Wir wissen nicht, wem unsere Arztpraxen gehören. Doch genau diese Information ist entscheidend, um die medizinische Qualität und die wirtschaftliche Stabilität der ambulanten Versorgung zu sichern. Michael Peters, Leiter des Bereichs Finanzsystem und Realwirtschaft bei der Bürgerbewegung Finanzwende, argumentiert für Transparenzverpflichtungen.
Über 7,9 Millionen Menschen mit schweren Behinderungen und 4,3 Millionen Menschen in ambulanter Pflege sind auf funktionierende, schnell zugängliche Hilfsmittel angewiesen. Doch veraltete Strukturen, bürokratische Hürden und ein Mangel an Fachkräften erschweren den Zugang zu lebensnotwendigen Hilfsmitteln und machen den Alltag für viele Betroffene zu einem Hindernislauf, kritisiert Christiana Hennemann, Geschäftsführerin von rehaKIND, im Standpunkt.
Schwangerschaftsabbruch raus aus dem Strafgesetzbuch: Mit dieser Forderung startet heute „Abtreibung legalisieren – jetzt!“, eine Kampagne von feministischen Organisationen und Aktivist:innen. Zwölf Wochen lang wollen sie die Ampelparteien unter Druck setzen, damit die Regierung die Empfehlung der Expert:innenkommission aus dem Frühjahr umsetzt und Abtreibung legalisiert. Leonie Weber und Karlotta Biechele präzisieren im Standpunkt die Forderungen.
Das Gesundheitswesen braucht eine echte Zeitenwende, in der tradierte Rollenbilder aufgelöst werden. Das fordert Pfizer-Expertin Christina Claußen. Sie plädiert für ein System, das sich in erster Linie an den Bedürfnissen der Patient:innen orientiert, und für mehr Patientenpartizipation. Denn erst die ermögliche gleichberechtigte Verantwortung und stärke die Legitimation gesundheitspolitischer Entscheidungen.
Antibiotika-Resistenzen sind weltweit eine Riesengefahr für die Menschen. Jasmin Behrends, Expertin bei der Organisation Ärzte ohne Grenzen, macht sich deshalb für eine UN-Deklaration mit klaren Ansagen stark. Insbesondere Länder mit mittlerem und geringem Einkommen müssten im Kampf gegen resistente Erreger stärker unterstützt werden, fordert sie.
Um auf dem Medizintechnikmarkt überleben zu können, müssen deutsche MedTech-Unternehmen zügig ihre Geschäftsmodelle weiterentwickeln. Davon ist Michael Marquardt, Partner der Unternehmensberatung Prof. Roll & Pastuch, überzeugt. Helfen könnten dabei digitale Assistenzsysteme und alternative Bezahlmodelle.
Kurz vor den Wahlen in Sachsen und Thüringen machen die Apotheken in beiden Bundesländern heute mit Kundgebungen in Dresden und Erfurt auf ihre Forderungen aufmerksam und protestieren gegen die Reformpläne von Karl Lauterbach. Diese gefährdeten die ambulante Versorgung schwerkranker Patienten, warnt Dr. Christian Wegner, Geschäftsführer des Jenaer Gesundheits- und Pharmazieunternehmens Medipolis, in seinem Standpunkt.
GKV-Versicherte reagieren angesichts von Inflation und der allgemeinen wirtschaftlichen Situation zunehmend preissensibel. Der Beitragssatz allein sei aber nicht ausschlaggebend, schreiben Andreas Klar und Henrik Sehnert von Boston Consulting Group in ihrem Standpunkt. Für die meisten stehe bei ihrer Krankenkasse die Qualität des Angebots im Vordergrund, betonen sie.
Zwar können wir Zukunftsszenarien mithilfe von Daten heute besser antizipieren als je zuvor. Unser Einfluss darauf, welches Szenario in welchem Umfang tatsächlich eintritt, ist dabei nicht zu unterschätzen. Das schreibt Urs Vögeli, der neue Vorsitzende der Geschäftsführung der Janssen-Cilag GmbH, einem Unternehmen von Johnson & Johnson. Das gelte insbesondere für unsere künftige Gesundheitsversorgung.
