Deutschland will einen klimaneutralen Stromsektor bis 2035. Um dieses Ziel auch zu erreichen, soll die gesamte Gesellschaft aktiv werden – nicht nur aus demokratischem Idealismus, sondern aus Notwendigkeit für die erfolgreiche Umsetzung der Energiewende. Die EnWG-Novelle, die Energy Sharing rechtlich verankern soll, bietet einen Ansatzpunkt, schreiben Katja Esche und Beatrice Schulz vom BVES.
Das Scheitern der Intel-Ansiedlung hat Haushaltsmittel freigesetzt, die kurzfristig zur Unterstützung der Industrie bei den Strompreisen genutzt werden könnten. Langfristig sollten jedoch relevante Entscheidungen im Strommarktdesign nicht aus den Augen verloren werden, um dauerhaft wettbewerbsfähige Strompreise sicherzustellen, schreibt Joachim Schmitz-Brieber, Senior Policy Specialist Industry and Energy, EPICO KlimaInnovation.
Rücktritte bei den Grünen. Herbst der Entscheidungen für die FDP. Die Ausgänge der jüngsten Landtagswahlen schlagen Wellen bis nach Berlin. Doch auch energiepolitisch dürften sie nicht folgenlos bleiben, schreibt Martha Hoffmann, kommissarische Leiterin des Graduiertenkollegs EnergieSystemWende der Reiner Lemoine Stiftung.
Die FDP hat die parlamentarische Sommerpause genutzt, um mit kontroversen Debatten Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Nach der Idee, die Städte autofreundlicher zu gestalten, kam der nächste umstrittene Vorschlag: Die Förderung für Solarstromerzeugung soll abgeschafft werden. Peter Knuth vom PV-Anbieter enerix hält das für zu simpel.
Zentral, dezentral oder kombiniert – die Debatte um Kapazitätsmärkte ist zehn Jahre nach ihrem Ende wieder voll entbrannt. Carsten Pfeiffer vom Bundesverband Neue Energiewirtschaft warnt vor einem teuren und marktverzerrenden Subventionsinstrument. Dabei gibt es aus seiner Sicht eine Alternative: Eine Weiterentwicklung der Absicherungspflicht.
Die Energie- und Klimapolitik der Bundesregierung muss pragmatischer und flexibler werden, findet Friedbert Pflüger. Dann, prognostiziert der Berater und frühere Staatssekretär, haben Klimaschutz und Energiewende die Chance, in der Wahrnehmung der Bevölkerung wieder aufzusteigen.
Ursula von der Leyens Wiederwahl als Präsidentin der Europäischen Kommission verspricht Kontinuität, doch besonders in der Handelspolitik ist ein grundlegender Kurswechsel dringend notwendig. Ludwig Essig vom Umweltinstitut kritisiert, dass die EU wirtschaftliche Interessen über Umwelt- und Menschenrechte stellt und fordert eine nachhaltige und gerechte Neuausrichtung der Handelspolitik.
Holz als Energieträger einzusetzen, ist nachhaltig, schreibt Gerolf Bücheler. Er beklagt eine Kampagne gegen diese Nutzung und eine weit verbreitete Unkenntnis über die Holzwirtschaft insgesamt. Ohne Holz, ist der Geschäftsführer des Fachverbands Holzenergie und Bundesverbands Bioenergie überzeugt, sind die Klimaziele nicht zu erreichen.
Energiespeicher werden für die Energie- und Mobilitätswende gebraucht. Noch sind Deutschland und Europa Standort für Batterieforschung und -produktion. Um im Wettbewerb mit China bestehen zu können, sollten die hiesigen Hersteller auf Zirkularität und Innovationskraft setzen.
Die Bürgerinnen und Bürger sind schon verunsichert genug, findet Jasper Honig vom Wärmepumpenanbieter Aira. Der Förderexperte mahnt zu Mäßigung und Sachlichkeit bei der Kritik an der Wärmepumpenförderung des Bundes – auch seine eigene Branche. Denn es gebe deutliche Fortschritte, hebt er hervor.
