Mit einem neuen Rahmen für Klimaresilienz will die Europäische Kommission Europa besser gegen Klimarisiken wappnen. Doch ausgerechnet die Zukunft der EU‑Klimaanpassungsmission, die dafür bereits wichtige Strukturen geschaffen hat, ist ungewiss, schreiben Dr. Oliver Ziegler vom Institut für Innovation und Technik und Niklas Mischkowski vom ICLEI European Secretariat.
Redispatchvorbehalt, systemdienliche Anschlussleistung, flexible Netzanschlüsse: In Berlin wird um die richtigen Werkzeuge für die bessere Verzahnung von Netz- und Erneuerbarenzubau gerungen. Ein Vertrag aus Schleswig-Holstein zeigt, dass niedrigere Systemkosten und weiterer Ausbau zusammenpassen, schreibt der Geschäftsführer der BioEnergie Gettorf, Martin Laß.
Der Ausbau der Erneuerbaren kostet die Stromkunden jedes Jahr Milliarden, weil Anlagen oft dort entstehen, wo das Netz bereits ausgelastet ist. Der Redispatch-Vorbehalt lenkt die Erzeugung dorthin, wo Kapazitäten frei sind, und schafft so mehr Ökostrom und mehr Akzeptanz für die Energiewende, schreibt der Vorstandsvorsitzende des zum Eon-Konzern gehörenden Verteilnetzbetreibers Edis , Patrick Wittenberg.
Die Bundesregierung will im Haushalt 2027 Klimainvestitionen kürzen und Mittel aus dem Klima- und Transformationsfonds umschichten. Henning Wilts und Manfred Fischedick vom Wuppertal Institut halten dagegen: Klimaschutz muss als Lösung mit mehrfachem Nutzen verstanden werden, für Wettbewerbsfähigkeit, Resilienz und Gesundheit.
Mit dem Aktionsprogramm zur Umsetzung der Nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie von 2024 (NKWS) verfolgt die Bundesregierung das Ziel, die Kreislaufwirtschaft im Zuge globaler Wettbewerbsverschärfung und wachsender Versorgungsrisiken als industriepolitischen Standortfaktor aufzuwerten. Bei der Wiederverwertung von Solarmodulen sieht Jan Clyncke vom Branchennetzwerk PV Cycle in Deutschland aber eine Fehlsteuerung.
Bundestag, Bundesnetzagentur, Länder und Netzbetreiber ändern gleichzeitig die Regeln für Photovoltaik und Speicher, jeder nach eigenem Zeitplan, kritisiert Melchior Melchior Schulze Brock von Enviria. Für Unternehmen heißt das: Ob sich ein Projekt rechnet, wissen sie oft erst, wenn sie schon investiert haben.
Für den Aus- und Umbau der Energieinfrastruktur sind dreistellige Milliardenbeiträge notwendig. Damit die Unternehmen investieren, braucht es einen verlässlichen Rechts- und Regulierungsrahmen sowie eine wettbewerbsfähige Rendite, die zum Risikoprofil der Anlage passt, schreibt BDEW-Chefin Kerstin Andreae.
EE-Erzeugung und Netzausbau sollen volkswirtschaftlich effizient miteinander verzahnt werden. Genau deshalb verdient die systemdienliche Anschlussleistung (SAL) besondere Aufmerksamkeit. Die SAL sollte überall dort gelten, wo neue Erzeugungskapazitäten entstehen, schreiben Martin Altrock und Klaus Schulze Langenhorst in ihrem gemeinsamen Standpunkt. Für manche Projekte kommt die neue SAL-Regelung aber zu früh.
Bundestag, Bundesnetzagentur, Länder und Netzbetreiber ändern gleichzeitig die Regeln für Photovoltaik und Speicher, jeder nach eigenem Zeitplan. Für Unternehmen heißt das: Ob sich ein Projekt rechnet, wissen sie oft erst, wenn sie schon investiert haben. Das bremst den nötigen Ausbau, meint Melchior Schulze Brock von ENVIRIA.