Fehlende Transparenz über das Versorgungsgeschehen verhindert Fortschritt in der psychiatrischen Versorgung, meint Dr. Mechtild Schmedders. Sie leitet beim Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung das Referat Krankenhauspersonal und Qualitätssicherung. In Ihrem Standpunkt plädiert Schmedders dafür, die strukturierte Datenerhebung zu forcieren. Dies sei Voraussetzung für eine echte Reform der stationären psychiatrischen Versorgung.
Es existieren Gerüchte über vermeintliche Engpässe für medizinisches Cannabis. Dabei liegen weder von offizieller Seite Meldungen dazu vor, noch spiegelt die aktuelle Marktlage dies wider. Diese Gerüchte sind umso besorgniserregender, als dass inzwischen einige Patient:innen öffentlich als „unecht“ diskreditiert werden, die angeblich diese „Engpässe“ verursachen sollen. Es ist Zeit für einen Faktencheck.
Sie soll die Versorgung verbessern und Prozesse vereinfachen. Aber als Patient*in zu steuern, wer sensible Informationen in der neuen elektronischen Patient*innenakte (ePA) sehen kann, ist viel zu kompliziert, schreibt Manuel Hofmann von der Deutschen Aidshilfe. Dabei ist Diskriminierung im Gesundheitswesen eine Realität, mit der verschiedene vulnerable Patient*innengruppen schon jetzt alltäglich konfrontiert sind.
Gilt der Satz des französischen Philosophen Joseph de Maistre, wonach jedes Volk die Regierung hat, die es verdient, auch für die Gesetze? Die aktuelle Unzufriedenheit in unserem Land über die Arbeit der regierenden Ampelkoalition hat ihre Ursache auch in den Entstehungsgeschichten von Heizungsgesetz über Kindergrundsicherung bis zur Krankenhausreform und ihren fachlichen, organisatorischen und kommunikativen Unzulänglichkeiten.
Seit Jahrzehnten dreht sich die Finanzierungsdebatte im Gesundheitswesen in einer Endlosschleife zwischen Mittelherkunft und Mittelverwendung, ohne das Problem einer nachhaltigen Finanzierung grundsätzlich zu lösen. Eine nachhaltige Finanzierung gelingt nur, wenn wir den Mittelbedarf in den Fokus nehmen.
Am 17. Juli soll die Apothekenreform vom Kabinett beschlossen werden und unter anderem den Weg für die Telepharmazie ebnen. Das hält der DocMorris-CEO Walter Hess für einen wichtigen Impuls. Denn: Die Zahl der Apotheken nimmt ab, und die Kapazitätsgrenzen bei der Bewältigung der Patientenbedürfnisse sind erreicht.
Deutschland könnte für AstraZeneca bei klinischen Studien bald wieder die Spitzenposition in Europa einnehmen, meint Cristian Massacesi, der globale Leiter der Medizin und Entwicklung in der Onkologie des Unternehmens. Das forschende Pharmaunternehmen steigert die Investitionen in die klinische Forschung hierzulande erheblich. Warum, erklärt er im Standpunkt.
Trotz großer Fortschritte bei der Bekämpfung der AIDS-Pandemie stirbt weiterhin jede Minute ein Mensch an AIDS; in dieser Woche allein werden sich wieder 4000 junge Frauen und Mädchen neu mit HIV infizieren. Christine Stegling, stellvertretende UNAIDS-Exekutivdirektorin, und Peter Wiessner, Aktionsbündnis gegen AIDS, schreiben im Vorfeld der Welt-AIDS-Konferenz in München, was weltweit getan werden muss, um AIDS zu beenden.
Gesundheitsminister Karl Lauterbach will die nationale Notfallversorgung reformieren. Sein nun vorgelegter Referentenentwurf enthält gute Ansätze. Doch er beachtet viel zu wenig die Bedeutung einer strukturierten Patientensteuerung für ein modernes Notfallsystem.
Wenn schon Placebo, dann muss dies offen kommuniziert werden. In diesem Sinne interpretiert der HNO-Arzt Christian Lübbers die Forderung des Ärztetages, Homöopathie als Versicherungsleistung zu streichen. Keinesfalls könne es angehen, Patienten zu täuschen und den Eindruck einer etablierten und wirksamen medizinischen Versorgung hervorzurufen, wenn diese nicht gegeben sei. Genau dies geschehe aber über die Kostenerstattung von Homöopathie durch Krankenversicherer.
