Die Bundesregierung legt bei digitaler Souveränität den Fokus auf theoretische Wechselfähigkeit. Eine auf den Ausnahmefall reduzierte Definition ist jedoch ökonomisch und praktisch verfehlt, sagt Nextcloud-CEO Frank Karlitschek. Digitale Souveränität entsteht nicht dadurch, dass Alternativen bereitliegen, sondern wenn sie im Regelbetrieb genutzt werden.
Mit der Zunahme hybrider Angriffe und angesichts einer angespannten geopolitischen Lage gelangt Sicherheit wieder in den Fokus vieler Unternehmen. Zu oft geht es dabei um punktuelle Maßnahmen, ohne sie in ein gesamtheitliches Bild einzuordnen. Dadurch entstehen Lücken, die Angriffe vereinfachen, schreibt Paul Zenker im Standpunkt.
Die Idee des Deutschland-Stack bringt eine neue Dynamik in die Verwaltungsdigitalisierung. Der Fokus darf dabei aber nicht auf einzelnen Technologien liegen, schreibt Michael Kiefer von SAP, sondern auf einer zusammenhängenden Plattformarchitektur.
Die geplante „Work and Stay“-Agentur soll Deutschland befähigen, ausländische Fachkräfte schnell aufzunehmen und ihnen das Leben und Arbeiten in Deutschland zu erleichtern. Damit die Agentur zu einem Erfolg wird, braucht es mutige Reformen, wie ein aktuelles Positionspapier von PD und Digital Service herausstellt. Christina Rieke Lang vom DigitalService und Philip von Haehling von PD, sind überzeugt: Nur ein weiteres Online-Portal bringt nicht die erhoffte Modernisierung.
Mit dem 28. Regime und der „EU Inc.“ will die EU eine neue, europaweit einheitliche Unternehmensrechtsform schaffen. Das wird aber nicht die gewünschten Resultate zeitigen. Ein Dramolett zur europäischen Rechtswirklichkeit.
Alle reden zwar von digitaler Souveränität und mehr Unabhängigkeit von US-Konzernen, doch in der Praxis passiert zu wenig. Deutsche und europäische Alternativen werden kaum unterstützt. Das hat vor allem drei Gründe.
Internetnutzende sind zunehmend ermüdet. Da kann Datenschutz noch so sinnvoll sein, nach seitenlangen Ausführungen und Auswahlmöglichkeiten wird den Cookies doch kollektiv zugestimmt. Dabei gibt es Alternativen und Ansätze, die Digitalregulierungen insgesamt stärken.
Drohen EU-Regularien wie der AI Act und künftig Fida sowie Bafin-Vorgaben europäische KI-Initiativen im Finanzbereich abzuwürgen? Ganz und gar nicht: Regulatorik und Innovation sind keine Gegensätze und befruchten sich gegenseitig. Für Unternehmen bilden sie die Chance, sich vor die Welle zu setzen und dem Wettbewerb einen Schritt voraus zu sein.
Unter dem Versprechen von digitaler Unabhängigkeit verschiebt sich Macht zu Staaten und Konzernen. Irans Abschaltungen zeigen, wie schnell „Souveränität“ zur Legitimation von Kontrolle wird. Das sollte auch für Europa eine Warnung sein.
In Baden-Württemberg ist Landtagswahl. Bisher ist die Digitalisierung dort im Innenministerium untergebracht. Warum es neben Hessen auch dort ein eigenständiges Digitalministerium braucht, argumentiert Jonas Hoffmann, MdL und Digitalausschussmitglied.
KI-Agenten analysieren unsere Verhaltensweisen und versuchen anhand dessen, das Denken der Nutzenden zu steuern. Deshalb besteht Nikolai Horn von der Denkfabrik iRights Lab auf ein Grundrecht auf kognitive Selbstbestimmung. Im KI-Zeitalter sei das freie Denken ein zentrales Schutzgut, das rechtlich abgesichert werden müsse.