Heute reichen Greenpeace und Germanwatch eine von mehr als 50.000 Menschen mitgetragene „Zukunftsklage“ in Karlsruhe ein. Unter den Klimaklagen der vergangenen Jahre ist sie die erste Verfassungsbeschwerde, die soziale Gerechtigkeit und Klimaschutz zusammenbringt, schreibt Baro Gabbert von Greenpeace. Juristisch sei das Neuland – gesellschaftlich höchste Zeit.
Klimaschutz und die über Jahrzehnte aufgebaute Klimaschutzarchitektur Europas sind im Fadenkreuz populistischer Kampagnen, warnt Helmfried Meinel. Der Berater und frühere Ministerialdirektor argumentiert, das Erreichte müsse geschützt und zugleich verbessert werden. Auch bei der Kommunikation gebe es viel Luft nach oben.
Wenn es günstiger ist, Energie einzusparen oder Lasten zu steuern, sollte dieser Weg den Vorrang vor dem Ausbau der Energieerzeugung haben – so sieht es die EU vor. In ihren aktuellen Plänen zum Ausbau der steuerbaren Leistung und erneuerbarer Energien berücksichtigt die Bundesregierung dieses Prinzip jedoch nicht, erklären Stefan Thomas und Manfred Fischedick vom Wuppertal Institut.
Der Solarzubau boomt – Deutschland hat sein 2024-Ziel für den PV-Ausbau bereits Mitte Mai erreicht. Die zusätzliche Leistung birgt aber auch Risiken: Die Gefahr von schwerwiegenden Störungen im Stromsystem wachse ebenso wie die Kosten für die Volkswirtschaft, warnt Lion Hirth. Alle neu installierten Solaranlagen müssten daher bei Stromüberschuss abregeln können, fordert der Energieökonom von der Hertie School.
CO2-Speicher sind umso wirtschaftlicher, je näher sie an den industriellen Emittenten gelegen sind, erklärt Alexandra Decker vom Baustoffhersteller Cemex. Der Pipelinetransport sei zudem kostengünstiger als Bahn und Schiff. Folglich birgt der Ausbau regionaler CO2-Infrastruktur erhebliches Potenzial für Kostensenkungen, so ihr Plädoyer. Dafür müssten die Bundesländer die Opt-In-Klausel im Gesetzentwurf konsequent ausschöpfen und die Speicherung an Land erlauben.
Der „AfD keine Bühne geben“ ist eine weitverbreitete Überzeugung und Praxis. Sie hat die Erfolge der AfD nicht verhindert. Damit ist sie gescheitert. Was nun geschehen sollte, diskutiert Nils Meyer-Ohlendorf vom Ecologic Institut in seinem Standpunkt.
Der größte Teil der erneuerbaren Wärme wird bisher aus Holz gewonnen. Im Zuge der Dekarbonisierung der Wärmeversorgung könnte sich die nachgefragte Holzmenge nochmal stark erhöhen. Das würde den Wäldern in Deutschland und weltweit sowie dem Klima schaden. Ein Gegensteuern der Politik ist nötig – mit „Ideologie“ hat das nichts zu tun, schreibt Michaela Kruse, Bioenergie-Referentin beim Naturschutzbund Deutschland.
Der schleppende Netzausbau in Deutschland bremst die Energiewende: Zahlreiche große PV-Dachanlagen warten auf Anschluss. Um die Ausbauziele der Bundesregierung zu erreichen, sei mehr Pragmatismus nötig, fordert Matthias Lingg, Head of Engineering beim Solarunternehmen Enviria. Er schlägt vier Maßnahmen vor, um den Prozess zu beschleunigen und Druck vom Netz zu nehmen.
„Die Sonne schickt uns keine Rechnung“ war Leitmotiv der Energiewende: Sobald die Technik ausgereift ist, fallen die Kosten. Doch die Bundesregierung wird ihrem Anspruch nicht gerecht, moniert der Windpark-Projektierer Johannes Lackmann. Trotz enormer technischer Fortschritte der vergangenen 30 Jahre sei Strom für Verbraucher und Industrie heute teuer. Preisbremsen finanziert aus Steuermilliarden hält Lackmann aber für die falsche Lösung. Stattdessen müssten Fehlsteuerungen beseitigt werden.