KI-basierte Gesundheitsanwendungen finden selten den Weg in die medizinische Regelversorgung, beklagt Wilhelm Stork, Direktor für eingebettete Systeme und Sensortechnik am FZI. Das liege unter anderem am schlechten Datenfluss. Deshalb fordert er ein neues Mindset und einen gestaltenden Datenschutz, der die Gesundheitsversorgung in Deutschland verbessere.
Mehr digitale Vernetzung und Datenaustausch in den öffentlichen Gesundheitssystemen über nationale Grenzen hinweg: Das fordern der IT-Experte Mesut Yavuz und der Facharzt für öffentliche Gesundheit, Nicolai Savaskan. Und sie drängen zur Eile. Durch den rasch fortschreitenden Klimawandel mit den damit einhergehenden Migrationsbewegungen nämlich ließen die nächsten Krankheitsausbrüche nicht auf sich warten.
Mit dem AMNOG-Verfahren und dem GKV-Finanzstabilisierungsgesetz sehen sich die forschenden Pharmaunternehmen mehreren Hemmschuhen ausgesetzt. Gleichzeitig lassen positive Anreize auf sich warten, schreibt Janssen-Deutschlandchef Andreas Gerber. Er wünscht sich ähnlichen Tatendrang wie bei der Vorbereitung der EM.
Die fortschreitende Digitalisierung verändert die Gesundheitsindustrie grundlegend. Dadurch eröffnen sich zahlreiche Chancen für neue, innovative Ansätze, die angesichts des demografischen Wandels und des Fachkräftemangels dringend benötigt werden. Generative Künstliche Intelligenz kann dabei eine bedeutende Rolle spielen, denn sie hat das Potenzial, den Gesundheitssektor effizienter, wirkungsvoller und nutzerfreundlicher zu gestalten – so auch die digitale Therapiebegleitung.
Felix Leininger lebt mit einer transplantierten Niere. Dennoch machen die niedrigen Registrierungszahlen im neuen Organspenderegister und die ebenso mageren Spendenzahlen ihm Sorge. Auf eine Länderinitiative zur Widerspruchslösung setzt er wenig Hoffnung, er plädiert für einen verpflichtenden Eintrag ins Organspenderegister.
Laut einer neuen Studie generieren Impfprogramme für Erwachsene einen bis zu 19-fachen Nutzen im Vergleich zu ihrer ursprünglichen Investition, wenn die gesamte Bandbreite der Effekte berücksichtigt wird. Der Druck auf die Gesundheitssysteme könnte durch eine auf Prävention ausgerichtete Politik verringert werden.
Gestern wurde das Gesundheitsversorgungsstärkungsgesetz vom Kabinett verabschiedet. Nach der Abstimmung in den Ressorts ist im vorgeschlagenen Gesetzestext von den strukturell zukunftsweisenden, koordinierenden und Rechtskreis-übergreifenden Ansätzen nichts außer Leerstellen geblieben.
Impfungen retten Leben – und helfen auch der Wirtschaft durch niedrigeren Krankenstand. Dennoch sind die Impfraten in anderen Ländern, etwa beim Grippeschutz, weit höher. Aus der Sicht der Chefin von Pfizer Deutschland, Sabine Gilliam, liegt das weniger an Impfskepsis als den oft zu hohen Hürden im Alltag. Sie fordert daher ein niedrigschwelligeres Impfangebot über Apotheken. Die dort bereits möglichen Impfungen gegen Influenza und Covid-19 sollten auf alle Totimpfstoffe ausgeweitet werden.
AbbVie baut gerade ein hochmodernes Forschungs- und Entwicklungsgebäude. Rund ein Drittel der über 1000 Wissenschaftler:innen am Standort sollen dort ab 2027 an neuen Therapien arbeiten. In seinem Standpunkt spricht sich Martin Gastens trotz dieses Erfolges für stabile Rahmenbedingungen. Denn die gebe es nach wie vor nicht.
