Die EU-Staaten streiten über die Zukunft des Emissionshandels. Deutschland und Frankreich haben das politische Gewicht, zwischen den Lagern zu vermitteln. Ob der Kompromiss gelingt, könnte entscheidend für die Zukunft des CO2-Marktes sein. Kirsten Scholl von EPICO und Phuc-Vinh Nguyen vom Jacques Delors Institut argumentieren, wie sich Klimaschutz und Wettbewerbsfähigkeit verbinden lassen.
Deutschland braucht Wachstum durch Investition, Innovation und Elektrifizierung, die deutschen Haushalte brauchen Entlastung. Die Senkung der Stromsteuer auf das europäische Mindestmaß wäre dafür ein schneller, breiter und unbürokratischer Hebel und zugleich die Einlösung eines politischen Versprechens, argumentiert der CDU-Abgeordnete Lars Rohwer im Standpunkt.
Bundeskanzler Friedrich Merz hat in Kyjiw weitere 350 Millionen Euro für die ukrainische Energieversorgung angekündigt. Das ist dringend notwendig, befinden Rouven Stubbe und Georg Zachmann vom Helmholtz-Zentrum Berlin. Doch Deutschland sollte seine Energiehilfe aus Sicht der Fachleute nicht von Winter zu Winter neu organisieren. Was fehle, sei ein zusätzlicher, mehrjähriger Finanzierungsrahmen, der akute Wiederherstellung und den Aufbau eines resilienteren Energiesystems miteinander verbinde.
Auf Druck der Bundesregierung musste Niedersachsen ein Kernbrennstoff-Joint-Venture der Konzerne Rosatom und Framatome in Lingen genehmigen. Hans-Josef Fell, Gründer der Energy Watch Group, wirft Kanzler Merz eine eklatante Missachtung deutscher und ukrainischer Sicherheitsinteressen und eine falsche Energiepolitik vor.
Deutschland braucht mehr Investitionen in die energetische Ertüchtigung des Gebäudebestands. Dafür bleibt die Förderung der wichtigste Hebel. Doch wenn der finanzielle Spielraum für höhere Fördersätze begrenzt ist, muss die Politik weitere flankierende Maßnahmen ergreifen, damit mehr Investitionen entstehen, schreibt Deneff-Geschäftsführer Henning Ellermann.
Fossiles Gas hält Strom teuer, bremst die industrielle Transformation und verstärkt Abhängigkeiten. Nur ein geordneter Gasausstieg und eine konsequente Elektrifizierung können den Standort Deutschland wieder wettbewerbsfähig machen, schreibt Jürgen Trittin, Bundesumweltminister a. D.
Deutschland läuft Gefahr, wegen mangelnder Flexibilität seines Stromnetzes, globale Trends zu verpassen, warnt Robert Busch vom Energieverband BNE. Als Grundübel betrachtet er eine ungleiche Risikoverteilung zugunsten der Netzbetreiber, verschärft durch kontraproduktive Impulse der Bundesregierung in EEG und Netzanschlusspaket.
Der Gebäudesektor ist das Sorgenkind der deutschen Klimapolitik. Nun gibt es insgesamt weniger Förderung für die Sanierung von Bestandsgebäuden. Tobias Frese, Co-CEO beim Sanierungsberatungsunternehmen Fuchs & Eule, rät Eigentümern dazu, Sanierungen weniger anhand von Förderverfügbarkeiten auszurichten.
Grüngasquote und Biotreppe werden die Nachfrage nach Biomethan in Deutschland vermutlich deutlich steigern. Doch ohne neue Produktionsanlagen drohen Engpässe und höhere Preise, meint Marcus Franken von der Elevion Group. Italien zeigt, wie ein verlässlicher Rahmen für Förderung, Netzzugang und Investitionen den Ausbau beschleunigen kann.
Deutschland braucht mehr Solarstrom. Deutschland braucht eine resilientere Landwirtschaft. Agri-PV darf daher nicht mehr wie ein Nischenthema behandelt werden, fordert Mark Kugel, Co-Founder des Agri-PV-Spezialisten Sonntag Energy.