Die jüngste Offshore-Auktion hat gezeigt: Das überaus ambitionierte Ausbauziel von 70 Gigawatt wird regelrecht in deutsche Nordseeflächen gepresst. Das ist doppelt ineffizient. Für Unternehmen, die Windturbinen wegen Verschattungsverlusten verdichtet aufstellen müssen und für den Meeresschutz, da Turbinen beschleunigt in potenziell sensible oder gar in Schutzgebiete gedrängt werden. Eine nordseeweite Flächenplanung könnte Abhilfe schaffen, meint Jonas Ott, Referent bei der Deutschen Umwelthilfe.
Dem Vorhaben der Bundesregierung, die bisherige Erneuerbaren-Förderung durch Investitionsprämien abzulösen, kann Sebastian Bolay viel abgewinnen und empfiehlt dies insbesondere für PPAs. Spätestens die immer häufigeren negative Preise an der Strombörse zeigen, dass das Fördersystem umgebaut werden muss, argumentiert der Bereichsleiter Energie, Umwelt, Industrie beim DIHK.
In Zukunft muss Deutschland CO2 abscheiden, speichern, nutzen und langfristig auch der Atmosphäre entnehmen. Nur so lassen sich die Klimaziele erreichen, geben Ralf Fücks und Lukas Daubner zu bedenken. Ihre Forderung: Alle Verfahren und Ansätze sollen dabei eine Chance bekommen – und eine kluge Politik soll Innovationen und Investitionen freisetzen.
Das Bundeswirtschaftsministerium hat kürzlich sein Optionenpapier „Zukunft des Strommarktes“ vorgestellt. Überfällig sind Details zum geplanten Kraftwerkssicherheitsgesetz und zum Zusammenwirken der Ausschreibungen mit dem Kapazitätsmarkt, der für 2028 angekündigt ist. EnBW-Vorstandsmitglied Peter Heydecker befürchtet, dass das BMWK ausgerechnet die komplexeste Option anpeilt.
Sven Höppner drängt zu einem raschen Ende der Förderung erneuerbarer Energien. Erst wenn man die Erneuerbaren in den Markt entlasse, könnten sie zu einem echten Erfolgsmodell werden, argumentiert der Vorsitzende der Kommission Energiepolitik der Organisation Die Familienunternehmer.
Im Zuge der Planungsbeschleunigung der Energiewende sind Beteiligungsschritte und Naturschutzvorgaben beim Ausbau der Erneuerbaren zunehmend ins Visier geraten. Dieser einseitige Fokus der Bundesregierung ist ein großer Fehler, kritisieren Rebekka Blessenohl und Brick Medak vom Naturschutzbund Deutschland (NABU).
Der europäische Windenergiemarkt ist im Aufbruch. Eine Reihe von EU-Richtlinien und -Verordnungen hat klare Zielvorgaben geschaffen und den Ausbau der Windenergie EU-weit angeregt. Nun versuchen chinesische Turbinenhersteller, in den wachsenden europäischen Markt vorzustoßen. Warum deren Offerten mit Vorsicht zu genießen sind, erläutert BWE-Präsidentin Bärbel Heidebroek.
Das neue Energieeffizienzgesetz soll Deutschlands Energieverschwendung stoppen und die Klimaneutralität fördern – und wird schon wieder novelliert. Doch die Gesetzesnovelle enttäuscht: Trotz ambitionierter Ziele fehlen konkrete Maßnahmen und verbindliche Vorgaben für die Industrie. Ein Standpunkt von Leonard Burtscher, Referent für Energie- und Klimapolitik am Umweltinstitut München.
Die nationale Importstrategie für grünen Wasserstoff und Derivate ist verabschiedet. Eine Vielzahl europäischer Regelungen verhindert jedoch ein Kernziel dieser Importstrategie: Nachhaltig den Markthochlauf grüner Kraft- und Grundstoffe zu schaffen. Thorsten Herdan vom E-Fuels-Anbieter HIF mahnt zu schnellem Handeln, sonst gerate Europa ins Hintertreffen.