Die Endlagersuche wird konkreter, doch vor der entscheidenden Eingrenzung der Standortregionen droht eine Transparenzlücke. Gleichzeitig soll durch eine Änderung des zugrundeliegenden Standortauswahlgesetzes das Verfahren vermeintlich beschleunigt werden. Jan Warode vom BUND fordert in seinem Standpunkt: Sorgfalt und Transparenz dürfen nicht auf der Strecke bleiben.
Deutschland hat die höchsten Strompreise der G20 und stützt Strom- und Gaspreise mit knapp 27 Milliarden Euro im Jahr. Für die versprochene Stromsteuersenkung fehlt trotzdem das Geld. Dabei liegen rund sechs Milliarden Euro Entlastung im Markt selbst: Nämlich bei den Preisen, die bisher nur für Neukunden gelten. Zwei Änderungen im EnWG würden sie allen Haushalten zugänglich machen, meint Bastian Gierull von Octopus Energy.
Berlin diskutiert die Vergesellschaftung großer Wohnungsbestände. Doch wer investiert langfristig in Gebäude, wenn deren Eigentumsverhältnisse womöglich über Jahre ungeklärt bleiben? Die politische Hängepartie droht zum Sanierungsstau zu werden – mit Folgen für Mieter, Handwerk und Klimaziele, argumentieren die Unternehmer Lukas Steinhilber und Maximilian Seifert.
Vor zwei Jahren genehmigte die Bundesnetzagentur das Wasserstoff-Kernnetz. Der Hype um den Energieträger ist seitdem abgeflaut. Das Konzept der vorausschauenden Infrastrukturplanung aber weiterhin richtig und aktueller denn je, schreiben Barbara Fischer, Geschäftsführerin FNB Gas und Dr. Matthias Jenn, Vorstandsvorsitzender FNB Gas.
Dass die EU-Kommission die kostenlose Zuteilung von Emissionszertifikaten an Investitionen in die Transformation knüpfen will, ist im Grundsatz richtig, schreibt Felix Matthes vom Öko-Institut. Doch die bisherigen Pläne sind unausgereift: zu pauschal, zu starr und ohne Antwort auf fehlende Infrastruktur. Matthes macht sechs Vorschläge, wie die Konditionalisierung verbessert werden kann.
Das Eckpunktepapier des BMWE zur Grüngasquote sei gar nicht so schlecht, findet Bengt Bergt. Es schaffe die Grundlage für Investitionen und schließe eine wichtige Lücke der Wärmewende, ohne andere Technologien zu verdrängen, argumentiert der ehemalige SPD-Abgeordnete.
Das Netzpaket der Bundesregierung werfe die richtigen Fragen auf, doch die Antworten blieben zu zaghaft. Das schreibt Mark Becker-von Bredow, Energiebereichsleiter beim ZVEI, in seinem Standpunkt. Über den Redispatchvorbehalt hinaus gebe es weitere Stellschrauben, um Netzengpässe zu lösen. Eine davon seien bundesweit einheitliche Anschlussverfahren.
Die EU-Staaten streiten über die Zukunft des Emissionshandels. Deutschland und Frankreich haben das politische Gewicht, zwischen den Lagern zu vermitteln. Ob der Kompromiss gelingt, könnte entscheidend für die Zukunft des CO2-Marktes sein. Kirsten Scholl von EPICO und Phuc-Vinh Nguyen vom Jacques Delors Institut argumentieren, wie sich Klimaschutz und Wettbewerbsfähigkeit verbinden lassen.
Deutschland braucht Wachstum durch Investition, Innovation und Elektrifizierung, die deutschen Haushalte brauchen Entlastung. Die Senkung der Stromsteuer auf das europäische Mindestmaß wäre dafür ein schneller, breiter und unbürokratischer Hebel und zugleich die Einlösung eines politischen Versprechens, argumentiert der CDU-Abgeordnete Lars Rohwer im Standpunkt.