Wenn der Markt versagt, braucht es neue Regeln, die Verbraucher:innen schützen und den Wettbewerb sichern. Beim Internet-Zusammenschaltungsmarkt liegt aber kein Marktversagen vor. Neue Regeln sind daher nicht notwendig. Die Zusammenschaltung funktioniert – bis auf wenige Einzelfälle. Wo vereinzelt Streitigkeiten auftreten, reichen die bestehenden Regeln aus. Der von der EU-Kommission vorgeschlagene Streitbeilegungsmechanismus verunsichert den Markt.
Heutzutage übernehmen KI-Agenten zahlreiche repetitive Aufgaben, sie können sogar die Urlaubsplanung gestalten. Doch diese neue Bequemlichkeit birgt auch Gefahren, denn öffentliche Diskussionen verlagern sich zunehmend vom allgemein zugänglichen Internet in private, einzelne KI-Antworten. Der Datenwissenschaftler Matthias Böck ruft zu mehr Eigenverantwortung auf.
Sicherheitsbedenken sind der Hauptgrund, wenn Menschen der elektronischen Patientenakte widersprechen. Dass sie so schnell wie möglich geschlossen werden müssen, ist für die Datenschutzbeauftragte Louisa Specht-Riemenschneider und Christian Groß, Leitungsstab der BfDI keine Frage. Doch viele wissen gar nicht, was in den Einstellungen möglich ist, wie das Datenbarometer zeigt.
Die Nutzung von Open-Source-KI kann schon jetzt Milliardenbeträge sparen. Ob der Vorsprung und die hohen Bewertungen vieler KI-Firmen dauerhaft sind, ist daher fraglich, glaubt Mark Surman. Gerade Regierungen sollten daher Open-Source-Modelle in ihre Strategien einbinden.
Deutschland debattiert leidenschaftlich über Heizungsgesetze und Verbrenner, übersieht aber das eigentliche Nadelöhr: die veraltete Energieinfrastruktur. Die Zahl dezentraler Anlagen wächst exponentiell. Dennoch wird versucht, dieses neue komplexe System mit Verwaltungsmethoden der Vergangenheit zu steuern. Björn Waide von Lynqtech analysiert, warum das nicht aufgehen kann. Er empfiehlt, Infrastrukturprobleme als Software-Herausforderung zu begreifen.
Ohne wachsende Start-ups stagniert Produktivität. Europas fragmentierter Binnenmarkt bremst Innovation und Investitionen. Der Vorschlag eines „Regime 0“ würde das ändern – und jungen Firmen die Expansion erleichtern, ohne nationale Regeln anzutasten.
Was macht gutes Marketing in Zeiten von KI-Bild- und Videogeneratoren aus? Zwar sparen Unternehmen durch die Nutzung von KI-Tools Produktionskosten, riskieren damit aber auch einen Vertrauensverlust ihrer Kunden.
Während das NIS-2-Umsetzungsgesetz in Deutschland Sicherheitsrisiken minimieren soll, adressiert das Gesetz die Abhängigkeiten von einzelnen Anbietern in deutschen Telekommunikationsnetzen nicht. Dabei gibt es für Stefan Laun von Samsung Electronics eine Lösung: Deutschland sollte auf offene Schnittstellen und die Open-Ran-Technologie setzen, wie es in vielen Ländern längst Praxis ist.
2026 wird für Europa unbequem, sagt Andreas Liebl, Managing Director bei Applied AI. Das erfordert von Politik, Wirtschaft sowie Gesellschaft eine neue Ehrlichkeit zu notwendigen Investitionen und strukturellen Reformen.
AI Companions hören zu, helfen beim Lernen und vermitteln ein Gefühl von Nähe, ohne zeitliche oder soziale Barrieren. Doch weil KI menschliche Reaktionen täuschend echt simuliert, geht das Bewusstsein für die Künstlichkeit des Gesprächspartners verloren. Eine Regulierung, die die Risiken begrenzt, ohne die Potenziale der Technologie zu ersticken, ist dringend nötig.
Biometrische Daten, Datenbanken mit sensiblen Informationen, KI-Training, oder der (automatisierte) Abgleich mit sozialen Netzwerken – die Vorhaben der Regierung werden stark kritisiert. Auch von der Gesellschaft für Informatik, die von der Regierung Transparenz fordert.