Zurzeit gleicht die Hilfsmittelversorgung einer Blackbox, meint Alf Reuter, Präsident des Bundesinnungsverbandes für Orthopädie-Technik (BIV-OT). Durch Intransparenz und Bürokratie wird das Potenzial, Pflegebedürftigkeit zu vermeiden, nicht ausgeschöpft.
Mit der Einführung der „ePa für alle“ im Januar 2025 wird ein wesentlicher Schritt zur Beschleunigung der Digitalisierung im Gesundheitswesen unternommen. Gleichzeitig ist der Bereich noch immer stark auf physische Daten angewiesen. Entscheidend für die digitale Transformation ist aus Sicht von Iron Mountain, in dieser Phase ein reibungsloses Zusammenspiel der physischen und digitalen Gesundheitsdaten zu ermöglichen und so die Grundlage für die vollständige Digitalisierung zu legen.
Das Recht auf informationelle Selbstbestimmung und das auf Gesundheitsversorgung schließen sich keinesfalls aus, meint Johannes Danckert, Vorsitzender der Geschäftsführung bei Vivantes. Vielmehr gehe es darum, bereits vorhandene Möglichkeiten zur datenschutzkonformen Nutzung von Patientendaten auszuschöpfen. Denn davon gebe es zahlreiche.
Der Bundesgesundheitsminister möchte die Begutachtung der Pflegebedürftigen und ihre Einstufung für die Höhe der Versicherungsleistungen künftig in die Hände der Pflegedienste und Pflegeheime geben. Doch dieser Plan birgt viele Risiken und Nebenwirkungen. Er bedroht die Unabhängigkeit der Gutachten, er belastet die ohnehin oft unterbesetzten Pflegeeinrichtungen – und er schafft die Gefahr einer unwirtschaftlichen „Selbstbedienung“ zulasten Dritter, nämlich der Beitragszahler.
Um das Gesundheitssystem zu entlasten, sollte die eigenverantwortliche Selbstmedikation gefördert werden. Denn damit müssten Arztpraxen erheblich weniger Besuche von Patienten mit leichten Beschwerden bewältigen.
Das GKV-Finanzstabilisierungsgesetz hat den Spielraum für Verhandlungslösungen im AMNOG massiv eingeschränkt. Besonders betroffen: Medikamente zur Behandlung chronischer Erkrankungen. Die im Medizinforschungsgesetz vorgeschlagene Möglichkeit, vertrauliche Erstattungsbeträge zu vereinbaren, behebt diesen Schaden nicht und sollte nicht im Gesetz verankert werden. Stattdessen brauche es vorrangig Korrekturen am GKV-FinStG, meint Jesper Wenzel Larsen, Geschäftsführer von Novo Nordisk Deutschland.
Modernisierung und Digitalisierung des Gesundheitswesens: Das sind die zentralen Ziele des Digitalgesetzes. Mark Böhm, Noventi-Vorstand Markt & IT, erläutert, warum Deutschland mit der verpflichtenden Einführung des E-Rezepts die Weichen für die Zukunft der Vor-Ort-Apotheken und das digitalisierte Gesundheitswesen gestellt hat.
Die Gesundheit von Eltern und pflegenden Angehörigen hat besonders unter der Coronapandemie gelitten. Doch trotz ihrer gesamtgesellschaftlichen Relevanz werde Sorgearbeit nach wie vor als private Angelegenheit gesehen, kritisiert Yvonne Bovermann. Sie appelliert an die Politik, Maßnahmen zu ergreifen, um diese Gruppe besser zu schützen und versorgen.
Deutschland leistet sich nach internationalen Maßstäben Bettenkapazitäten, die überdimensioniert sind. Die Kosten für den Rückbau und gar die Schließung von Krankenhauskapazitäten will aber niemand tragen. Boris Augurzky, Leiter „Gesundheit“ am RWI und Mitglied der Krankenhausregierungskommission, sowie Wolfram F. Richter, Finanzprofessor und Mitglied im Wissenschaftlichen BMF-Beirat, machen Vorschläge, auf welche Aufgabenverteilung sich Bund und Länder verständigen sollten.