Die Wärmewende in Deutschland läuft nicht wie erhofft. Wirtschaftsminister Robert Habeck rührt derzeit die Werbetrommel für die Wärmepumpe, denn jüngste Zahlen des Heizungsverbands BDH zeigen: Die Nachfrage danach ist im ersten Halbjahr drastisch eingebrochen. Jan Ossenbrink vom Wärmedienstleister Vamo sieht die Ursache ausgerechnet bei der Förderung.
Der Zuschuss für eingespeisten Solarstrom war zu seiner Einführung ein sinnvolles Instrument. Inzwischen hat es sich aber längst überholt – denn PV-Anlagen rentieren sich auch komplett ohne Förderung. Was die Solarinstallateure sich nun stattdessen von der Politik wünschen.
Seit gestern ist die Methanverordnung in Kraft, die betroffenen Unternehmen vielfältige Überwachungs- und Berichtspflichten auferlegt. Matthias Schmittmann erklärt, was auf die Erdgasindustrie künftig zukommt, wann sie ihre Methanemissionen real an der Quelle messen muss und wann mit ersten Inspektionen zu rechnen ist. Wichtig dabei: Unternehmen sollten ihr Personal frühzeitig schulen und geeignete Software-Lösungen finden, so der CEO von atmio.
Der Ausbau der Solarenergie hat deutlich an Fahrt aufgenommen. Die Kehrseite sind häufiger auftretende Einspeisespitzen und negative Preise. Kerstin Andreae, Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung, beschreibt, welche Schritte helfen könnten, ohne den Erneuerbaren-Ausbau zu bremsen und den Erfolg der Energiewende zu gefährden.
Die Transformation hin zu einer klimaneutralen Industrie birgt enorme Herausforderungen. Ein wichtiger Hebel ist eine ganzheitliche Kreislaufwirtschaft. Der Entwurf der Nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie (NKWS) benennt zwar erstmals dieses Potenzial, bleibt aber bei konkreten industriepolitischen Maßnahmen vage. Johanna Wiechen und Luisa Denter von Germanwatch machen in einem heute erschienenen Policy Paper Vorschläge, wie die NKWS doch zum Motor der Industrietransformation werden kann.
KI wird von immer mehr Menschen genutzt, doch der der Klima-Effekt ist umstritten. Verschiedene Unternehmen und Initiativen bemühen sich bereits, Transparenz bei den CO2-Emissionen zu schaffen. Arne Tarara, CEO von Green Coding Solutions, beleuchtet den Stand der Technik und betont, dass KI auf ihren Umweltnutzen geprüft werden muss.
Der deutsche Strommarkt und seine Netze befinden sich mitten in der Transformation. Hierbei entstehen Probleme, die systemisch gelöst werden müssen, nicht rechnerisch auf dem Papier. Denn bei einer Gebotszonenteilung würden die negativen Folgen gegenüber den vermeintlichen Vorteilen überwiegen.
Die Ampel-Koalition will die Förderung der Erneuerbaren per EEG-Einspeisevergütung durch Investitionsförderung ersetzen. Hans-Josef Fell schrieb vor 24 Jahren den Entwurf des ersten EEG. Er hält die Umbaupläne der Bundesregierung für den falschen Weg. Für Experimente, argumentiert der Grünen-Politiker, sei es schon viel zu spät.
Die Importstrategie für Wasserstoff und seine Derivate hat das Bundeskabinett passiert. Das ist ein wichtiges Signal für den Hochlauf in Deutschland, aber auch für die europäischen Nachbarn sowie potenzielle Exportländer, kommentiert Kirsten Westphal vom BDEW.
Der Entwurf zum Geothermiebeschleunigungsgesetz ist ein Meilenstein für die Branche, meint Gregor Dilger vom Bundesverband. Um den Turbo bei der Wärmewende zu zünden, müsse der Gesetzesentwurf aber an einigen entscheidenden Stellen angepasst werden.
