Das Cracking von importiertem Ammoniak ist für Graham Weale das verheißungsvollste Mittel, um Deutschland mit sauberem Wasserstoff zu versorgen. Der Professor für Energiewirtschaft an der Ruhr-Uni Bochum fordert große Anstrengungen: Die Technologie müsse marktreif werden. Häfen in Reichweite der deutschen Industriezentren müssen mit Cracking-Anlagen ausgestattet werden, so Weale – und das H2-Kernnetz kleiner geplant werden.
Mehrere Initiativen der scheidenden Bundesregierung hatten das Potential, sowohl die Erreichung der Klimaziele als auch die Innovationsstärke zu verbessern, schreibt Magnus Drewelies, Geschäftsführer des Start-up Ceezer. Doch sie sind durch die vorgezogene Bundestagswahl gefährdet.
Obwohl der Stromsektor dank des Ausbaus erneuerbarer Energien Fortschritte macht, bleibt der Wärmebereich das „Stiefkind“ der Energiewende. Die Geothermie hat das Potenzial, die Wärmewende stark zu beschleunigen. Doch trotz ihrer Stärken spielt sie in Deutschland bisher eine Nebenrolle. Ein bundesweiter Geothermie-Gipfel könnte Weichen stellen, um die goldenen Jahre der Geothermie-Skalierung einzuläuten, schreibt Herbert Pohl, Gründer und CEO von Deutsche Erdwärme.
Die Energiewende erfordert leistungsfähige Langzeit-Speicherlösungen, um erneuerbare Energien flexibel nutzbar zu machen. Die Nutzung von Wasserstoff als hauptsächliche Lösungsoption wird aufgrund von Schwierigkeiten beim Import und Verzögerungen der Infrastruktur zunehmend infrage gestellt. Eisen bietet als sicherer, effizienter und nachhaltiger Energieträger eine vielversprechende Alternative, die Strom, Wärme und Wasserstoff CO2-frei speichert und transportiert.
Ab 2025 haben alle Verbraucherinnen und Verbraucher das Recht auf den Einbau eines intelligenten Messsystems – damit können viele Flexibilitäts- und Effizienzpotenziale erstmals richtig gehoben werden. Damit das aber gelingt, ist nicht nur technisch noch einiges zu tun, schreiben Mark Becker-von Bredow und Jonas Rex-Quincke vom ZVEI.
Die Fernwärmeverordnung regelt das Vertragsverhältnis zwischen den Anbietern und den Nutzer:innen von leitungsgebundener Wärme. Sie ist nicht der richtige Ort, um grundsätzliche Fragen zur Finanzierung der Wärmewende zu beantworten, schreibt Florian Munder vom Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv).
Das Jahr 2024 stand mit der Umsetzung der Renewable-Energy-Directive stark unter dem Zeichen eines beschleunigten Ausbaus der Windenergie auf See. Zugleich rächen sich Standortfehler der Vergangenheit wie beim Windpark Butendiek, meint Anne Böhnke-Henrichs vom Naturschutzbund Deutschland (Nabu). Die Zukunft muss anders aussehen, fordert sie: Eine neue Meeresraumordnung könne Planungssicherheit für den Ausbau schaffen und Klima- und Naturschutz versöhnen.
Während im Wahlkampf über das Ende des Heizungsgesetzes, pauschalisierte und damit bremsende Technologieoffenheit sowie eine Renaissance der Atomenergie diskutiert wird, ist der globale Siegeszug der Erneuerbaren nicht zu stoppen. Statt Verunsicherung braucht es für die nächste Legislatur einen Fahrplan für eine wettbewerbliche, sozial gerechte und bürgernahe Energiewende – fordern Oliver Hummel (Naturstrom) und Sönke Tangermann (Green Planet Energy) gemeinsam mit Bürgerwerke und EWS Schönau.
Aktuelle Metastudien leiten Politikvorschläge aus der Analyse weltweiter politischer Maßnahmen ab. So werden best practices identifiziert. Aber der vorläufige Befund kann nicht das Ende der Fahnenstange sein – es muss weitergedacht werden, argumentiert Craig Morris von Klimaschutz im Bundestag e. V.