Seit der Teil-Legalisierung von Cannabis verbreiten sich Mythen und Falschangaben zum Konsum der Droge und Verkehrssicherheit. Richtig ist: Kiffen am Steuer ist nicht legal. Der Rausch am Steuer bleibt nicht straffrei und die Erhöhung des Grenzwerts ist nicht unverantwortlich.
Die Digitalisierung des Gesundheitssystems muss darauf abzielen, konkrete Herausforderungen in Medizin und Pflege zu bewältigen und Fachkräftemangel und Kostendruck entgegenzuwirken. KI dient dabei nicht als Ersatz, sondern als Hilfsmittel für medizinisches Personal.
Das im März von der Gematik beschlossene Cardlink-Verfahren zur volldigitalen E-Rezept-Einlösung beschreibt Olaf Heinrich, CEO der One-Stop-Apotheke Redcare Pharmacy, als Meilenstein in der digitalen Transformation des deutschen Gesundheitssystems. Es bedeute nicht nur eine Erleichterung für Patientinnen und Patienten bei der E-Rezept-Einlösung, sondern stelle auch das im Gesetz verankerte Recht auf freie Apothekenwahl wieder her.
Bei der Einführung der elektronischen Patientenakte werde auf zentrale Funktionen verzichtet, um ein politisch gesetztes Datum halten zu können. Diesen Vorwurf erhob Sybille Steiner vom Vorstand der Kassenärztlichen Bundesvereinigung gestern im Background-Interview. Der SPD-Abgeordnete und Digitalexperte Matthias Mieves möchte das nicht so stehen lassen. Im heutigen Standpunkt rechtfertigt er ein schrittweises Vorgehen, wirbt um gemeinsames Engagement – und warnt vor Digital-Verweigerung.
Mit der Computertomographie-Koronarangiographie steht gesetzlich versicherten Patienten mit Verdacht auf eine koronare Herzerkrankung bald eine nichtinvasive, leitliniengerechte Diagnostik zur Verfügung. Endlich, denn die Methode ist schonender und kostengünstiger als die bisher dominierende Herzkatheteruntersuchung.
Am Montag nimmt das freiwillige Organspenderegister in Deutschland seinen Betrieb auf. Gerade junge Menschen sollten möglichst umfassend, aber ohne Zwang in das Organspenderegister aufgenommen werden, meint der Humangenetiker und Medizinethiker Wolfram Henn und macht Vorschläge, wie das gelingen könnte.
Das Medizinforschungsgesetz kann das Organisieren und Durchführen von klinischen Studien hierzulande vereinfachen, ohne dass Standards für Patientensicherheit angegriffen würden. Wenig Verständnis zeigt Inge Paulini allerdings für einzelne Forderungen aus der Pharmabranche, Genehmigungsverfahren im Strahlenschutzbereich vom Bundesamt für Strahlenschutz weg auf fachfremde Stellen zu verlagern.
Gesetzt den Fall, dass vertrauliche Erstattungsbeträge möglich werden – sie würden aller Wahrscheinlichkeit nach eher die Ausnahme als die Regel werden. Es gibt keinen ersichtlichen Anreiz für pharmazeutische Unternehmen, vertrauliche Erstattungsbeträge für ihre Arzneimittel mit Zusatznutzen in den Verhandlungen einzufordern – und dabei Mehrkosten auf sich zu nehmen.
Die Zusammensetzung klinischer Studien hat einen direkten Einfluss auf die Zeit bis zur richtigen Diagnose für Frauen, schreibt die globale Bereichs- und Beratungsleiterin für Life Sciences bei Wipro Limited. Gaurica Chacko führt auf, wie unterrepräsentierte Gruppen mehr zur Studienteilnahme animiert werden könnten und wie KI dabei helfen könnte, Ungleichheiten in der Medizin zu bekämpfen.
Ein mangelndes Bewusstsein für Geschlechterunterschiede erhöht die Gefahr einer Fehlversorgung für Frauen. Die Umsetzung vieler bisheriger Erkenntnisse erfordert eine konzertierte Aktion der politischen Entscheidungsträger, Selbstverwaltung, Leistungserbringer, Forschungseinrichtungen und der Zivilgesellschaft. Die FDP-Bundestagsfraktion will mit der Initiative Frauengesundheit im Fokus mehr Aufmerksamkeit für die Themen schaffen, schreibt Christine Aschenberg-Dugnus im Standpunkt.