Spätestens seit das Münchner Landgericht das Softwareunternehmen Open AI und seine Künstliche Intelligenz ChatGPT in die Schranken gewiesen hat, ist der Wettstreit zwischen KI und menschlichen Urhebern im Schöpfungsprozess in eine neue Runde gegangen. Die Auswirkungen des Urteils spürt auch der Buchhandel, meint Frederik Palm, und sieht darin auch Chancen.
Europa investiert Milliarden in KI-Infrastruktur und riskiert dennoch neue Abhängigkeiten: 19 KI-Fabriken und fünf Gigafabriken schaffen noch keine Souveränität, solange Verträge intransparent bleiben und die Umsetzung fragmentiert ist.
Während in Australien seit gestern ein Social-Media-Verbot für Unter-16-Jährige in Kraft ist, verliert sich Deutschland in Bedenken und Debatten über Medienkompetenz. Dabei ist solch ein Verbot längst überfällig, wie die Erfahrungen aus dem technologieverliebten Kalifornien zeigen.
Deutschland hat eine Modernisierungsagenda, aber noch keinen modernen Staat. Der Durchbruch kommt erst, wenn Bund, Länder und Kommunen sie gemeinsam mit Leben füllen: mit Experimentiermut, Transparenz und dem Ziel, Verwaltung bis 2040 spürbar besser und vertrauenswürdig zu machen.
Die Debatte zum Digital-Omnibus ist gerade erst eröffnet. Unternehmen sollten im laufenden Verfahren ihre Expertise einbringen und ihre internen Grundlagen stärken – also bessere Governance, klare Prozesse und robuste technische Strukturen schaffen. Denn es gilt: Regulierung folgt stets der technischen Entwicklung, und die wird schneller, nicht einfacher.
Seit 2021 darf in Deutschland legal online gezockt werden. Doch die Risiken sind weiterhin groß: schwache Schutzregeln, hohe finanzielle Gefahren und ein florierender illegaler Markt. Besonders problematisch sind die ständige Verfügbarkeit und ein Einzahlungslimit, das viele Spieler in die Überschuldung treiben kann, schreibt Konrad Landgraf vom Fachverband Glücksspielsucht im Standpunkt.
Social Media bleibt für viele Minderjährige ein riskanter Ort – deshalb diskutieren immer mehr EU-Länder Verbote nach australischem Vorbild. Doch solche Maßnahmen greifen zu kurz, findet Lena-Maria Böswald. Europa verfügt längst über ein starkes digitales Regelwerk. Was fehlt, ist nicht mehr Regulierung, sondern die konsequente Umsetzung der bestehenden Gesetze.
Mit der Forderung, DMA und DSA zu lockern, hat sich Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche die falschen Ziele gesucht, sagt Stepstone-Chef Sebastian Dettmers. Wer diese Gesetze schleife, hilft nicht der deutschen Wirtschaft, sondern großen Tech-Plattformen. Er sieht in dem Vorstoß aber auch einen Ausdruck von „Compliance-Fatigue“.
Die Verwaltung steht vor der Herausforderung, Künstliche Intelligenz nicht nur als technische Neuerung zu begreifen, sondern als strategisches Instrument für eine moderne, effiziente und bürgernahe Verwaltung. Doch dazu braucht es eine klare, übergreifende Strategie.
In der Debatte über die digitale Souveränität geht es derzeit viel um Grundsatzforderungen. Dabei wissen wir doch aus der Praxis: Souveränität entsteht nicht durch Abschottung, sondern durch technologische und organisatorische Schutzketten. Ein Plädoyer für eine realistischere Herangehensweise.
Während große KI-Modelle sehr komplex und energieaufwendig sind, zeigt eine neue Generation kompakter Systeme, dass Innovation auch anders funktioniert: Hybride Ansätze verbinden symbolische und numerische Methoden zu leistungsfähigen und oft spezialisierteren Lösungen. Diese Entwicklung könnte den industriellen Einsatz von KI stark beschleunigen, schreibt Professor Wolfgang Wahlster im Standpunkt.