Der Netzausbau erfordert enorme Investitionen und wird so zu steigenden Netzentgelten in den kommenden Jahren führen. Eine Teilverstaatlichung der Netzbetreiber würde die Finanzierungskosten strukturell senken und könnte den Netzentgeltanstieg begrenzen, argumentieren Axel Kölschbach Ortego und Janek Steitz von der Denkfabrik Dezernat Zukunft.
Was lange währt, wird nicht immer gut: Die Einführung der bedarfsgesteuerten Nachtkennzeichnung von Windenergieanlagen könnte in Chaos, monatelangem Stillstand und einer Klagewelle enden, warnt Verbandspräsidentin Bärbel Heidebroek. Noch sei es aber nicht zu spät zu handeln.
Der Wärmesektor hinkt den Klimazielen hinterher, die Diskussionen um das Gebäudeenergiegesetz haben für Verunsicherung gesorgt. Gerade im anstehenden Bundestagswahlkampf braucht es aber eine sachliche Diskussion um notwendige Maßnahmen im Gebäudebereich, schreibt Corinna Enders, Vorsitzende der Geschäftsführung der Deutschen Energie-Agentur. Dabei müsse die soziale Dimension ebenso im Fokus stehen wie die ökonomischen und strukturellen Auswirkungen auf das Gesamtsystem.
Um die CO2-Emissionen im Gebäudesektor bis 2045 auf Netto-Null zu senken, brauchen Unternehmen endlich verlässliche Zusagen und einen klaren Fokus auf besonders emissionsreiche Gebäude. Es brauche nichts Geringeres als einen Paradigmenwechsel bei der Gebäudesanierung, so Joachim Lohse, Geschäftsführer des Verbands der Immobilienwirtschaft ZIA, und Sabine Nallinger, Vorständin der Stiftung Klima Wirtschaft.
Die Diskussion, wie Verbraucherinnen und Verbraucher von Netzkosten entlastet werden können, nimmt derzeit wieder Fahrt auf. Ein Vorschlag in diesem Kontext ist, auch die Erzeuger an den Netzkosten zu beteiligen. Andreas Jahn, Senior Associate des Regulatory Assistance Projects, warnt jedoch davor, dass dieser gut gemeinte Schnellschuss zum Kurzschluss werden könnte – insbesondere für die energieintensive Industrie.
Die sozialwissenschaftliche Forschung bereichert die Energie- und Industrietransformation in Deutschland und Europa, spielt bisher aber nur eine Nebenrolle. Es ist an der Zeit, dass Forschungsprogramme die politische und soziale Dimensionen der Energiewende ins Zentrum rücken, schreiben Lukas Hermwille (Wuppertal-Institut) und Rainer Quitzow (RIFS Potsdam, TU Berlin).
Entwicklungsländer stoßen immer mehr Treibhausgas aus. Zugleich gelingt es vielen nicht, wirtschaftlich aufzuholen Ein innovatives Finanzinstrument könnte dabei helfen, Emissionen zu reduzieren, argumentiert Moritz Kraemer, Chefvolkswirt der Landesbank Baden-Württemberg.
Bei den Übertragungsnetzbetreibern summieren sich Netzanschlussanfragen für Batteriespeicher mit einer Leistung von mehr als 160 Gigawatt - ein Vielfaches dessen, was die Bundesregierung bis 2045 an Großspeichern geplant hat. Diese große Potential für die Energiewende dürfen wir hierzulande nicht aufgrund eines langwierigen Netzanschlussverfahrens vergeben, schreibt Marko Ibsch, Gründer und Geschäftsführer von CarbonFreed.
Das Ergebnis der diesjährigen Klimakonferenz ist ernüchternd. Das beschlossene Finanzierungsziel geht weit an den tatsächlichen Bedarfen vorbei. Nach Ansicht von Olaf Bandt vom Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND) blockieren die Beschlüsse der COP29 ambitionierten Klimaschutz und gefährden die Lebensgrundlage von Menschen weltweit.
Die Rückkehr von Donald Trump ins Weiße Haus sollte nicht als Bedrohung für die Dekarbonisierung Europas verstanden werden. Das Wahlergebnis in den USA muss die EU-Mitgliedsländer vielmehr dazu veranlassen, ihre Differenzen beiseitezuschieben und die grüne Transformation stärker voranzutreiben, schreiben Simone Tagliapietra und Cecilia Trasi vom Brüsseler Thinktank Bruegel.