Seit Jahren hinkt der Gebäudesektor den Zielen des Klimaschutzgesetzes (KSG) hinterher. Deshalb lenkt Laura Dorfer, die Geschäftsführerin des neuen Industrieverbunds VDMA Sanitärtechnik und -design, das Augenmerk auf Gebäudebereiche, deren Potenzial bislang weitgehend ungenutzt blieb: auf Badezimmer und Sanitärräume. Dieser Hebel zur Senkung der CO2-Emissionen von Gebäuden muss politisch thematisiert und durch Änderungen in Gesetz- und Regelwerk nutzbar gemacht werden, fordert sie.
Die Kreislaufwirtschaft kann zum Erreichen der Klimaschutzziele beitragen. Damit dies gelingt, braucht es nicht nur als eine Strategie, sondern einen klaren gesetzlichen Rahmen, schreibt Christian Schiller, Gründer und Geschäftsführer des Recyling-Dienstleisters Cirplus.
Die Ampel-Koalition will die Erneuerbaren-Förderung neu aufstellen. Das Vorhaben bietet die Chance, durch kluge Anpassung der Kostenstruktur und die Stärkung innovativer Finanzierungsmodelle den Ausbau abzusichern, erläutert Carolin Dähling, Bereichsleiterin für Politik und Kommunikation bei der Ökoenergiegenossenschaft Green Planet Energy. Entscheidend dabei: Die Planungssicherheit erhalten.
Das Eckpunktepapier für eine Carbon Management Strategie sowie der Gesetzesvorschlag zur Änderung des Kohlendioxid-Speicherungsgesetzes setzen CCS wieder auf die tagespolitische Agenda. Zur Technologieimplementierung empfehlen Danny Otto, Till Markus und Daniela Thrän vom UFZ: klare Zielvorgaben, eine enge Verzahnung mit der Langfriststrategie Negativemissionen und Pragmatismus.
Die EU steht vor wichtigen Entscheidungen mit Blick auf Klimaschutz und Wachstum. Ein klarer Fokus auf marktwirtschaftliche Maßnahmen und eine breite gesellschaftliche Akzeptanz für die Transformation sind nötig, um die Klimaziele zu erreichen und wettbewerbsfähig zu bleiben, schreibt Bernd Weber, Gründer und Geschäftsführer der Denkfabrik EPICO.
Die gesicherte Energieversorgung der Bevölkerung und der Industrie ist entscheidend für das Gelingen der Energiewende. Grüner Wasserstoff ist dabei der Garant einer sicheren, wirtschaftlichen und nachhaltigen Versorgung – unabhängig von der Witterungslage. Dafür braucht es wirksame Zertifizierung und enge Kontrollen. Diese wird es am schnellsten in der EU geben, ist der Vorstandsvorsitzende des Deutschen Wasserstoff-Verbandes (DWV), Werner Diwald, überzeugt.
Der Ausbau der Stromnetze geht nicht schnell genug voran – und es wird immer schwieriger, einen Netzanschluss zu bekommen. Andreas Jahn und Julia Hildermeier fordern, dass Behörden die Netzbetreiber bei Verzögerungen künftig zur Ordnung rufen können. Doch es brauche auch eine Neugestaltung der Netzentgelte, um die richtigen Preissignale zu senden.
Grüne Produkte und Prozesse müssen wettbewerbsfähig werden – so das Konzept von Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck für grüne Leitmärkte. Das gilt insbesondere für die Transformation extrem CO2-intensiver Branchen. Holcim-Deutschland-Chef Thorsten Hahn sieht die Politik bei der Infrastruktur für CO2 in der Pflicht.
Für die Energiewende muss Deutschland seine Stromnetze massiv ausbauen. Der Fokus liegt dabei auf etablierten Kabeltechnologien. Dabei könnte man mit Alternativen Kosten senken, schreibt John Fitzgerald, Geschäftsführer des auf Supraleiter spezialisierten Start-ups Supernode. Nötig sei dafür eine Innovationsfreundliche Regulatorik.