Bundeskanzler Friedrich Merz hat in Kyjiw weitere 350 Millionen Euro für die ukrainische Energieversorgung angekündigt. Das ist dringend notwendig, befinden Rouven Stubbe und Georg Zachmann vom Helmholtz-Zentrum Berlin. Doch Deutschland sollte seine Energiehilfe aus Sicht der Fachleute nicht von Winter zu Winter neu organisieren. Was fehle, sei ein zusätzlicher, mehrjähriger Finanzierungsrahmen, der akute Wiederherstellung und den Aufbau eines resilienteren Energiesystems miteinander verbinde.
Auf Druck der Bundesregierung musste Niedersachsen ein Kernbrennstoff-Joint-Venture der Konzerne Rosatom und Framatome in Lingen genehmigen. Hans-Josef Fell, Gründer der Energy Watch Group, wirft Kanzler Merz eine eklatante Missachtung deutscher und ukrainischer Sicherheitsinteressen und eine falsche Energiepolitik vor.
Deutschland braucht mehr Investitionen in die energetische Ertüchtigung des Gebäudebestands. Dafür bleibt die Förderung der wichtigste Hebel. Doch wenn der finanzielle Spielraum für höhere Fördersätze begrenzt ist, muss die Politik weitere flankierende Maßnahmen ergreifen, damit mehr Investitionen entstehen, schreibt Deneff-Geschäftsführer Henning Ellermann.
Fossiles Gas hält Strom teuer, bremst die industrielle Transformation und verstärkt Abhängigkeiten. Nur ein geordneter Gasausstieg und eine konsequente Elektrifizierung können den Standort Deutschland wieder wettbewerbsfähig machen, schreibt Jürgen Trittin, Bundesumweltminister a. D.
Deutschland läuft Gefahr, wegen mangelnder Flexibilität seines Stromnetzes, globale Trends zu verpassen, warnt Robert Busch vom Energieverband BNE. Als Grundübel betrachtet er eine ungleiche Risikoverteilung zugunsten der Netzbetreiber, verschärft durch kontraproduktive Impulse der Bundesregierung in EEG und Netzanschlusspaket.
Der Gebäudesektor ist das Sorgenkind der deutschen Klimapolitik. Nun gibt es insgesamt weniger Förderung für die Sanierung von Bestandsgebäuden. Tobias Frese, Co-CEO beim Sanierungsberatungsunternehmen Fuchs & Eule, rät Eigentümern dazu, Sanierungen weniger anhand von Förderverfügbarkeiten auszurichten.
Grüngasquote und Biotreppe werden die Nachfrage nach Biomethan in Deutschland vermutlich deutlich steigern. Doch ohne neue Produktionsanlagen drohen Engpässe und höhere Preise, meint Marcus Franken von der Elevion Group. Italien zeigt, wie ein verlässlicher Rahmen für Förderung, Netzzugang und Investitionen den Ausbau beschleunigen kann.
Deutschland braucht mehr Solarstrom. Deutschland braucht eine resilientere Landwirtschaft. Agri-PV darf daher nicht mehr wie ein Nischenthema behandelt werden, fordert Mark Kugel, Co-Founder des Agri-PV-Spezialisten Sonntag Energy.
Tausende Kilometer CO2-Leitungen sollen durch Deutschland entstehen. Die Sicherheit ist dabei nicht gewährleistet, warnen Nachhaltigkeitsforscher Felix Ekardt und Geschäftsführerin Simone von Kampen vom BUND NRW.
Magere Gasspeicherfüllstände, fehlende Befüllanreize und ein fragiler LNG-Weltmarkt: Deutschland könnte bei einem harten Winter gleich in die nächste Gaskrise rutschen. Ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt sägt die Bundesregierung laut Thomas Karle, Präsident im Fachverband Biogas, an gleich mehreren Standbeinen der resilienten und nachhaltigen Biogasbranche.