Die Investitionsbedarfe in Deutschland wachsen angesichts der geopolitischen Herausforderungen weiter. Friedrich Merz hat inzwischen signalisiert, dass eine Reform der Schuldenbremse auch für die Union auf der Tagesordnung steht. Diese Reform muss auch Ländern und Kommunen die nötigen Klimainvestitionen ermöglichen, fordert Michael Schäfer von GermanZero. Er plädiert dafür, das Grundgesetz an drei Stellen zu ergänzen.
Immer mehr Bundesländer erlassen Regelungen zur finanziellen Beteiligung von Standortgemeinden und Anwohner:innen beim Ausbau erneuerbarer Energien. Im Rahmen der EnWG-Novelle wollte das BMWK diese Regelungen stärker vereinheitlichen. In der vom Bundeskabinett vergangene Woche beschlossenen Fassung fehlt der Passus jedoch. Dafür gibt es gute Gründe, findet der Energie- und Umweltökonom Paul Lehmann von der Uni Leipzig und dem Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung.
An komplexen Regelungen mangelt es im Energiemarkt nicht. Wie es auch anders gehen kann, hat die Ampel mit dem Konzept der gemeinschaftlichen Gebäudeversorgung unter Beweis gestellt, schreibt Gero Lücking, Head of Smart Metering beim Energiedienstleister Techem. Er sieht eine Win-Win-Situation für Mietende und Vermietende.
Nach dem Bruch der Ampel-Koalition bleibt keine Zeit für Grundsatzstreite. Deutschland muss bei Innovationen schnell vorankommen. Das Kohlendioxid-Speicherungs- und -Transportgesetz (KSpTG) spielt dabei eine wichtige Rolle, findet Holcim-Deutschland-Chef Thorsten Hahn.
Die Umstellung der Marktprämie für Erneuerbare auf eine produktionsunabhängige Investitionskostenförderung wäre ein fundamentaler Richtungswechsel, erklärt Dennis Rendschmidt vom Verband VDMA Power Systems. Viele Details seien aber noch zu wenig beleuchtet, als dass er sich der Empfehlung des BMWK uneingeschränkt anschließen will. In jedem Fall aber plädiert Rendschmidt für eine Umsetzung des EU-NZIA mit Präqualifikationskriterien und einem strengen Regulierungssystem für (Cyber-)Sicherheit.
Die Entwicklungen bei Thyssenkrupp Steel Europe werfen kein gutes Licht auf den deutschen Industrieumbau. Doch grüner Stahl, schreibt Tilman von Berlepsch (Germanwatch), soll nicht nur aus Duisburg kommen, und trotz aller Probleme tun sich auch Chancen auf. Dafür muss jedoch der Blick geweitet werden – auch von einer neuen Regierung.
Nach dem Wahlsieg von Donald Trump bei den US-Präsidentschaftswahlen und einer wahrscheinlichen Mehrheit der Republikaner in beiden Kongresskammern droht eine Kehrtwende in der US-Klimapolitik. Felix Creutzig, Forschungsgruppenleiter am Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change, beschreibt mögliche Folgen auch für die heute gestartete Klimakonferenz COP29 und warum Gesetze in einzelnen US-Bundesstaaten Hoffnung machen.
Wohin führt der Ausbau der LNG-Infrastruktur, den die Bundesregierung vorantreibt? Constantin Zerger meint: in neue energiepolitische Abhängigkeiten und in die Klimakrise. Der Bereichsleiter Energie und Klimaschutz der Deutschen Umwelthilfe fordert ein Moratorium für den weiteren Bau von LNG-Importanlagen.
Die EU-Klimapolitik hat noch nicht adressiert, wie die CO2-Entnahme angereizt und reguliert werden soll. Mark Preston von Bellona Europa und Felix Schenuit von der Stiftung Wissenschaft und Politik empfehlen, die Debatte nicht auf eine ETS-Integration zu verengen. Alle Optionen müssten auf dem Tisch, darunter Verpflichtungen wie in der Lastenteilungs-Verordnung oder ein paralleler Markt für den CDR-Handel.