Am 1. Juni 2024 soll die PPR 2.0, die bedarfsgerechte Personalbemessung für die Krankenhauspflege, in Kraft treten. Das ist ein Durchbruch auf dem Weg zu guten Arbeitsbedingungen und einer besseren Patientenversorgung, argumentiert Verdi-Bundesvorstandsmitglied Sylvia Bühler.
Die von der Stiko empfohlene Impfung gegen humane Papillomviren schützt wirksam vor einigen Krebsarten. Dennoch sind nur etwa die Hälfte der Mädchen und weniger als ein Drittel der Jungen gegen HPV geimpft. Zusätzliche Strategien zur Erhöhung der HPV-Impfquoten sind erforderlich – das Angebot einer freiwilligen HPV-Schulimpfung kann einen wesentlichen Beitrag leisten. Es ist Aufgabe der Politik, dies zu ermöglichen, schreibt Nobila Ouédraogo vom DKFZ anlässlich des heutigen HPV Awareness Day.
Zwei Jahre liegt die Entscheidung des Deutschen Bundestags zur Organspende nun zurück. Ein guter Zeitpunkt, um eine Zwischenbilanz zu ziehen und Vorschläge zu unterbreiten, wie die Zahl der Organspenden effektiv erhöht werden kann.
Zwei von drei Kindern aus suchtbelasteten Familien entwickeln selber eine Sucht oder eine andere psychische Krankheit. Wie kann man das verhindern? Dieser Frage widmet sich der Verein NACOA, eine Interessenvertretung für Kinder und Jugendliche aus suchtbelasteten Familien. Stephan Kosch, Journalist und bei NACOA zuständig für Öffentlichkeitsarbeit, war als Kind selbst von der Problematik betroffen. Im Standpunkt kritisiert er, dass Betroffene im Gesundheitssystem durchs Raster fielen.
Das Medizinforschungsgesetz war überfällig. Vor allem aufgrund bürokratischer Hürden lassen sich bislang viele hochrelevante Studien in Deutschland überhaupt nicht oder nicht so schnell wie nötig durchführen. Diese Problematik wurde nun auch von der Politik aufgegriffen. In den nächsten Jahren werden allerdings weitere Schritte hinzukommen müssen, um den umfassenden Anspruch eines modernen Medizinforschungsgesetzes zu erfüllen.
Die Arzneimittel-Expertinnen des GKV-Spitzenverbands kritisieren im Standpunkt lauter offene Fragen bei der geplanten Einführung von vertraulichen Erstattungspreisen. Zudem bezweifeln Anja Tebinka-Olbrich und Antje Haas, dass das Vorhaben den Wirtschaftsstandort Deutschland fördert. Stattdessen drohten Bürokratie, Mehrausgaben und Rechtsstreitigkeiten.
Die Präsidentin der Technischen Universität in Berlin, Geraldine Rauch, hat die Pläne von Gesundsheitsminister Karl Lauterbach für eine Bundes-Ethikkommission gegen Kritik verteidigt. Sebastian von Kielmansegg, Vorstandsmitglied des Arbeitskreises Medizinischer Ethikkommissionen (AKEK) widerspricht ihr. Die vorgebrachten Argumente träfen nicht auf die vorgesehene Regelung zu. Und die Gegenargumente, die es tatsächlich gegen eine Zentralisierung gebe, würden nicht aufgegriffen.
Immer näher rückende Altersruhestände, begrenzte Ausbildungskapazität für Medizinstudierende und sinkende Wochenarbeitsstunden stellen Krankenhäuser und medizinische Versorgungszentren vor Herausforderungen im Personalmanagement, schreibt Konstantin Degner. Um dem daraus resultierenden Ärztemangel entgegenzuwirken, richtet sich der Blick auf die Zuwanderung medizinischen Fachpersonals aus dem Ausland – doch dies verstärke den Mangel in den Herkunftsländern der Ärzt:innen.
In Deutschland gibt es 49 medizinische Ethikkommissionen. Es ist längst überfällig, das zu vereinheitlichen, schreibt Prof. Geraldine Rauch, Präsidentin der Technischen Universität Berlin. Die Kritik an Lauterbachs Plänen für eine Bundesethikkommission sei unberechtigt, meint sie.