Tausende Kilometer CO2-Leitungen sollen durch Deutschland entstehen. Die Sicherheit ist dabei nicht gewährleistet, warnen Nachhaltigkeitsforscher Felix Ekardt und Geschäftsführerin Simone von Kampen vom BUND NRW.
Magere Gasspeicherfüllstände, fehlende Befüllanreize und ein fragiler LNG-Weltmarkt: Deutschland könnte bei einem harten Winter gleich in die nächste Gaskrise rutschen. Ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt sägt die Bundesregierung laut Thomas Karle, Präsident im Fachverband Biogas, an gleich mehreren Standbeinen der resilienten und nachhaltigen Biogasbranche.
Die Bundesregierung hat die Reform der Offshore-Wind-Ausschreibungen auf den Weg gebracht. Stefan Thimm, Geschäftsführer des Bundesverband Windenergie Offshore, sieht im parlamentarischen Verfahren noch vier zentrale Aufgaben: eine Indexierung der CfDs, ein CfD-only-Modell, eine Begrenzung der Zuschläge pro Bieter sowie eine Rückgabeoption für gefährdete Projekte aus den Ausschreibungsjahren 2023 bis 2025.
Künstliche Intelligenz treibt den deutschen Rechenzentrumsmarkt an, die Bundesregierung hat große Ausbauziele gesetzt. Doch an etablierten Standorten wird der Strom knapp, und wer keinen Netzanschluss bekommt, investiert an anderen Standorten, warnt Volker Ludwig vom Rechenzentrenbetreiber Digital Realty.
Die Netzkrise offenbart sich nicht nur in fehlenden Kapazitäten, sondern vor allem in veralteten Prozessen, findet Matthias Krülls, Leiter Energiepolitik beim Handelsverband HDE. 860 Verteilnetzbetreiber und bürokratischer Wildwuchs würden Investitionen bremsen und Wohlstand kosten. Das Netzpaket muss seiner Meinung nach Verteilnetzbetreiber endlich zu einheitlichen digitalen Standards, klaren Fristen und echter Kundenzentrierung verpflichten – notfalls mit Pönalen.
Im AgNes-Verfahren hat die Bundesnetzagentur einen wichtigen Schritt auf die Branche zu gemacht: Der Vertrauensschutz für Speicherprojekte soll erhalten bleiben. Jetzt muss die dafür vorgesehene FID-Regelung nur noch zur Realität der Projektentwicklung passen, schreibt Urban Windelen, Geschäftsführer des Branchenverbandes BVES.
Prozesswärme verursacht rund zwei Drittel der CO2-Emissionen der Industrie – und bleibt dennoch der blinde Fleck der Wärmewende. Nun startet die Bundesregierung einen Stakeholder-Dialog, der über die Zukunft des Industriestandorts mitentscheidet. Aus Sicht von Erik Pfeifer, Referatsleiter bei der Deutschen Industrie- und Handelskammer, müssen dabei vor allem drei Herausforderungen in den Blick genommen werden.
Dass die gemeinschaftliche Gebäudeversorgung vom geplanten Prosumeraufschlag härter getroffen wird als Mieterstrom, ist bekannt. Weniger diskutiert wird, warum das so ist und dass eine einzige Korrektur im Festlegungsentwurf genügen würde. Bis zum 18. September ist dafür Zeit.
Soll der Bundestag Offshore-Windprojekte retten, weil sich deren Entwickler verzockt haben oder bewusst blockieren? Nach Abwägen der Pros und Cons plädiert Karina Würtz von der Stiftung Offshore-Windenergie für eine staatliche Schadensbegrenzung, um die Lieferkette und die Klimaambitionen zu erhalten. Sie verweist auf ein neues Rechtsgutachten, das die Grundlage für die Debatte verändere.