Ein erschwingliches E-Auto könnte heute auch in Deutschland Realität sein, wenn mobile Speicher bei Netzentgelten gleichgestellt und Smart Meter für alle verpflichtend eingeführt würden. Die EU fordert dies bis 2025 ohnehin. Frankreich macht es besser und kostengünstiger.
Eine Verschiebung des nationalen Klimaneutralitätsziels auf das Jahr 2050 bliebe ohne Eingriffe in den EU-Emissionshandel folgenlos. Wer nun mit dem Argument der Harmonisierung dafür wirbt, plant letztendlich, wesentliche Säulen der europäischen Klimapolitik massiv zu verändern, schreibt Felix Matthes, Koordinator Energie- und Klimapolitik am Öko-Institut. Dies hätte schwerwiegende Folgen.
Die aktuelle Anhörung zum Geothermiebeschleunigungsgesetz (GeoWG) im Bundestagsausschuss für Klimaschutz und Energie rückt einen „schlafenden Riesen“ ins Rampenlicht: Die Geothermie birgt das Potenzial, die Wärmeversorgung in Deutschland nachhaltig zu transformieren – wenn die gesetzlichen Rahmenbedingungen es zulassen, schreibt Karin Thelen von den Stadtwerken München.
Die Insolvenz des deutschen Biomethanhändlers Landwärme ist ein Weckruf – nicht nur für die betroffenen Betreiber von Biomethananlagen, sondern für die gesamte Biogasbranche und die Bundesregierung. Im Sinne der Energiewende ist es höchste Zeit, die strukturelle Verwundbarkeit dieses Marktes für Betrug ernsthaft anzugehen, schreibt Henning Dicks, Geschäftsführer des Biomethan-Diensleisters Agriportance.
Die US-Wahl steht vor der Tür – das Ergebnis wird die transatlantischen Klimabeziehungen entscheidend prägen. Was von den beiden Kandidaten Donald Trump und Kamala Harris bei der Klimaaußenpolitik zu erwarten ist, analysieren Sonja Thielges und Laura von Daniels von der Stiftung Wissenschaft und Politik.
Ignoriert die Bundesregierung in der Kraftwerksstrategie den „Efficiency First“-Grundsatz, drohen enorme Mehrkosten, warnt Christian Noll. Zusätzlich zu der unnötigen Belastung für private Verbraucher und die Industrie begehe die Ampel-Koalition auch Rechtsbruch. Denn das EU-Recht ist klar: Energieeffizienz muss bei der Planung von Energieinfrastruktur gleichberechtigt berücksichtigt werden, so der geschäftsführende Vorstand der Deutschen Unternehmensinitiative Energieeffizienz (DENEFF).
Über den Import von Flüssigerdgas (LNG) wird heftig diskutiert. Häufig geschieht dies nicht mit der notwendigen Sachlichkeit, kritisiert Philipp Steinberg. Der Abteilungsleiter Wirtschaftsstabilisierung, Energiesicherheit, Gas, Wasserstoffinfrastruktur im Bundeswirtschaftsministerium findet: Es ist Zeit für eine Klarstellung zur deutschen Strategie.
Mit dem Erstellen von kommunalen Wärmeplänen bis 2028 ist die Arbeit nicht getan – sie geht dann erst richtig los. Zum Erfolg beitragen kann eine engere Zusammenarbeit von Kommunen und Unternehmen, meint Andreas Blassy. Die Anschlussnehmer sollten frühzeitig in die Pläne der Kommunen einbezogen werden, so der Chef der Digital- und Energie-Services beim Gebäudetechnikausrüster Caverion Deutschland.
Die Hindernisse, auf denen die stagnierende Sanierungsquote beruht, sind erklär- und lösbar – wenn die Rahmenbedingungen stimmen, meinen Carolin Friedemann von der Initiative Klimaneutrales Deutschland (IKND) und Thomas Drinkuth von der Repräsentanz Transparente Gebäudehülle (RTG). Was Hausbesitzer bewegt, zeigt eine aktuelle Umfrage. Die Politik muss Planbarkeit bieten, die Förderung attraktiver machen und Unterstützung bei der Umsetzung organisieren.