Bei Industrieprozessen, die bei hohen Temperaturen ablaufen, ist unsicher, ob genug Ökostrom oder grüner Wasserstoff zur Verfügung stehen wird, um sie zu dekarbonisieren, warnt Susanne König. Als Alternative führt die Mitgründerin des Unternehmens Kraftblock Hochtemperaturspeicher ins Feld. Doch deren Einsatz werde bisher regulatorisch gebremst.
Graham Weale hält die aktuellen Pläne für den Hochlauf des Wasserstoffmarktes auf Basis grünen Wasserstoffs für unbezahlbar und extrem unrealistisch. Der Professor für Energiewirtschaft am Centrum für Umweltmanagement, Ressourcen und Energie (CURE) der Ruhr-Universität Bochum schlägt einen Vier-Punkte-Plan zur Überwindung der Hemmnisse vor.
Anbieter von synthetisiertem Methan aus Wasserstoff und Kohlenstoff sind auf Subventionsjagd. Eine Förderung im Rahmen der Klimaschutzverträge sollte aber ausgeschlossen sein, fordern die Umwelt-NGOs. Warum sie entschieden dagegen sind, erläutert Georg Kobiela von Bellona Deutschland.
Die Energiewende setzt in erster Linie auf Strom, doch auch Wasserstoff wird Teil des zukünftigen Energiesystems sein. Das erfordert Leitungen von den Produktions- oder Import-Terminals zu den Verbrauchsstellen. Dabei muss ein „Tunnelblick“ allein auf Strom oder auf Wasserstoff überwunden werden, warnt Jorgo Chatzimarkakis, CEO des Wasserstoffverbands Hydrogen Europe.
Alle Zeichen stehen auf den Niedergang von Fracking-Gas – davon ist Lisa Badum, Vorsitzende des Unterausschusses Internationale Klima- und Energiepolitik, überzeugt. Nun müsse Deutschland die Abkehr von dem fossilen Brennstoff entschlossen vorantreiben. Neue Importterminals und Langfristverträge gehörten deshalb der Vergangenheit an.
Was der Regierung in ihrer Haushaltsplanung für 2025 fehlt, ist ein Zielbild, in welche Richtung sie das Land gestalten will. Statt einen Weg nach vorn aufzuzeigen, streitet sich das Kabinett um die Frage, wie groß die Rückschritte sein sollen. Michael Schäfer von GermanZero appelliert an Klimaschützer:innen, sich jetzt einzumischen.
Ein Leitmarkt für CO2-neutralen Stahl ist ökologisch und wirtschaftlich sinnvoll, findet Thomas Bünger, CEO von zwei deutschen ArcelorMittal-Werken. Besonders im Bausektor könne der Staat den Einsatz des grünen Grundstoffs vorantreiben und die Transformation stützen. Ohne diese und andere Maßnahmen drohe die Industrie sonst abzuwandern.
Anja Lange sieht Deutschland vor einer wegweisenden Herausforderung: Wie können der Ausbau der erneuerbaren Energien und gleichzeitig die Sicherung der deutschen Industrien gewährleistet werden? Dies ist keine neue Frage, jedoch eine, die dringend neue Antworten benötigt, findet die Europachefin von First Solar.
Die bevorstehende Einigung zur Kraftwerksstrategie zwischen Bundesregierung und EU- Kommission wird dem Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft in Deutschland neuen Schwung verleihen. Hochproblematisch ist aber, dass damit der Weg für blauen Wasserstoff bereitet und keine Überlegungen stattfinden, wie aus der Übergangslösung wieder ausgestiegen werden soll, argumentiert Simon Schreck von Germanwatch.
In Zeiten von knappen Kassen kann sich die Bundesregierung nicht allein auf die EEG-Förderung zur Finanzierung von Erneuerbaren verlassen. Die Direktvermarktung von Strom mittels Power Purchase Agreements wird daher künftig unerlässlich sein, um die Klimaziele zu erreichen, ist Stefan Degener von GreenGo Energy überzeugt. Besonders kleinen und mittleren Unternehmen muss dabei der Zugang zu PPAs erleichtert werden.