Die Debatte über den CO2-Transport sollte aus Sicht der Carbon Management Allianz nicht auf Pipelines verengt werden. Die Vorstandsvorsitzende Alexandra Decker wirbt für einen multimodalen Ansatz mit Leitungen, Zügen und Schiffen. Für deren langfristige Koexistenz brauche es koordinierte Planung, verbindliche Zeitpläne sowie Förder- und Absicherungsinstrumente.
Die geplante Umschichtung von 2,7 Milliarden Euro aus dem Klimafonds in den Bundeshaushalt untergräbt das Vertrauen der Industrie in den Emissionshandel, sagt Sabine Nallinger, Vorständin der Stiftung KlimaWirtschaft. Sie fordert den Bundestag auf, das Vorhaben zu stoppen.
Das kanadische Flüssigerdgas-Projekt Ksi Lisims LNG soll helfen, Deutschlands Erdgasbezug zu diversifizieren. Gwii Lok’im Gibuu von der Skeena Watershed Conservation Coalition bezweifelt, dass das US-amerikanisch finanzierte Vorhaben wirklich Deutschlands Energiesicherheit stärken kann.
Graham Weale bezweifelt, dass das EU-Ziel der Klimaneutralität bis zum Jahr 2050 erreichbar ist. China, argumentiert der Energieökonom an der Uni Bochum, setzt hierfür inzwischen die Maßstäbe, nicht Europa. Er plädiert für eine zeitliche und industriepolitische Neujustierung.
Viereinhalb Jahre nach der „Zeitenwende" fehlt der deutschen Energiepolitik weiterhin eine umfassende Energieresilienzstrategie, kritisiert Jakob Schlandt von HIC Consulting. Es gebe weder breite Szenarien noch ein klar definiertes und finanziertes Schutzniveau, das auch Störungen jenseits der direkten Gefahrenabwehr umfasst.
Deutschland ist längst zur Zielscheibe Russlands geworden, greift aber gleichzeitig nicht hart genug gegen die russische Schattenflotte durch. So hilft das Land dabei, die Kriegskasse zu füllen, obwohl es selbst Ziel hybrider Angriffe ist. Svitlana Romanko, Gründerin und Geschäftsführerin von „Razom We Stand“, fordert deshalb eine echte Zeitenwende, die in der Ost- und Nordsee beginnt.
Tausende Gemeinden haben ihre kommunale Wärmeplanung gerade beendet. Welche Technologie-Optionen darin in 20 Jahren noch wirtschaftlich sinnvoll sind, weiß kaum jemand. Ronald Scholz erklärt, warum viele KWPs kaum umsetzbar sind und was der Gesetzgeber bis Jahresende ändern sollte.
Die Bundesregierung will den Einbau des Smart Meter Light ermöglichen. Aus Sicht von Oliver van der Mond könnte ein solches vereinfachtes Messsystem den Rollout zwar beschleunigen. Dennoch betont der CEO und Mitgründer von Lemonbeat: Die Digitalisierung von Ortsnetzstationen ist mindestens genauso wichtig. Deshalb plädiert er dafür, beide Digitalisierungsebenen parallel voranzutreiben, Ortsnetzstationen aber Priorität einzuräumen.
Geothermie findet laut einer Umfrage Zustimmung bei allen Wählergruppen. Peter Schniering, Gründer und Geschäftsführer von Future Cleantech Architects und Maria Leis, Germany Lead bei Project Tempo sprechen sich deshalb für eine Geothermie-Wärmestrategie aus. Die Energiequelle sei zwar kein Allheilmittel, aber ein wichtiger Baustein für die Zukunft.
Klimaschutz durch eine Gasquote? Was skurril klingt, ist es auch, findet Sebastian Breer vom WWF Deutschland. Bis Dezember will die Bundesregierung die „Grüngasquote“ einführen – so wurde es jüngst im Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) beschlossen. Doch viele Fragen, auf die das Gesetz Antworten finden muss, sind noch offen.