Deutschland diskutiert die Einführung von Preiszonen wie sie andere europäische Länder wie Norwegen, Schweden, Italien und Belgien schon haben. Ralf Walther, Strommarktexperte beim Energieanbieter Tibber, steht dem Split grundsätzlich nicht ablehnend gegenüber, er warnt aber davor, den ersten Schritt vor dem zweiten zu machen. Noch fehlt es seiner Meinung nach an den nötigen technischen, aber auch sozialpolitischen Voraussetzungen.
Im Zuge der angespannten Gasversorgung nach dem russischen Angriff auf die Ukraine hat die Bundesregierung in kürzester Zeit LNG-Terminals aufbauen lassen. Claudia Kemfert und Christian von Hirschhausen vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung fordern eine Umkehr dieses "LNG-Rausches". Der staatlich finanzierte Infrastrukturausbau müsse enden, der Gassektor sich am ökonomisch und ökologisch sinnvollen Ziel, dem Erdgasausstieg, ausrichten.
Trotz des Krieges in der Ukraine und breiter Sanktionen gegen Russland bleibt der indirekte Import russischen Erdgases nach Deutschland eine beunruhigende Realität, konstatieren die ukrainische Aktivistin Svitlana Romanko und der Energieanalyst Petras Katinas. Sie schlagen vor, wie Deutschland russisches Gas effektiv aus seinen Netzen verbannen kann.
Deutschland will einen klimaneutralen Stromsektor bis 2035. Um dieses Ziel auch zu erreichen, soll die gesamte Gesellschaft aktiv werden – nicht nur aus demokratischem Idealismus, sondern aus Notwendigkeit für die erfolgreiche Umsetzung der Energiewende. Die EnWG-Novelle, die Energy Sharing rechtlich verankern soll, bietet einen Ansatzpunkt, schreiben Katja Esche und Beatrice Schulz vom BVES.
Das Scheitern der Intel-Ansiedlung hat Haushaltsmittel freigesetzt, die kurzfristig zur Unterstützung der Industrie bei den Strompreisen genutzt werden könnten. Langfristig sollten jedoch relevante Entscheidungen im Strommarktdesign nicht aus den Augen verloren werden, um dauerhaft wettbewerbsfähige Strompreise sicherzustellen, schreibt Joachim Schmitz-Brieber, Senior Policy Specialist Industry and Energy, EPICO KlimaInnovation.
Rücktritte bei den Grünen. Herbst der Entscheidungen für die FDP. Die Ausgänge der jüngsten Landtagswahlen schlagen Wellen bis nach Berlin. Doch auch energiepolitisch dürften sie nicht folgenlos bleiben, schreibt Martha Hoffmann, kommissarische Leiterin des Graduiertenkollegs EnergieSystemWende der Reiner Lemoine Stiftung.
Die FDP hat die parlamentarische Sommerpause genutzt, um mit kontroversen Debatten Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Nach der Idee, die Städte autofreundlicher zu gestalten, kam der nächste umstrittene Vorschlag: Die Förderung für Solarstromerzeugung soll abgeschafft werden. Peter Knuth vom PV-Anbieter enerix hält das für zu simpel.
Zentral, dezentral oder kombiniert – die Debatte um Kapazitätsmärkte ist zehn Jahre nach ihrem Ende wieder voll entbrannt. Carsten Pfeiffer vom Bundesverband Neue Energiewirtschaft warnt vor einem teuren und marktverzerrenden Subventionsinstrument. Dabei gibt es aus seiner Sicht eine Alternative: Eine Weiterentwicklung der Absicherungspflicht.
Die Energie- und Klimapolitik der Bundesregierung muss pragmatischer und flexibler werden, findet Friedbert Pflüger. Dann, prognostiziert der Berater und frühere Staatssekretär, haben Klimaschutz und Energiewende die Chance, in der Wahrnehmung der Bevölkerung wieder aufzusteigen.
Ursula von der Leyens Wiederwahl als Präsidentin der Europäischen Kommission verspricht Kontinuität, doch besonders in der Handelspolitik ist ein grundlegender Kurswechsel dringend notwendig. Ludwig Essig vom Umweltinstitut kritisiert, dass die EU wirtschaftliche Interessen über Umwelt- und Menschenrechte stellt und fordert eine nachhaltige und gerechte Neuausrichtung der Handelspolitik.