Immer mehr Jugendliche nutzen generative KI zur Ausbildungsrecherche. Felix von Zittwitz, CEO der Online-Berufsberatung, warnt vor Risiken, die den Fachkräftemangel verstärken und die Vielfalt der Ausbildungsberufe gefährden könnten. Es braucht mehr Transparenz und Verantwortungsbewusstsein dafür, wie Datenräume strukturiert sein müssen, damit auch weniger prominente Berufswege in der algorithmischen Berufsberatung eine faire Chance bekommen, schreibt von Zittwitz.
Der Digitale Omnibus der EU hatte schon vor seiner Vorstellung massive Kritik ausgelöst. Anhand des inzwischen vorliegenden offiziellen Kommissionsentwurfs ordnet Christiane Wendehorst das Gesetzesvorhaben ein. Dabei findet sie viele sinnvolle und teils auch überfällige Anpassungen im EU-Digitalrecht.
Der Staat muss digitale Räume schützen, um die Grundrechte der Bürger:innen wirksam zu bewahren. Gleichzeitig wachsen technische Herausforderungen, die Outsourcing kaum vermeidbar machen. Sarah Rachut, Rechtsprofessorin an der TU Braunschweig, erläutert im Standpunkt, was das für die digitale Souveränität bedeutet, besonders in sensiblen Bereichen wie der Polizeiarbeit.
Gemeinsam sollten sich Deutschland und Frankreich auf eine europäische Priorität für digitale Dienste einigen, fordert Frankreichs Digitalministerin Anne Le Hénanff. Dies sei die verantwortungsvolle Wahl, schreibt sie im Standpunkt. Denn europäische Innovationen zu priorisieren bedeute nicht, andere auszuschließen, sondern Abhängigkeiten zu überwinden.
Der europäische Gipfel in Berlin bietet die Gelegenheit, die theoretischen Debatten zur „digitalen Souveränität“ hinter sich zu lassen, um endlich ins Machen zu kommen. Denn was nun gebraucht wird, liegt auf der Hand.
Was sollte auf der Agenda des Gipfels zur digitalen Souveränität stehen? Amin Oueslati und Jonathan Schmidt von The Future Society argumentieren, dass es ehrgeizige Ziele und Initiativen braucht. Souveränität darf nicht zum bloßen Schlagwort verkommen.
Wenn die NIS-2-Richtlinie beschlossen ist, geht es um eine effiziente Umsetzung. Denn neue gesetzliche Pflichten machen noch keine bessere IT-Sicherheit. Auch im Haushalt müssen entsprechende Mittel für Personal eingeplant werden.
Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienste sollen ein neues, modernes Funknetz bekommen. Dafür brauchen wir angesichts zunehmender Krisenlagen eine schnelle und effiziente Lösung. Denn dieses Mal muss die Umsetzung gelingen. Alles andere können wir uns unter aktuellen Voraussetzungen kaum leisten.
In einer Woche beginnt der deutsch-französische EU-Gipfel zur digitalen Souveränität. Andreas Kadler, CEO von Plusserver, hofft auf einen verbindlichen Aktionsplan. Damit europäische Provider mit den US-Cloud-Größen mithalten können, braucht es Kapital und politische Rückendeckung, etwa durch die Förderung offener Standards und eine koordinierte Beschaffungspolitik.
Erfolgreiche Digitalpolitik setzt nicht auf Kontrolle, sondern auf Kompetenz. Für Europa heißt das: Digitale Souveränität kann nur mit einem echten Binnenmarkt, internationalen Partnerschaften und ökonomischem Sachverstand statt rechtlicher Formalisierung gelingen.
Viele Unternehmen setzen derzeit darauf, beim Glasfaserausbau miteinander zu kooperieren. Dabei stand die Strategie der Deutschen Telekom zuletzt mehrfach in der Kritik der Wettbewerber. Nun meldet sich Thilo Höllen, Leiter der Breitbandkooperationen bei der Telekom, selbst zu Wort in der Debatte.