Die Bundesregierung hat die Reform der Offshore-Wind-Ausschreibungen auf den Weg gebracht. Stefan Thimm, Geschäftsführer des Bundesverband Windenergie Offshore, sieht im parlamentarischen Verfahren noch vier zentrale Aufgaben: eine Indexierung der CfDs, ein CfD-only-Modell, eine Begrenzung der Zuschläge pro Bieter sowie eine Rückgabeoption für gefährdete Projekte aus den Ausschreibungsjahren 2023 bis 2025.
Künstliche Intelligenz treibt den deutschen Rechenzentrumsmarkt an, die Bundesregierung hat große Ausbauziele gesetzt. Doch an etablierten Standorten wird der Strom knapp, und wer keinen Netzanschluss bekommt, investiert an anderen Standorten, warnt Volker Ludwig vom Rechenzentrenbetreiber Digital Realty.
Die Netzkrise offenbart sich nicht nur in fehlenden Kapazitäten, sondern vor allem in veralteten Prozessen, findet Matthias Krülls, Leiter Energiepolitik beim Handelsverband HDE. 860 Verteilnetzbetreiber und bürokratischer Wildwuchs würden Investitionen bremsen und Wohlstand kosten. Das Netzpaket muss seiner Meinung nach Verteilnetzbetreiber endlich zu einheitlichen digitalen Standards, klaren Fristen und echter Kundenzentrierung verpflichten – notfalls mit Pönalen.
Im AgNes-Verfahren hat die Bundesnetzagentur einen wichtigen Schritt auf die Branche zu gemacht: Der Vertrauensschutz für Speicherprojekte soll erhalten bleiben. Jetzt muss die dafür vorgesehene FID-Regelung nur noch zur Realität der Projektentwicklung passen, schreibt Urban Windelen, Geschäftsführer des Branchenverbandes BVES.
Prozesswärme verursacht rund zwei Drittel der CO2-Emissionen der Industrie – und bleibt dennoch der blinde Fleck der Wärmewende. Nun startet die Bundesregierung einen Stakeholder-Dialog, der über die Zukunft des Industriestandorts mitentscheidet. Aus Sicht von Erik Pfeifer, Referatsleiter bei der Deutschen Industrie- und Handelskammer, müssen dabei vor allem drei Herausforderungen in den Blick genommen werden.
Dass die gemeinschaftliche Gebäudeversorgung vom geplanten Prosumeraufschlag härter getroffen wird als Mieterstrom, ist bekannt. Weniger diskutiert wird, warum das so ist und dass eine einzige Korrektur im Festlegungsentwurf genügen würde. Bis zum 18. September ist dafür Zeit.
Soll der Bundestag Offshore-Windprojekte retten, weil sich deren Entwickler verzockt haben oder bewusst blockieren? Nach Abwägen der Pros und Cons plädiert Karina Würtz von der Stiftung Offshore-Windenergie für eine staatliche Schadensbegrenzung, um die Lieferkette und die Klimaambitionen zu erhalten. Sie verweist auf ein neues Rechtsgutachten, das die Grundlage für die Debatte verändere.
Die Debatte über den CO2-Transport sollte aus Sicht der Carbon Management Allianz nicht auf Pipelines verengt werden. Die Vorstandsvorsitzende Alexandra Decker wirbt für einen multimodalen Ansatz mit Leitungen, Zügen und Schiffen. Für deren langfristige Koexistenz brauche es koordinierte Planung, verbindliche Zeitpläne sowie Förder- und Absicherungsinstrumente.
Die geplante Umschichtung von 2,7 Milliarden Euro aus dem Klimafonds in den Bundeshaushalt untergräbt das Vertrauen der Industrie in den Emissionshandel, sagt Sabine Nallinger, Vorständin der Stiftung KlimaWirtschaft. Sie fordert den Bundestag auf, das Vorhaben zu stoppen.