Nicht nur Südeuropa brennt: 2025 wurden in Deutschland laut BMLEH rund 2626 Hektar Wald, mehr als das Dreifache des langjährigen Mittels, durch Feuer zerstört. Die Widerstandsfähigkeit von Wäldern gegenüber anhaltenden Dürreperioden gilt daher als zentrale Herausforderung. Abhilfe können digitale Zwillinge schaffen, die Risiken früher erkennen.
Der Entwurf zum Natur-Infrastruktur-Gesetz droht, die Gewinnung von Rohstoffen in weiten Teilen Deutschlands zu erschweren und zu verteuern, schreibt Matthias Frederichs, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Baustoffe – Steine und Erden. Er fordert eine grundlegende Überarbeitung des Entwurfs.
Damit aus Rechenzentren tatsächlich verlässliche Wärmequellen für unsere Städte werden, müssen Kommunen und Rechenzentrumsbetreiber ihre Beziehung neu denken, fordert Peter von Dietze. Der Chef von Equinix Deutschland empfiehlt eine frühzeitige Verzahnung von Wärmeplanung, Netzinfrastruktur und Rechenzentrumsentwicklung statt starrer Vorgaben.
Rund eineinhalb Jahre ohne Auktionen und Projekte im Umfang mehrerer Gigawatt mit unklaren Realisierungsaussichten: Die Offshore-Windenergie in Deutschland steckt in einer Flaute. Mit der lang erwarteten Novelle des Windenergie-auf-See-Gesetzes will die Bundesregierung nun neue Impulse setzen. Trotz guter Ansätze fehlt dem Entwurf an einigen Punkten jedoch die Konsequenz, schreibt Felipe Montero, CEO von Iberdrola Deutschland.
Extreme Wetterereignisse wie Hitze, Dürre, Waldbrände und Fluten sind längst keine abstrakte Zukunftsgefahr mehr, sondern spürbare Realität des menschengemachten Klimawandels. Deutschland muss deshalb seine Anstrengungen zur Emissionsminderung konsequent verstärken, in Erneuerbare, Netze und Speicher investieren und zugleich international als Vorreiter vorangehen, schreibt Elisabeth Winkelmeier-Becker (MdB, CDU).
Das Netzpaket entscheidet darüber, wie die Erneuerbaren kosteneffizient ins Netz kommen. Doch ein zentrales Instrument könnte ohne belastbare Datengrundlage beschlossen werden. Das ist ein vermeidbares Risiko, schreibt Kerstin Andreae, Vorsitzende der Hauptgeschäftsführung des BDEW.
Daten des Sozialen Nachhaltigkeitsbarometers zeigen keinen gesellschaftlichen Rückzug vom Klimaschutz. Die Bevölkerung unterstützt ambitionierten Klimaschutz, achtet aber stärker auf wirtschaftliche Folgen und faire Ausgestaltung. Politische Debatten adressieren diese Sorgen nicht konstruktiv, sondern wenden sich gegen die Transformation, warnt Umweltpsychologe Jean-Henri Huttarsch.
Die Klimaziele sind verbindlich. Entscheidend dafür sei aber, dass Europa Stromnetze baut, den Wasserstoff-Hochlauf ermöglicht und seine Industrie nicht vertreibt, meint die Europaabgeordnete Andrea Wechsler.
Vorsichtig optimistische Wachstumsprognosen stimmen nicht, warnt Lukas Bertram, Ökonom und Programmleiter am ZOE Institut für zukunftsfähige Ökonomien. Das Reformpaket der Regierung löst die strukturellen Probleme nicht. Außerdem braucht es mehr Geld für innovative Geschäftsmodelle.
11.900 Hitzetote allein in Deutschland, brennende Wälder, Ernteausfälle – und aus Berlin noch kaum ein Wort. Europäische Gesundheitsakteure fordern einen Ambitionssprung. Wer über zu hohe Gesundheitsausgaben klagt und Klimaanpassung vertagt, rechnet falsch, argumentiert Christian Schulz von der Deutschen Allianz Klimawandel und Gesundheit (KLUG). Gemeinsam mit dem European Hub of the Planetary Health Alliance hat KLUG die European Declaration on Heat and Health erarbeitet.