Holz als Energieträger einzusetzen, ist nachhaltig, schreibt Gerolf Bücheler. Er beklagt eine Kampagne gegen diese Nutzung und eine weit verbreitete Unkenntnis über die Holzwirtschaft insgesamt. Ohne Holz, ist der Geschäftsführer des Fachverbands Holzenergie und Bundesverbands Bioenergie überzeugt, sind die Klimaziele nicht zu erreichen.
Energiespeicher werden für die Energie- und Mobilitätswende gebraucht. Noch sind Deutschland und Europa Standort für Batterieforschung und -produktion. Um im Wettbewerb mit China bestehen zu können, sollten die hiesigen Hersteller auf Zirkularität und Innovationskraft setzen.
Die Bürgerinnen und Bürger sind schon verunsichert genug, findet Jasper Honig vom Wärmepumpenanbieter Aira. Der Förderexperte mahnt zu Mäßigung und Sachlichkeit bei der Kritik an der Wärmepumpenförderung des Bundes – auch seine eigene Branche. Denn es gebe deutliche Fortschritte, hebt er hervor.
Heute reichen Greenpeace und Germanwatch eine von mehr als 50.000 Menschen mitgetragene „Zukunftsklage“ in Karlsruhe ein. Unter den Klimaklagen der vergangenen Jahre ist sie die erste Verfassungsbeschwerde, die soziale Gerechtigkeit und Klimaschutz zusammenbringt, schreibt Baro Gabbert von Greenpeace. Juristisch sei das Neuland – gesellschaftlich höchste Zeit.
Klimaschutz und die über Jahrzehnte aufgebaute Klimaschutzarchitektur Europas sind im Fadenkreuz populistischer Kampagnen, warnt Helmfried Meinel. Der Berater und frühere Ministerialdirektor argumentiert, das Erreichte müsse geschützt und zugleich verbessert werden. Auch bei der Kommunikation gebe es viel Luft nach oben.
Wenn es günstiger ist, Energie einzusparen oder Lasten zu steuern, sollte dieser Weg den Vorrang vor dem Ausbau der Energieerzeugung haben – so sieht es die EU vor. In ihren aktuellen Plänen zum Ausbau der steuerbaren Leistung und erneuerbarer Energien berücksichtigt die Bundesregierung dieses Prinzip jedoch nicht, erklären Stefan Thomas und Manfred Fischedick vom Wuppertal Institut.
Der Solarzubau boomt – Deutschland hat sein 2024-Ziel für den PV-Ausbau bereits Mitte Mai erreicht. Die zusätzliche Leistung birgt aber auch Risiken: Die Gefahr von schwerwiegenden Störungen im Stromsystem wachse ebenso wie die Kosten für die Volkswirtschaft, warnt Lion Hirth. Alle neu installierten Solaranlagen müssten daher bei Stromüberschuss abregeln können, fordert der Energieökonom von der Hertie School.
CO2-Speicher sind umso wirtschaftlicher, je näher sie an den industriellen Emittenten gelegen sind, erklärt Alexandra Decker vom Baustoffhersteller Cemex. Der Pipelinetransport sei zudem kostengünstiger als Bahn und Schiff. Folglich birgt der Ausbau regionaler CO2-Infrastruktur erhebliches Potenzial für Kostensenkungen, so ihr Plädoyer. Dafür müssten die Bundesländer die Opt-In-Klausel im Gesetzentwurf konsequent ausschöpfen und die Speicherung an Land erlauben.
Der „AfD keine Bühne geben“ ist eine weitverbreitete Überzeugung und Praxis. Sie hat die Erfolge der AfD nicht verhindert. Damit ist sie gescheitert. Was nun geschehen sollte, diskutiert Nils Meyer-Ohlendorf vom Ecologic Institut in seinem Standpunkt.
Der größte Teil der erneuerbaren Wärme wird bisher aus Holz gewonnen. Im Zuge der Dekarbonisierung der Wärmeversorgung könnte sich die nachgefragte Holzmenge nochmal stark erhöhen. Das würde den Wäldern in Deutschland und weltweit sowie dem Klima schaden. Ein Gegensteuern der Politik ist nötig – mit „Ideologie“ hat das nichts zu tun, schreibt Michaela Kruse, Bioenergie-Referentin beim Naturschutzbund Deutschland.