Das kanadische Flüssigerdgas-Projekt Ksi Lisims LNG soll helfen, Deutschlands Erdgasbezug zu diversifizieren. Gwii Lok’im Gibuu von der Skeena Watershed Conservation Coalition bezweifelt, dass das US-amerikanisch finanzierte Vorhaben wirklich Deutschlands Energiesicherheit stärken kann.
Graham Weale bezweifelt, dass das EU-Ziel der Klimaneutralität bis zum Jahr 2050 erreichbar ist. China, argumentiert der Energieökonom an der Uni Bochum, setzt hierfür inzwischen die Maßstäbe, nicht Europa. Er plädiert für eine zeitliche und industriepolitische Neujustierung.
Viereinhalb Jahre nach der „Zeitenwende" fehlt der deutschen Energiepolitik weiterhin eine umfassende Energieresilienzstrategie, kritisiert Jakob Schlandt von HIC Consulting. Es gebe weder breite Szenarien noch ein klar definiertes und finanziertes Schutzniveau, das auch Störungen jenseits der direkten Gefahrenabwehr umfasst.
Deutschland ist längst zur Zielscheibe Russlands geworden, greift aber gleichzeitig nicht hart genug gegen die russische Schattenflotte durch. So hilft das Land dabei, die Kriegskasse zu füllen, obwohl es selbst Ziel hybrider Angriffe ist. Svitlana Romanko, Gründerin und Geschäftsführerin von „Razom We Stand“, fordert deshalb eine echte Zeitenwende, die in der Ost- und Nordsee beginnt.
Tausende Gemeinden haben ihre kommunale Wärmeplanung gerade beendet. Welche Technologie-Optionen darin in 20 Jahren noch wirtschaftlich sinnvoll sind, weiß kaum jemand. Ronald Scholz erklärt, warum viele KWPs kaum umsetzbar sind und was der Gesetzgeber bis Jahresende ändern sollte.
Die Bundesregierung will den Einbau des Smart Meter Light ermöglichen. Aus Sicht von Oliver van der Mond könnte ein solches vereinfachtes Messsystem den Rollout zwar beschleunigen. Dennoch betont der CEO und Mitgründer von Lemonbeat: Die Digitalisierung von Ortsnetzstationen ist mindestens genauso wichtig. Deshalb plädiert er dafür, beide Digitalisierungsebenen parallel voranzutreiben, Ortsnetzstationen aber Priorität einzuräumen.
Geothermie findet laut einer Umfrage Zustimmung bei allen Wählergruppen. Peter Schniering, Gründer und Geschäftsführer von Future Cleantech Architects und Maria Leis, Germany Lead bei Project Tempo sprechen sich deshalb für eine Geothermie-Wärmestrategie aus. Die Energiequelle sei zwar kein Allheilmittel, aber ein wichtiger Baustein für die Zukunft.
Klimaschutz durch eine Gasquote? Was skurril klingt, ist es auch, findet Sebastian Breer vom WWF Deutschland. Bis Dezember will die Bundesregierung die „Grüngasquote“ einführen – so wurde es jüngst im Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) beschlossen. Doch viele Fragen, auf die das Gesetz Antworten finden muss, sind noch offen.
Nicht nur Südeuropa brennt: 2025 wurden in Deutschland laut BMLEH rund 2626 Hektar Wald, mehr als das Dreifache des langjährigen Mittels, durch Feuer zerstört. Die Widerstandsfähigkeit von Wäldern gegenüber anhaltenden Dürreperioden gilt daher als zentrale Herausforderung. Abhilfe können digitale Zwillinge schaffen, die Risiken früher erkennen.
Der Entwurf zum Natur-Infrastruktur-Gesetz droht, die Gewinnung von Rohstoffen in weiten Teilen Deutschlands zu erschweren und zu verteuern, schreibt Matthias Frederichs, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Baustoffe – Steine und Erden. Er fordert eine grundlegende Überarbeitung des Entwurfs.