Eine Studie im Auftrag der VSB-Gruppe zur Umverteilung der Netzentgelte zeigt: Im Jahr 2030 werden etwa 40 Prozent und 2040 zirka 60 Prozent aller bei den Verteilungsnetzbetreibern anfallenden Kosten über die bundesweite Wälzung verteilt – legt man den Mechanismus zur Entgeltabrechnung der Bundesnetzagentur an. VSB-Chef Grolman empfiehlt daher eine grundlegende Reform der Entgeltgestaltung anstatt eines Wälzungsmechanismus: die Einführung bundesweit einheitlicher Verteilnetzentgelte.
Im Gebäudesektor sinken die Emissionen nicht so zügig, wie es notwendig wäre. Eigentlich müsste die Bundesregierung mit Hochdruck gegensteuern und Effizienzstandards im Neubau und Bestand ernst nehmen. Stattdessen setze sie mit der neuen Gebäudeförderung weiter falsche Anreize, kritisiert Barbara Metz von der Deutschen Umwelthilfe.
Noch reagieren die Menschen kaum auf den angekündigten EU-Emissionshandel für Gebäude. Denn sonst käme der Markt für Gebäudesanierungen in Schwung, doch die Nachfrage im Sanierungsmarkt ist eingebrochen. Damit es nicht zu heftigen Preissprüngen kommt, sobald der neue Emissionshandel gilt, muss die Bundesregierung jetzt gegensteuern, finden Ute Czylwik von der Deneff und Kjell Bettgenhäuser von Guidehouse.
Die Anpassung im Smart-Meter-Regulierungsrahmen des letzten Jahres war ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung, aber sie reicht bei weitem nicht aus, findet Malte Sunderkötter. Teilweise gebe es eine eklatante Fehlsteuerung, warnt der E.ON-Metering-Experte und fordert dringend eine weitere Vereinfachung und Beschleunigung des Smart-Meter-Rollouts.
Cleantech hat es in Europa immer noch schwer. Dabei mangelt es nicht an Ideen, Fachkräften, Know-how oder Start-ups – sondern an den richtigen politischen Rahmenbedingungen. Was die EU vom US-amerikanischen Inflation Reduction Act lernen sollte, erklärt die Spitzenkandidatin der Partei Volt, Rebekka Müller.
Die Abschaffung des EEG wäre ein Schuss ins Knie, argumentiert Milan Nitzschke von den Erneuerbaren-Verbänden BWE und BEE. Zwar entfiele der staatliche Zuschuss, es gäbe aber weniger Erneuerbare und somit dauerhaft höhere Strompreise. Statt es abzuschaffen, sollte das Gesetz ausgebessert werden.
Statt die Kosten der Energiewende zu betonen, sollten die Chancen der Dekarbonisierung im Vordergrund stehen, findet Jan Lozek. Nur mit Investitionen in Klimaschutz kann der Wirtschaftsstandort Deutschland eine Zukunft haben. Doch die richtigen Weichen muss die Politik setzten, und zwar jetzt, fordert der Geschäftsführer von Future Energy Ventures.
Den Schwerlastverkehr in Deutschland, der EU und erst recht weltweit klimaneutral zu machen, ist schwierig und nur mit technoökonomischem Sachverstand und pragmatischen Entscheidungen lösbar. In einigen Fällen passen die Ansätze „rein batterieelektrisch“ oder „nur mit Wasserstoff“. Aber zu einem ganz wesentlichen Teil sind Kombinationen von beidem erforderlich.
Der diesjährige International E-Fuels Dialogue des Bundesverkehrsministeriums findet im Vorfeld der ILA Berlin statt und legt den Fokus für die Nutzung von E-Fuels zu Recht auf den Luftverkehr. Damit E-Fuels Teil einer global gerechten Energiewende sein können, sollte dabei auch über Nachhaltigkeitskriterien gesprochen werden, argumentiert Leon Berks von Agora Verkehrswende.