Europa hat bei kritischen Rohstoffen viel richtig erkannt. Mit dem Critical Raw Materials Act und dem RESourceEU-Aktionsplan hat die EU wichtige Grundlagen geschaffen. Doch in globalen Rohstoffmärkten gewinnt nicht, wer die beste Strategie formuliert. Es gewinnt, wer daraus Investitionsentscheidungen und Produktionskapazitäten macht, schreibt Mirco Wojnarowicz vom Rohstoffunternehmen Rock Tech Lithium.
Den Erfolg des geplanten Anreizes der AgNes-Reform, Unternehmen mit Kapazitätspreisen zu einem flexibleren Stromverbrauch zu bewegen, bezweifelt Sebastian Bolay. Der Bereichsleiter Energie, Umwelt, Industrie bei der DIHK warnt vor Einnahmeausfällen für Netzbetreiber, zusätzlicher Bürokratie und Risiken für die Systemstabilität. Statt das bewährte System aus Leistungs- und Arbeitspreis grundlegend umzustellen, plädiert er für den Ausbau der atypischen Netznutzung.
Die Gesetzgebung steht vor der schwierigen Aufgabe, die Rechtsgrundlagen für einen Wasserstoffmarkt zu gestalten, den es bisher kaum gibt. Michael Kalis vom IKEM empfiehlt deshalb, die Regulierung von vornherein so anzulegen, dass sie sich mit dem Markt mitentwickeln kann.
Ob Beratungsunternehmen, Marktforscher oder so mancher Politiker – viele haben ihre Hoffnungen in Second-Life-Batterien gesetzt. Von dieser Idee war auch das Unternehmen Voltfang anfangs überzeugt. Heute ist sich der Gründer und CEO David Oudsandji aber sicher: Das Modell ist gescheitert. Schlimm sei das aber nicht.
Die oft harsche Kritik an Wirtschaftsministerin Katherina Reiche hält Friedbert Pflüger für überzogen. Der frühere CDU-Abgeordnete und parlamentarische Staatssekretär wertet die gestrigen Kabinettsbeschlüsse zum EEG und zum Netzpaket als Beleg dafür, dass die Ministerin liefert.
Seitdem im Februar erstmals die Pläne zum Netzpaket inklusive Redispatch-Vorbehalt bekannt wurden, dringen Experten und Branche auf Anpassungen. Der offizielle Referentenentwurf ist für Ursula Heinen-Esser mehr als enttäuschend. Statt zu einem robusten Ausbau eines erneuerbaren Energiesystems und notwendigen Flexibilisierungen zu führen, bergen die vorgesehenen Regelungen die Gefahr, die Energiewende zu verlangsamen oder gar vollständig auszubremsen, schreibt die BEE-Präsidentin.
Recycling ist für Georgios Chryssos nicht nur eine Frage der Ressourceneffizienz, sondern auch der Versorgungssicherheit. Der Vorstand der Stiftung Gemeinsames Rücknahmesystem Batterien drängt dazu, die „urbane Mine“ Abfall zu erschließen. Zwar reift in der Politik langsam das Bewusstsein für die Kreislaufwirtschaft. Aber sie muss der Branche Mitsprache gewähren.
Mit dem Reifegradverfahren ist die Frage, wie Netzanschlüsse priorisiert werden können, nur zum Teil beantwortet. Nicht beantwortet ist die Frage, wer zuerst ans Netz darf, schreibt Christoph Müller, CEO des Übertragungsnetzbetreibers Amprion. Hier sieht er die Politik in der Pflicht.
Der Rollout intelligenter Messsysteme nimmt Fahrt auf. Zugleich wird über ein „Smart Meter Light“ diskutiert, mit dem die Verbreitung moderner Stromzähler noch beschleunigt werden könnte. Claudia Lorenz vom ZVEI hält das für einen Irrweg und plädiert dafür, den eingeschlagenen, cybersicheren Weg weiterzugehen.