Damit aus Rechenzentren tatsächlich verlässliche Wärmequellen für unsere Städte werden, müssen Kommunen und Rechenzentrumsbetreiber ihre Beziehung neu denken, fordert Peter von Dietze. Der Chef von Equinix Deutschland empfiehlt eine frühzeitige Verzahnung von Wärmeplanung, Netzinfrastruktur und Rechenzentrumsentwicklung statt starrer Vorgaben.
Rund eineinhalb Jahre ohne Auktionen und Projekte im Umfang mehrerer Gigawatt mit unklaren Realisierungsaussichten: Die Offshore-Windenergie in Deutschland steckt in einer Flaute. Mit der lang erwarteten Novelle des Windenergie-auf-See-Gesetzes will die Bundesregierung nun neue Impulse setzen. Trotz guter Ansätze fehlt dem Entwurf an einigen Punkten jedoch die Konsequenz, schreibt Felipe Montero, CEO von Iberdrola Deutschland.
Extreme Wetterereignisse wie Hitze, Dürre, Waldbrände und Fluten sind längst keine abstrakte Zukunftsgefahr mehr, sondern spürbare Realität des menschengemachten Klimawandels. Deutschland muss deshalb seine Anstrengungen zur Emissionsminderung konsequent verstärken, in Erneuerbare, Netze und Speicher investieren und zugleich international als Vorreiter vorangehen, schreibt Elisabeth Winkelmeier-Becker (MdB, CDU).
Das Netzpaket entscheidet darüber, wie die Erneuerbaren kosteneffizient ins Netz kommen. Doch ein zentrales Instrument könnte ohne belastbare Datengrundlage beschlossen werden. Das ist ein vermeidbares Risiko, schreibt Kerstin Andreae, Vorsitzende der Hauptgeschäftsführung des BDEW.
Daten des Sozialen Nachhaltigkeitsbarometers zeigen keinen gesellschaftlichen Rückzug vom Klimaschutz. Die Bevölkerung unterstützt ambitionierten Klimaschutz, achtet aber stärker auf wirtschaftliche Folgen und faire Ausgestaltung. Politische Debatten adressieren diese Sorgen nicht konstruktiv, sondern wenden sich gegen die Transformation, warnt Umweltpsychologe Jean-Henri Huttarsch.
Die Klimaziele sind verbindlich. Entscheidend dafür sei aber, dass Europa Stromnetze baut, den Wasserstoff-Hochlauf ermöglicht und seine Industrie nicht vertreibt, meint die Europaabgeordnete Andrea Wechsler.
Vorsichtig optimistische Wachstumsprognosen stimmen nicht, warnt Lukas Bertram, Ökonom und Programmleiter am ZOE Institut für zukunftsfähige Ökonomien. Das Reformpaket der Regierung löst die strukturellen Probleme nicht. Außerdem braucht es mehr Geld für innovative Geschäftsmodelle.
11.900 Hitzetote allein in Deutschland, brennende Wälder, Ernteausfälle – und aus Berlin noch kaum ein Wort. Europäische Gesundheitsakteure fordern einen Ambitionssprung. Wer über zu hohe Gesundheitsausgaben klagt und Klimaanpassung vertagt, rechnet falsch, argumentiert Christian Schulz von der Deutschen Allianz Klimawandel und Gesundheit (KLUG). Gemeinsam mit dem European Hub of the Planetary Health Alliance hat KLUG die European Declaration on Heat and Health erarbeitet.
Europa hat bei kritischen Rohstoffen viel richtig erkannt. Mit dem Critical Raw Materials Act und dem RESourceEU-Aktionsplan hat die EU wichtige Grundlagen geschaffen. Doch in globalen Rohstoffmärkten gewinnt nicht, wer die beste Strategie formuliert. Es gewinnt, wer daraus Investitionsentscheidungen und Produktionskapazitäten macht, schreibt Mirco Wojnarowicz vom Rohstoffunternehmen Rock Tech Lithium.
