auch die Diagnose zu verbessern.
Gemeinsam mit Felix Hoffmann erklärt Mergime Gerguri, warum dem Problem investorenbetriebener medizinischer Versorgungszentren mit Sozialgesetzgebung allein nicht beizukommen ist. Sie sind beim Verein Purpose Health aktiv und erklären in ihrem Standpunkt, wie MVZ mit gebundenem Vermögen umgesetzt werden könnten.
Aktuell liegt der Fokus noch stark auf Medikation und Behandlung von Krankheiten. Doch bei der Suche nach bestmöglicher Hilfe sollte man vor allem Gene und Proteine der Patienten in den Blick nehmen, meinen Thomas Kraft und Joachim Stengel von msg.
Solidarisch, sozial, nachhaltig: das ist das Motto, unter dem die DAK-Gesundheit in diesem Jahr ihr 250-jähriges Jubiläum begeht. In zweieinhalb Jahrhunderten hat sich die Krankenkasse immer wieder neu erfunden und Maßstäbe gesetzt. Ihr innovatives Konstrukt hat sich als zukunftsweisend herausgestellt, konstatiert der Historiker Hans-Walter Schmuhl.
Durch die Benennungspraxis bei Kombinationstherapien steht die Glaubwürdigkeit des gesamten AMNOG auf dem Spiel und hebelt zudem die Rechte der Firmen aus. Der Gemeinsame Bundesausschuss muss zurückfinden zu einer zulassungskonformen und medizinisch plausiblen Bewertungspraxis.
Der demografische Wandel erfordert ein Umdenken in der Gesellschaft. Wichtiger wird daher der breite Zugang zu digitalen Assistenzsystemen in der stationären Pflege, schreibt Menia Ettrich. Die Expertin vom Spitzenverband digitale Gesundheitsversorgung plädiert außerdem für eine stärkere Rolle der DiPAs in der ambulanten Pflege.
Dem Klimawandel muss dringend auch gesundheitspolitisch begegnet werden. Die Wissenschaft hat hier bereits geliefert, erst gestern präsentierten Beratergremien der Regierung wieder zwei neue Gutachten. Nun seien die Akteure der Politik und des Gesundheitssystems gefragt, meint Maike Voss, geschäftsführende Direktorin des Centre for Planetary Health Policy.