Der Ruf nach weniger Regeln ist laut – und bequem. Ohne verlässliche Leitplanken entstehen Unsicherheit, Machtkonzentration und Stillstand. Entscheidend ist es nicht weniger, sondern koordiniert und vorausschauend zu regulieren. Wie ein lernendes System aus Szenarien, Planspielen und Früherkennung politische Sackgassen verhindert.
Fast alle deutschen Behörden nutzen Microsoft-Produkte – mit gravierenden Folgen für Wettbewerb und Kosten, kritisiert Professor Torsten Oltmanns von der Berliner Quadriga Hochschule. Die Informationshoheit liege beim Konzern, weshalb echte Verhandlungen über Preise kaum möglich seien. Transparenz und offene Schnittstellen könnten den digitalen Handlungsspielraum zurückbringen.
Das Vergabewesen braucht Veränderungen. Gesetze und digitale Prozesse sind dabei wichtig, schreibt Lisa Steigertahl, Direktorin für Cloud und KI bei Deloitte – doch entscheidend ist ein Kulturwandel in der Beschaffung. Auf allen Seiten.
Verwaltungstransformation ist für viele junge Menschen ein fernes Expert:innenthema. Dabei entscheidet sie darüber, ob staatliches Handeln wirksam wird. Gefordert sind mehr Transparenz und überprüfbare Ziele, damit Erfolge wie Fehlentwicklungen gleichermaßen offenliegen.
Mit der Hightech-Agenda bekennt sich die Bundesregierung zu Quantentechnologien als strategischem Zukunftsfeld der deutschen Wirtschaft. Die dabei formulierten Ziele konzentrieren sich auf technologische Hardware-Exzellenz. Dabei braucht es mehr: eine Industrialisierungsinitiative, die Software als eigenes Handlungsfeld anerkennt – und die Entwicklung konkreter Anwendungen konsequent in den Fokus nimmt.
Die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands fällt und statt Innovationen zu entwickeln, wird das Land zum „Durchlauferhitzer“ für Forschung und Ausbildung. Tina Klüwer analysiert die Probleme und zeigt Lösungswege auf.
Der Staat fördert, aber beschleunigt nicht: Trotz Rekordmitteln hinkt Deutschland beim Glasfaserausbau weiter hinterher. Was die Politik jahrelang übersehen hat – und was jetzt passieren muss.
Die neue „Apply AI“-Strategie der EU tauscht Diskussionen über KI-Risiken gegen praktische Anwendung. Endlich, findet Anselm Küsters vom Centrum für Europäische Politik (Cep). Doch die Strategie kranke an einem Sammelsurium bestehender Programme ohne klare Prioritäten. Dabei hat Europa durchaus die richtigen Bausteine für KI-Erfolg.
Vom Silicon Valley nach Berlin? Wegen des Vorgehens der Trump-Regierung verlassen Tech-Talente in Scharen die USA – und Europa könnte der Gewinner sein. Doch während Kanada und China mit schnellen Visa locken, trödelt die EU mit langwieriger Bürokratie und braucht zu viel Zeit.
Von der Verwaltung bis zur Verteidigung: Europas digitale Infrastruktur hängt oft von US-Anbietern ab. Dabei wäre die Basis für echte Unabhängigkeit längst vorhanden, schreibt Kai Wawrzinek, CEO bei Impossible Cloud. Er plädiert für ein verbindliches Souveränitätslabel in der EU.
Wenn es um den Abbau von Bürokratie geht, sollte das Problem an der Wurzel gepackt werden. Dazu brauch es eine neue Arbeitskultur in den Ministerien. Denn obwohl Ministerien häufig neue digitale Tools ausprobieren, bleiben im Hintergrund klassische Bürokratie-Strukturen erhalten, schreiben Mascha Will-Zocholl, Tino Schuppan und Philipp Kuscher im Standpunkt.
Im November steht auf EU-Ebene eine Entscheidung an, die für die digitale Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands und Europas von grundlegender Bedeutung ist: die künftige Nutzung des oberen 6-GHz-Frequenzbands. Die Radio Spectrum Policy Group (RSPG) sollte der EU-Kommission empfehlen, das gesamte Band für die lizenzfreie WLAN-Nutzung freizuhalten.