Im Umgang mit Rechtsaußenparteien verfolgt Europas Klimabewegung unterschiedliche Ansätze. Nils Meyer-Ohlendorf vom Ecologic Institute und Erik Tang von Green Transition Denmark diskutieren in ihrem Standpunkt diese Ansätze und stellen Schlussfolgerungen zur Diskussion.
Das Rennen um die Technologie- und Preisführerschaft bei Batterien hat China gewonnen. Deutschland und Europa haben jedoch bei den Großbatterien eine strategische Chance. Wenn wir Energiesouveränität erreichen wollen, müssen wir auf stabile und vertikal integrierte Hardware-Wertschöpfungsketten setzen, meint Constantin Eis, CEO des Speicher-Start-up CMBLU Energy AG.
Deutschland erlebt den heißesten Sommer seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Während das Robert-Koch-Institut bereits mehr als 5000 Hitzetote zählt und Ökonomen vor künftig zu erwartenden Schäden in Milliardenhöhe warnen, bremst die Bundesregierung die Energiewende aus, statt sie zu beschleunigen, schreibt Marie-Luise Wolff, Vorstandsvorsitzende der Wirtschaftsvereinigung der Grünen.
Vor zwei Wochen erlebte Europa erneut eine Phase extremer Hitze, mit einem neuen historischen Höchstwert von 41,5 Grad in Deutschland. Die nächste Hitzewelle rollt bereits über das Land hinweg. Dennoch versucht Kanzler Merz, das Thema zu ignorieren, schreibt Barbara Metz von der DUH. Merz' Begründung: Er könne das Wetter nicht ändern. Doch das geht am Thema vorbei. Hitzewellen sind kein Zufall und kein Ausrutscher, sondern eine direkte Ursache des Klimawandels.
Am 14. Juli jährt sich die verheerende Hochwasserkatastrophe im Ahrtal zum fünften Mal. Die Ereignisse haben nicht nur zahlreiche Menschenleben gefordert und enorme materielle Schäden verursacht, sondern auch eine strukturelle Schwäche im Umgang mit Klimarisiken offengelegt. Fünf Jahre später darf der Blick nicht allein auf den Stand des Wiederaufbaus oder auf Maßnahmen gerichtet sein, die erst nach einer Katastrophe greifen, fordern Constanze Schmidt und Anja Bierwirth vom Wuppertal Institut.
Bei der anstehenden ETS-Reform wird auch die Nutzung von Carbon Credits eine wichtige Rolle spielen. In der Debatte geht es unter anderem darum, wie der Handelsmechanismus des Artikels 6 des Pariser Klimaabkommens angewendet werden soll. Welche Chancen dieses Finanzierungsinstrument auch für europäische Technologieanbieter darstellt, wird bisher jedoch wenig beleuchtet, schreibt Matthias Zelinger, Leiter des Competence Center Klima & Energie beim VDMA.
Von IZG, UmwRG, UmoG und weiteren Gesetzesnovellen erwartet Christian Moser eine Vereinfachung von Genehmigungsverfahren für Infrastrukturprojekte. Der umweltpolitische Sprecher der Unionsfraktion verteidigt die Vorhaben der Regierungskoalition gegen die Kritik, sie hälfen nur der Wirtschaft, aber nicht der Umwelt.
Die Transformation der Chemie- und Pharmaindustrie lässt sich nicht herbeiregulieren, sagt Matthias Belitz vom Verband der Chemischen Industrie. Auch der Emissionshandel wirke nur, wenn Energieangebot, Infrastruktur, Rohstoffe und Märkte für CO₂-arme Produkte mitwachsen. Ohne reale Transformationsmöglichkeiten werde aus CO2-Bepreisung kein Investitionssignal, sondern ein Wettbewerbsnachteil.