Den Erfolg des geplanten Anreizes der AgNes-Reform, Unternehmen mit Kapazitätspreisen zu einem flexibleren Stromverbrauch zu bewegen, bezweifelt Sebastian Bolay. Der Bereichsleiter Energie, Umwelt, Industrie bei der DIHK warnt vor Einnahmeausfällen für Netzbetreiber, zusätzlicher Bürokratie und Risiken für die Systemstabilität. Statt das bewährte System aus Leistungs- und Arbeitspreis grundlegend umzustellen, plädiert er für den Ausbau der atypischen Netznutzung.
Die Gesetzgebung steht vor der schwierigen Aufgabe, die Rechtsgrundlagen für einen Wasserstoffmarkt zu gestalten, den es bisher kaum gibt. Michael Kalis vom IKEM empfiehlt deshalb, die Regulierung von vornherein so anzulegen, dass sie sich mit dem Markt mitentwickeln kann.
Ob Beratungsunternehmen, Marktforscher oder so mancher Politiker – viele haben ihre Hoffnungen in Second-Life-Batterien gesetzt. Von dieser Idee war auch das Unternehmen Voltfang anfangs überzeugt. Heute ist sich der Gründer und CEO David Oudsandji aber sicher: Das Modell ist gescheitert. Schlimm sei das aber nicht.
Die oft harsche Kritik an Wirtschaftsministerin Katherina Reiche hält Friedbert Pflüger für überzogen. Der frühere CDU-Abgeordnete und parlamentarische Staatssekretär wertet die gestrigen Kabinettsbeschlüsse zum EEG und zum Netzpaket als Beleg dafür, dass die Ministerin liefert.
Seitdem im Februar erstmals die Pläne zum Netzpaket inklusive Redispatch-Vorbehalt bekannt wurden, dringen Experten und Branche auf Anpassungen. Der offizielle Referentenentwurf ist für Ursula Heinen-Esser mehr als enttäuschend. Statt zu einem robusten Ausbau eines erneuerbaren Energiesystems und notwendigen Flexibilisierungen zu führen, bergen die vorgesehenen Regelungen die Gefahr, die Energiewende zu verlangsamen oder gar vollständig auszubremsen, schreibt die BEE-Präsidentin.
Recycling ist für Georgios Chryssos nicht nur eine Frage der Ressourceneffizienz, sondern auch der Versorgungssicherheit. Der Vorstand der Stiftung Gemeinsames Rücknahmesystem Batterien drängt dazu, die „urbane Mine“ Abfall zu erschließen. Zwar reift in der Politik langsam das Bewusstsein für die Kreislaufwirtschaft. Aber sie muss der Branche Mitsprache gewähren.
Mit dem Reifegradverfahren ist die Frage, wie Netzanschlüsse priorisiert werden können, nur zum Teil beantwortet. Nicht beantwortet ist die Frage, wer zuerst ans Netz darf, schreibt Christoph Müller, CEO des Übertragungsnetzbetreibers Amprion. Hier sieht er die Politik in der Pflicht.
Der Rollout intelligenter Messsysteme nimmt Fahrt auf. Zugleich wird über ein „Smart Meter Light“ diskutiert, mit dem die Verbreitung moderner Stromzähler noch beschleunigt werden könnte. Claudia Lorenz vom ZVEI hält das für einen Irrweg und plädiert dafür, den eingeschlagenen, cybersicheren Weg weiterzugehen.
Im Umgang mit Rechtsaußenparteien verfolgt Europas Klimabewegung unterschiedliche Ansätze. Nils Meyer-Ohlendorf vom Ecologic Institute und Erik Tang von Green Transition Denmark diskutieren in ihrem Standpunkt diese Ansätze und stellen Schlussfolgerungen zur Diskussion.
Das Rennen um die Technologie- und Preisführerschaft bei Batterien hat China gewonnen. Deutschland und Europa haben jedoch bei den Großbatterien eine strategische Chance. Wenn wir Energiesouveränität erreichen wollen, müssen wir auf stabile und vertikal integrierte Hardware-Wertschöpfungsketten setzen, meint Constantin Eis, CEO des Speicher-Start-up CMBLU Energy AG.