In der Debatte um digitale Souveränität geht es oft um Standorte. Doch das Problem ist nicht die Postleitzahl des Rechenzentrums, sondern fehlende technische Selbstbestimmung, schreibt Elias Schneider.
Kleine und mittlere Unternehmen sehen sich oft unfairen Praktiken großer Plattformen ausgesetzt. Statt endlich zu handeln, hat die EU nun die geplante Digitalsteuer vorerst gestrichen. Es braucht endlich mehr als Absichtserklärungen, schreibt der norwegische Unternehmer Petter Neby.
Während digitale Souveränität in Europa und Wege aus der technologischen Abhängigkeit von den USA weiterhin die Debatten prägen, kündigen SAP und Microsoft feierlich an, was Verwaltung, Schulen und Universitäten in Deutschland und Europa ihrer Ansicht nach demnächst nutzen sollen: KI-Technologie des US-Anbieters Open AI. Michael Littger und Dennis Kipker vom Cyberintelligence Institute ordnen im Standpunkt die Ereignisse ein.
Die Europäische Union hat bringt mehr Tech-Erfolge hervor als je zuvor. Doch Gründer:innen von Start-ups hadern mit den unterschiedlichen Rechtsrahmen der Mitgliedsstaaten. Ein „28. Regime“ soll Gründungen vereinfachen, Kapital mobilisieren und Mitarbeiterbeteiligungen vereinheitlichen. Doch Katharina Wilhelm vom Wagniskapitalgeber Index Ventures warnt, dass die Reform droht, zu kurz zu greifen.
Die Modernisierung der Verwaltung ist entscheidend für eine bürgernahe Zukunft, schreibt Mecklenburg-Vorpommerns Finanz- und Digitalminister Heiko Geue (SPD) im Standpunkt. Das Bundesland setzt Schwerpunkte bei IT-Sicherheit, Automatisierung und KI. Ziel sei ein Staat, der effizient, sicher und serviceorientiert arbeitet.
Die Mikroelektronikstrategie muss die industrielle Anwendung stärker berücksichtigen. Zudem brauche es eine Verzahnung mit anderen politischen Maßnahmen auf nationaler und europäischer Ebene, fordert Polina Khubbeeva vom BDI.
Viele Unternehmen experimentieren mit Ethik-Beiräten. Sie versuchen so frühzeitig verschiedene Perspektiven etwa bei der Entwicklung Künstlicher Intelligenz einzubeziehen. Den Beiräten fehlt dabei aber oft ein klares Ziel, ausreichende Ressourcen und eine sinnvolle Zusammensetzung, weiß Yasemin Efiloğlu. Firmen müssen aus Sicht der KI-Beraterin bei PD endlich damit starten, ethische Risiken als Gefahr fürs Geschäft ernst zu nehmen – und die Beiräte entsprechend aufzustellen.
Nur ein Handgriff könnte die Arbeit in Behörden, Unternehmen und von Privatmenschen stark erleichtern. Wenn nämlich die 1797 Gesetze und 2866 Rechtsverordnungen maschinenlesbar vorlägen. Davon ist Rafael Laguna, Direktor der Bundesagentur für Sprunginnovationen, überzeugt. Mit „Law as Code“ würde man die wuchernde Digitalisierung in Deutschland an der Wurzel packen.
Frequenzspektrum ist knapp und begehrt. Derzeit wird in der EU die Frage entschieden, wer das obere 6 GHz-Band künftig nutzen darf – Mobilfunk oder WLAN. Für Gerhard Fettweis ist klar: Vor allem mit Blick auf 6G-Anwendungsfälle ist das Spektrum für den Mobilfunk unverzichtbar – WLAN könne auch andere Frequenzen nutzen.
Die EU-Kommission will mit ihrem AI Continent Action Plan Europa zur KI-Führungsmacht machen. Doch der Plan offenbart fundamentale Widersprüche zwischen Wettbewerbsambitionen und Nachhaltigkeitszielen. Während Tech-Giganten wie OpenAI und Google diese Unklarheiten geschickt für ihre eigenen Zwecke nutzen, der EU fehlt eine Vision.