Deutschland will beim Strom neue Reservekapazitäten von elf Gigawatt ausschreiben. Gleichzeitig gibt es auf Industrie- und Gewerbeseite Flexibilitätspotenziale von fünf bis sieben Gigawatt. Trotzdem werden regelbare Lasten nur nachgelagert berücksichtigt, kritisiert Nicolás Juhl vom Energiemanagement-Dienstleister encentive. Das birgt die Gefahr, dass Versorgungssicherheit teurer organisiert, wird als nötig.
Die EU-Kommission plant, den Emissionshandel abzuschwächen und ein massives Überangebot an Zertifikaten einzuläuten. Neben fatalen Klimawirkungen könnte das den Business Case von Unternehmen gefährden, die in klimaneutrale Technologien investiert haben, warnt Michael Bloss, industrie- und klimapolitischer Sprecher der Grünen im EU-Parlament.
Spätestens heute, am 6. Juli, hätte das Natürliche-Infrastruktur-Gesetz im Kabinett sein sollen. Ist es aber nicht. Schlimmer noch: Es ist zu hören, dass ausgerechnet der Beschleunigungskern des Gesetzes verwässert werden soll. Dabei zeigen die Hitzetage gerade, warum Deutschland seine natürliche Infrastruktur nicht nur besser, sondern auch schneller sanieren muss, schreibt
Die Kritik am Entwurf des Gebäudemodernisierungsgesetzes ist groß – und das aus gutem Grund. Denn viele der tatsächlichen Herausforderungen, die im Gebäudesektor gelöst werden müssen, werden durch das Gesetz nicht adressiert, kritisiert Stefan Bolln, Vorsitzender des Energieberaterverbands GIH.
Die Klimakrise ist da – doch statt auf sozial gerechten Klimaschutz zu setzen, subventioniert die Bundesregierung mit Tankrabatt und günstigeren Flügen weiter fossile Mobilität, kritisieren die Grünen-Abgeordneten Lisa Badum und Lisa Paus. Ein Klimageld wäre aus ihrer Sicht die bessere, gerechtere und wirksamere Antwort.
Mit dem Vergabebeschleunigungsgesetz, das heute in Kraft tritt, will die Bundesregierung die öffentliche Beschaffung einfacher und schneller machen. Das Potenzial für Klima- und Umweltschutz lässt sie jedoch ungenutzt, kritisiert Rechtsanwalt Frederic Delcuvé von BBH.
Nach aktueller Lage könnten Betreiber von Erneuerbaren-Anlagen künftig sowohl vom Redispatch-Vorbehalt als auch von Baukostenzuschüssen betroffen sein. Eine Alternative böten dabei Netzanschlussgebühren, die Ausbau- und Redispatch-Kosten berücksichtigen, schreibt Oliver Ruhnau, Juniorprofessor an der Universität zu Köln. Auch für Investoren bestünden dabei Vorteile.
Volatile Gaspreise sind kein vorübergehendes Phänomen – sie sind das neue Normal. Wer heute in eine neue Gasheizung investiert, schreibt sich langfristige Unsicherheit ins Lastenheft. Es gibt einen besseren Weg, schreibt Dror Peled, vom Heiz- und Klimagerätersteller Mitsubishi Electric Europe.
Die kaskadische Nutzung von Biomasse ist nicht mehr Teil des vom Kabinett beschlossenen Entwurfs des Gebäudemodernisierungsgesetzes. Damit wird eine wichtige Auseinandersetzung darüber, welche Nutzung von Holz den größten Klima- und Wertschöpfungsnutzen stiftet, gar nicht erst geführt, schreibt Wolfgang Beck, Vorstandsmitglied im Verband Die Papierindustrie.
Die Chemieindustrie als einer der größten Emittenten in Deutschland steckt in der Krise. Doch nun auf Abstriche beim Emissionshandel zu setzen, ist der falsche Weg, schreibt Lisa-Maria Okken, Klimaexpertin beim WWF Deutschland. Für eine zukunftsfeste und moderne Industrie brauche es einen starken ETS als zentrale Säule der europäischen Klimaarchitektur.