Aufgrund jahrzehntelanger Vernachlässigung der Pflegeversicherung durch die Politik könnte nichts Geringeres als eine humanitäre Krise entstehen, meint Klaus Vater. Der ehemalige Büroleiter des SPD-Sozialexperten Rudolf Dreßler und Sprecher der langjährigen Gesundheitsministerin Ulla Schmidt drängt deshalb im Standpunkt auf grundlegende Veränderungen des Pflegesystems.
Jeden Tag gibt es in Kliniken, Arztpraxen und medizinischen Einrichtungen Missverständnisse, weil Patient:innen kein oder kaum Deutsch verstehen, schreibt Marthe Hammer, Geschäftsführerin von Triaphon, in ihrem Standpunkt. Sie zeigt auf, welchen Beitrag Sprachmittlung für eine bessere Gesundheitsversorgung leisten kann.
Krankenhäuser befinden sich aktuell in einer Klemme aus ökonomischem Druck und ausbleibender Reform. Clinomic-Mitgründer Lukas Martin schlägt Gesundheitsdaten als Ansatzpunkt vor, bei dem die Krankenhäuser selbst handeln und Kosten senken sowie Personal schonen können, mit gleichzeitiger Verbesserung der Behandlungsqualität.
Damit die elektronische Patientenakte (ePA) einen langfristigen Mehrwert für das Gesundheitssystem bietet, muss die Opt-Out-Option irgendwann ein Ende finden. Das fordert Alexander Müller, Berater für den Gesundheitssektor bei Detecon, im Standpunkt. Außerdem biete die neue Sicherheitsarchitektur für die ePA für alle viele Vorteile.
Das hochkomplexe Gesundheitssystem wartet noch auf eine stringente Zukunftsausrichtung; der Wille zur Umgestaltung ist aber unverkennbar. Das schreibt Jochen Werner, Vorstandsvorsitzender des Universitätsklinikums Essen, im Standpunkt. Beispiele aus anderen Bereichen zeigten, dass Umgestaltungen allen Unkenrufen zum Trotz auch in Deutschland noch möglich seien.
Als Gründer und Geschäftsführer von Demecan setzt sich Constantin von der Groeben für eine bessere Versorgung mit medizinischem Cannabis ein. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, braucht die Cannabiswirtschaft dringend Planungssicherheit. Deshalb muss das Cannabisgesetz schleunigst verabschiedet werden, schreibt er im Standpunkt.
Für die Therapie der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung gab es seit Jahren wenig echte Innovationen. Kein Medikament kann die Erkrankung bislang heilen und es gibt auch noch kein Lungengewebe aus dem 3D-Drucker, das wirklich Hilfe verspricht. Dank der Digitalisierung gibt es aber neue Ansätze im Bereich der nicht-medikamentösen Behandlung.
Jakob Sons engagiert sich als Gründer und Geschäftsführer der Cansativa Group für die Aufklärung über Cannabis sowie die Versorgung mit der Droge zu Therapiezwecken in Deutschland. Die Debatte um das verschobene neue Cannabisgesetz führt bei ihm und vielen anderen in der Branche inzwischen zu Frust, weil oft nur der Freizeitkonsum im Fokus steht.
So wie es ist, kann es nicht bleiben, sagt BMC-Vorstand Lutz Hager. In seinem Standpunkt fordert er eine Modernisierung der Gesundheitsversorgung und gibt dem Bundesgesundheitsministerium Handlungsempfehlungen für das kommende Jahr mit: weniger Ballast und Fehlsteuerung, dafür mehr Freiheiten.
Die gesundheitlichen Auswirkungen von Einsamkeit seien nicht zu unterschätzen, schreiben Andrew Ullmann und Amar Patnaik in ihrem Standpunkt. Menschen, die sich sozial isoliert fühlen, hätten ein höheres Risiko für psychische Probleme, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und geschwächte Immunabwehr. Die Bundesregierung hat nun eine Strategie gegen Einsamkeit erarbeitet, die heute vom Kabinett verabschiedet werden soll.