Der schleppende Netzausbau in Deutschland bremst die Energiewende: Zahlreiche große PV-Dachanlagen warten auf Anschluss. Um die Ausbauziele der Bundesregierung zu erreichen, sei mehr Pragmatismus nötig, fordert Matthias Lingg, Head of Engineering beim Solarunternehmen Enviria. Er schlägt vier Maßnahmen vor, um den Prozess zu beschleunigen und Druck vom Netz zu nehmen.
„Die Sonne schickt uns keine Rechnung“ war Leitmotiv der Energiewende: Sobald die Technik ausgereift ist, fallen die Kosten. Doch die Bundesregierung wird ihrem Anspruch nicht gerecht, moniert der Windpark-Projektierer Johannes Lackmann. Trotz enormer technischer Fortschritte der vergangenen 30 Jahre sei Strom für Verbraucher und Industrie heute teuer. Preisbremsen finanziert aus Steuermilliarden hält Lackmann aber für die falsche Lösung. Stattdessen müssten Fehlsteuerungen beseitigt werden.
Die jüngste Offshore-Auktion hat gezeigt: Das überaus ambitionierte Ausbauziel von 70 Gigawatt wird regelrecht in deutsche Nordseeflächen gepresst. Das ist doppelt ineffizient. Für Unternehmen, die Windturbinen wegen Verschattungsverlusten verdichtet aufstellen müssen und für den Meeresschutz, da Turbinen beschleunigt in potenziell sensible oder gar in Schutzgebiete gedrängt werden. Eine nordseeweite Flächenplanung könnte Abhilfe schaffen, meint Jonas Ott, Referent bei der Deutschen Umwelthilfe.
Dem Vorhaben der Bundesregierung, die bisherige Erneuerbaren-Förderung durch Investitionsprämien abzulösen, kann Sebastian Bolay viel abgewinnen und empfiehlt dies insbesondere für PPAs. Spätestens die immer häufigeren negative Preise an der Strombörse zeigen, dass das Fördersystem umgebaut werden muss, argumentiert der Bereichsleiter Energie, Umwelt, Industrie beim DIHK.
In Zukunft muss Deutschland CO2 abscheiden, speichern, nutzen und langfristig auch der Atmosphäre entnehmen. Nur so lassen sich die Klimaziele erreichen, geben Ralf Fücks und Lukas Daubner zu bedenken. Ihre Forderung: Alle Verfahren und Ansätze sollen dabei eine Chance bekommen – und eine kluge Politik soll Innovationen und Investitionen freisetzen.
Das Bundeswirtschaftsministerium hat kürzlich sein Optionenpapier „Zukunft des Strommarktes“ vorgestellt. Überfällig sind Details zum geplanten Kraftwerkssicherheitsgesetz und zum Zusammenwirken der Ausschreibungen mit dem Kapazitätsmarkt, der für 2028 angekündigt ist. EnBW-Vorstandsmitglied Peter Heydecker befürchtet, dass das BMWK ausgerechnet die komplexeste Option anpeilt.
Sven Höppner drängt zu einem raschen Ende der Förderung erneuerbarer Energien. Erst wenn man die Erneuerbaren in den Markt entlasse, könnten sie zu einem echten Erfolgsmodell werden, argumentiert der Vorsitzende der Kommission Energiepolitik der Organisation Die Familienunternehmer.
Im Zuge der Planungsbeschleunigung der Energiewende sind Beteiligungsschritte und Naturschutzvorgaben beim Ausbau der Erneuerbaren zunehmend ins Visier geraten. Dieser einseitige Fokus der Bundesregierung ist ein großer Fehler, kritisieren Rebekka Blessenohl und Brick Medak vom Naturschutzbund Deutschland (NABU).
Der europäische Windenergiemarkt ist im Aufbruch. Eine Reihe von EU-Richtlinien und -Verordnungen hat klare Zielvorgaben geschaffen und den Ausbau der Windenergie EU-weit angeregt. Nun versuchen chinesische Turbinenhersteller, in den wachsenden europäischen Markt vorzustoßen. Warum deren Offerten mit Vorsicht zu genießen sind, erläutert BWE-Präsidentin Bärbel Heidebroek.